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Kaffee-Start-up an Konzern : Darum hat Melitta den Frankfurter Internethändler Roastmarket gekauft

Fortan für Melitta tätig: Boris Häfele hat den Onlinehändler Roastmarket in Frankfurt mitgegründet, nun hat Melitta die Mehrheit übernommen. Bild: Roastmarket

Umsatz und Arbeitsplätze in einem Jahr verdoppelt - nur wenige Onlinehändler wachsen so schnell wie das Frankfurter Kafffee-Start-up Roastmarket. Das liege aber nur zum kleinen Teil an Corona, sagt der Gründer.

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           Einer der größten deutschen Internetshops für Premiumkaffee hat einen neuen Eigentümer. Am vor sieben Jahren gegründeten Start-up Roastmarket hat der Kaffeekonzern Melitta nun die Mehrheit übernommen, über den Kaufpreis wurde nichts mitgeteilt. Nach Aussage von Melitta ist das Frankfurter Start-up „der am schnellsten wachsende europäische Kaffee-Fachhändler“ und werde nun „entsprechende Ressourcen zur Verfügung“ gestellt bekommen. Die komplette Eingliederung in den Konzern sei aber nicht geplant.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Roastmarket hat im Corona-Jahr 2020 seinen Umsatz auf 23 Millionen Euro verdoppelt, die Zahl der Beschäftigten stieg zugleich von rund 50 auf 122. „Wir führen nun über 4000 Produkte und 280 Marken, und das ist ziemlich einzigartig in diesem Markt“, erklärt Gründer Boris Häfele. Die Idee zu dem Unternehmen sei ihm schon als Student an der Universität Frankfurt gekommen. Damals habe die Café-Kette Hoppenworth & Ploch, die heute drei Filialen in der Stadt besitzt, ihren allerersten Kaffeestand auf dem Campus eröffnet, und ständig hätten sich dort Schlangen gebildet. Da habe er sich gefragt, warum es so schwer sei, an guten Kaffee zu kommen. „Es gab keinen echten Fachhändler, der flächendeckend bekannt war“, habe er dann erkannt. Dabei ist Deutschland der weltweit zweitgrößte Kaffeemarkt, 2020 trank jeder Bundesbürger im Schnitt 168 Liter.

          Dritte Welle und Corona-Krise

          In der Branche wird seit einiger Zeit von einer „dritten Welle“ gesprochen: Bei der ersten sei Kaffee als Massenprodukt etabliert worden, die zweite brachte in den Neunzigern die Renaissance der Kaffeehauskultur und etablierte das Getränk als Genussmittel. Und nun interessieren sich immer mehr Kunden für Anbauflächen, Herkunft, Röstung und Bohnensorte. Der „Specialty Coffee“-Markt wächst darum deutlich stärker als der Kaffeemarkt insgesamt.

          Im Corona-Jahr 2020 ist laut Deutschem Kaffeeverband  der Absatz von ganzen Bohnen um 26 Prozent gestiegen, sie machen nun mehr als ein Drittel des in Deutschland verkauften Röstkaffees aus. Der Absatz von gemahlenem Kaffee dagegen stagniert. Roastmarket sei aber nicht nur wegen der Pandemie und des Homeoffice-Trends gewachsen, betont Häfele. „Corona hat sich natürlich auch auf das Bestellverhalten  ausgewirkt, aber nicht allzu sehr. Unser Wachstum kam insbesondere durch einen klaren Kundenfokus und gutes Marketing.“

          2014 gründeten Häfele und Philip Müller ihr Start-up, damals noch unter dem Namen „ Leading Local Roasters“. Als Vorbilder für ihr Konzept der „kuratierten Vielfalt“ galten ihnen beispielsweise der Parfüm-Onlineverkäufer Flaconi, der Modehändler Zalando und die Tierfutterläden Fressnapf und Zooplus. Zu den ersten Marken in ihrem Angebot gehörten Gorilla von der Kaffeerösterei Joerges aus Obertshausen, Supremo aus München und Speicherstadt-Kaffee aus Hamburg.

          Keine Angst vor Gorillas

          In Frankfurt entwickelten sich gerade einige interessante Röstereien, beobachtet Häfele. „Allerdings sind hier Städte wie München oder Hamburg schon wesentlich weiter.“ Dass das Start-up dennoch im Frankfurt gegründet wurde, lag daran, dass beide Gründer zu der Zeit in der Stadt tätig waren, Häfele als Rechtsanwalt, Müller als Berater. Inzwischen ist die Unternehmenszentrale an der Stephanstraße in der Innenstadt zu finden, in Hanau steht das Zentrallager, dort werden fast alle Produkte vorgehalten. Geschäftsführer sind Häfele und Gisbert Grasses, Müller ist ausgestiegen.

          Bereits 2019 hatte der Konzern Melitta einen Anteil von 25,5 Prozent erworben. Nun hat der Kaffeekonzern aus Westfalen auf 72 Prozent aufgestockt. 28 Prozent gehören dem Burda-Verlag, der überdies auch am Mainzer Wein-Onlinehändler Vicampo beteiligt ist.

          In Zukunft wolle das Unternehmen unter anderem noch mehr Zubehör anbieten, sagte der Geschäftsführer. Dass in der Lockdown-Phase immer mehr Supermärkte eigene Lieferdienste gestartet haben und auch Lieferunternehmen wie Gorillas und Flink etwa die Zustellung von Kaffee in 15 Minuten versprechen, sei für Roastmarket unproblematisch. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Häfele. Allerdings würden Anbieter wie Gorillas eher mit konventionellen Supermärkten konkurrieren, da Roastmarket ein Fachhändler sei und ein wesentlich größeres und spezielleres Sortiment habe.

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