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Stellenabbau bei Banken : Finanzplatz Frankfurt am Scheideweg

Einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt: die Deutsche Bank Bild: dpa

Bröckelt das Bild Frankfurts als Finanzplatz? Der bundesweite Trend des Stellenabbaus könnte auch der Mainmetropole schaden. Deshalb müssen die Banken dringend auf neue Technologien setzen.

          Bleibt Frankfurt eine Bankenstadt? Der Strukturwandel, in dem sich die Finanzbranche befindet, sorgt dafür, dass es auf diese Frage im Moment keine eindeutige Antwort gibt. Sinkende Erträge, steigende Kosten und die Wandlungsprozesse durch die Digitalisierung sorgen seit geraumer Zeit dafür, dass in Kreditinstituten Stellen eingespart werden müssen. Die internationale Konkurrenz ist den deutschen Konzernen davongeeilt.

          Immerhin ist derzeit davon auszugehen, dass Sondereffekte wie der Brexit, durch den vermutlich einige Tausend neue Arbeitsplätze am Finanzplatz entstehen werden, den zu erwartenden Stellenabbau in den Großbanken in den nächsten Jahren noch ausgleichen, ihn womöglich sogar überkompensieren können. Doch haben Einmaleffekte den Nachteil, dass sie eben einmalig sind. Zeigt die Beschäftigungskurve bei Banken weiter nach unten, bedroht das langfristig auch die Stellung der Finanzbranche als wichtigstem Arbeitgeber der Stadt.

          Auf neue Technologien setzen

          Doch wie soll der Finanzplatz darauf reagieren? Zum einen ist es geboten, auf neue Technologien zu setzen, denn das Bankgeschäft der Zukunft wird anders aussehen, als wir es jahrzehntelang kannten. Es reicht nicht, diese wichtige Aufgabe in die Hände der Finanz-Start-ups zu legen. Vielmehr sind die etablierten Konzerne dazu aufgerufen, sich noch mehr neuen Ideen, anderen Geschäftsmodellen und auch Kooperationen mit modernen Fintechs zu öffnen.

          Dazu gehört auch, die Ausbildung an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen. Werden Filialen geschlossen, wird der klassische Bankberater seltener gebraucht als früher. Auch in der Verwaltung werden künftig viele Tätigkeiten von Computern erledigt. Doch das heißt nicht automatisch, dass diese Stellen einfach wegfallen. Vielmehr müssen sich Geldhäuser zunehmend auch als IT-Konzerne verstehen – und ihre Mitarbeiter gerade für diese Aufgaben befähigen.

          Niedrigzinsen, Filialschließungen, Regulierungsauflagen, Automatisierung und zwei schwächelnde Großkonzerne: Der Finanzplatz steht an einem Scheideweg. Es gilt, heute die Voraussetzung dafür zu schaffen, damit Frankfurt auch künftig noch mit Fug und Recht als Bankenstadt bezeichnet werden kann.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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