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Darts-Sport : Auf der Suche nach Schumacher

  • -Aktualisiert am

Meister aller Klassen und Star aus England: Phil Taylor in Frankfurt Bild: Max Kesberger

Darts hat in Deutschland ziemlich viele Fans, allein ein Gewinnertyp fehlt. Wann nutzt der deutsche Darts-Sport seine Möglichkeiten?

          2 Min.

          Es war alles angerichtet. Die Halle restlos gefüllt, die Stimmung ausgelassen, der Heimvorteil auf deutscher Seite. Und trotzdem: Auch das half nichts, Deutschland verlor gegen die Darts-Nation schlechthin – England mit seinen Superstars Phil Taylor und Adrian Lewis – deutlich 0:4 und 1:4. „Man hofft immer wieder. Realistischerweise hat man aber so gut wie keine Chance“, sagt Werner von Moltke, Geschäftsführer der „PDC Europe“. Das Treiben in der Frankfurter Eissporthalle, die Austragungsort des „World Cup of Darts“ war, eines Vergleichs der besten 32 Nationen, bei dem Deutschland im Viertelfinale ausschied, beschreibt den Status Quo des Darts in Deutschland treffend. Die Bedingungen rund um die Scheibe könnten kaum besser sein, allein: der große sportliche Erfolg aus deutscher Sicht lässt weiter auf sich warten.

          Durch den Entschluss des Fernsehsenders „Sport 1“ im Jahre 2005, die Weltmeisterschaft umfangreich zu übertragen, hat die Kneipensportart eine enorme Aufwertung erfahren. Ein paar Zahlen dazu: Darts ist die Sportart mit den zweitbesten TV-Quoten bei „Sport 1“ nach Fußball. Für das Jahr 2015 wurden bisher 200.000 Eintrittskarten für Darts-Veranstaltungen in Deutschland verkauft. In Frankfurt war Darts letztmalig 2008 mit einem Event präsent, in den Saalbau am Südbahnhof kamen damals 300 Zuschauer, heute sind es 3000.

          Es mangelt an Trainern

          Einer der Fans vor sieben Jahren war Max Hopp. Der heute 18-Jährige, aufgewachsen in Idstein, fand Gefallen an dem Präzisionssport. Nach einer Verletzung beim Handball widmete er sich voll und ganz dem Pfeilwerfen, schon mit 16 Jahren stand Hopp bei der Weltmeisterschaft im „Alexandra Palace“ in London – der Kathedrale des Darts – auf der Bühne. Er war damals der zweitjüngste Spieler bei einer Weltmeisterschaft. Seinen größten Erfolg konnte er als krasser Außenseiter mit dem Erstrundensieg über den Engländer Mervyn King bei der letzten WM feiern.

          „Auch ohne große deutsche Erfolge besteht ein enormes Grundinteresse an der Sportart“, sagt von Moltke. Warum kann der deutschen Darts-Sport das nicht für sich nutzen? Von Moltke macht dafür insbesondere fehlende Strukturen verantwortlich. Es gibt keine Landesverbände, keine Leistungszentren für Jugendliche. Dazu fehlt ein Koordinator für die Jugendarbeit, und nicht zuletzt mangelt es an Trainern. „Wir haben keine systematische Nachwuchsarbeit“, sagt von Moltke. Bei der Förderung deutscher Talente wird auf das Prinzip Eigeninitiative gesetzt. Max Hopp ist für von Moltke das leuchtende Beispiel. Der sagt über seine Rolle: „Ich will Darts in Deutschland vorantreiben“, und er glaubt, dass „der Peak noch lange, lange nicht erreicht ist“. Für von Moltke steht fest, warum es noch nicht zum Durchbruch gekommen ist. „Uns fehlt ein Michael Schumacher“, sagt er.

          Hoffnungsträger Max Hopp

          Als der Niederländer Raymond van Barnefeld 1998 den WM-Titel des Verbandes BDO gewann, löste das dort einen Boom aus. Er wurde bei der Ankunft in seiner Heimat frenetisch bejubelt, Königin Beatrix gehörte zu den ersten Gratulanten. Die Niederlande hatte im Darts einen Schumacher. Vor dem Fernsehgerät saß damals Michael van Gerwen. Er war gerade einmal neun Jahre alt. Das Spiel mit den Pfeilen faszinierte ihn, in der Folge versuchte er, seinem großen Idol nachzueifern. Heute ist er einer der besten Spieler der Welt. Nach diesem Rezept soll es auch in Deutschland funktionieren. Max Hopp ist dafür bisher die Adresse Nummer eins. Momentan ist er der bestplazierte Deutsche mit Rang 51 in der Weltrangliste, die nach Preisgeldern sortiert ist. „Mein Ziel sind die Top 32“, sagt er. Wie lange wird es dauern, bis es zum Durchbruch kommt? Werner von Moltke macht zwei Handbewegungen. Mit der ersten deutet er in die gefüllte Halle. Mit der zweiten richtet er seinen Zeigefinger gen Decke. „Eines ist sicher: Wenn wir irgendwann mal einen Michael Schumacher haben, wird das ganze Ding durch die Decke gehen.“ Nicht ausgeschlossen, dass Hopp dabei eine Rolle spielen könnte.

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