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Trotz Hitze : Trinkwasser sprudelt reichlich

Trinkwassergarant: die Anlage zur Aufbereitung von Rheinwasser in Biebesheim Bild: WHR

Das hessische Ried versorgt große Teile der Region mit Wasser. Trotz des trockenen Sommers scheint bisher noch kein Ende in Sicht, oder doch?

          2 Min.

          Die Trinkwasserversorgung im Ballungsraum Rhein-Main ist im auslaufenden Jahrhundertsommer mit monatelanger Trockenheit und großer Hitze nie in Gefahr gewesen. Zumindest dort nicht, wo Wasser aus dem hessischen Ried bezogen wird, wie etwa in den Großstädten Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden, wie die Vorsteherin des Wasserverbands Hessisches Ried, Elisabeth Jreisat, gestern mitteilte. Anders als in früheren Jahrzehnten senke sich trotz des großen Wasserverbrauchs in den vergangenen Wochen auch nicht mehr der Grundwasserspiegel im Ried ab.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Möglich mache das die 1993 begonnene Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser, sagte Jreisat: „Wir haben ein System das funktioniert, das die Wasserversorgung sicher macht.“ Ginge es nach den Wünschen des Verbands, würde die Trinkwassergewinnung sogar noch ausgebaut.

          Wasserstand des Rheins ist zu niedrig

          Denn obwohl der Wasserstands des Rheins derzeit so niedrig sei, könne weiterhin Wasser für die Aufbereitung entnommen werden. Eine Grenze dafür sei nicht in Sicht, sagte Jreisat in der Rheinwasseraufbereitungsanlage im südhessischen Biebesheim. Sie ist überzeugt, dass der Wasserverband Hessisches Ried, der 1979 auf Initiative des Landes gegründet wurde, und in dem sich Städte, Kreise und Wasserversorger zusammengeschlossen haben, sich nicht zuletzt in den vergangenen Monaten bewährt habe. Wenn es den regionalen Verbund nicht gäbe, „man müsste ihn spätestens jetzt ins Leben rufen“. Denn er gewährleiste eine „ökologisch verträgliche Wassergewinnung“, so Jreisat.

          Die Großstädte wollen dennoch „möglichst sparsam mit Wasser umgehen“, sagte der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten werde heute ohnehin „mit viel mehr Einwohnern viel weniger Wasser verbraucht“. Auf die scharfe Kritik aus dem Vogelsberg, dass in Frankfurt Bäume mit Trinkwasser gewässert würden, während im Vogelsberg dieses Wasser zur Grundversorgung fehle, reagierte Frank mit dem Hinweis, dass gerade dieser Sommer gezeigt habe, wie wichtig ein gutes Trinkwassernetz sei, in das man „beizeiten investieren müsse“.

          Der CDU-Politiker machte deutlich, dass man in Frankfurt künftig mehr auf Brauchwassser setzen wolle. Dort, wo Neubaugebiete entstünden, werde man den Einsatz dieser Technologie prüfen. „Das ist klar“, sagte Frank. In Wiesbaden hält man die Nutzung von Brauchwasser nicht nur für Industrie und Gewerbe für sinnvoll, wie Wiesbadens Umweltdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) sagte. Die Landeshauptstadt arbeite auch mit dem Land Hessen bei einem Pilotprojekt zusammen. „Wir wollen konzeptionell überlegen, wo man in den Städten Brauchwasser einsetzen kann.“ So könnten etwa Grünanlagen damit bewässert werden.

          Brauchwasser für drei Großstädte

          Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt nutzen Brauchwasser bereits für die Straßenreinigung. Darmstadts Kämmerer André Schellenberg (CDU) verwies allerdings zugleich auf die Grenzen der Brauchwassernutzung etwa für große Neubaugebiete. Wenn es im großen Stil gesammelt werde, könnten auch Keime entstehen, die eine erneute Aufbereitung des Wassers notwendig machten. Für Jreisat muss das Brauchwasser hygienisch einwandfrei sein und der Einsatz vom Bürger akzeptiert werden. „Es kann nämlich auch schwarz sein, wenn man auf die Toilettenspülung drückt.“

          Jreisat sieht es als ihre Aufgabe an, die Bürger mit hochwertigem Trinkwasser zu versorgen, das hygienisch einwandfrei sei, zu sozial verträglichen Preisen angeboten werden könne und ökologisch verträglich gefördert werde. Dass es immer wieder auch Kritik gebe, etwa von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, weiß Jreisat. Sie hält die Rheinwasseraufbereitung und Infiltration des Wassers in das Grundwasser des Hessischen Rieds dennoch für eine gute Lösung. Dennoch gelte: „Es gibt keine komplexere Wasserversorgung als die in Südhessen.“

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