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Ironman Hawaii : Düstere Erinnerungen ans Paradies

  • -Aktualisiert am

Albtraum Hawaii: Daniela Sämmler (heute Bleymehl) kam 2016 völlig erschöpft nur auf Platz 77 ins Ziel. Bild: Picture-Alliance

Daniela Bleymehls erster Start auf Hawaii endete im Krankenhaus – drei Jahre später nimmt sie einen neuen Anlauf. Die Darmstädterin hat viel vor.

          3 Min.

          Es könnte eine Rückkehr ins Paradies sein. Aber das ist es nicht, Daniela Bleymehl ist vor zwei Wochen auf Big Island gelandet, der größten Insel des hawaiianischen Archipels. Es ist eine Insel von erhabener Schönheit, morgens ist es warm, mittags heiß, abends angenehm, das Meer leuchtet blau, das Wasser ist samten und wohl temperiert, morgens kann man vom Pier ein paar hundert Meter hinausschwimmen, und man braucht nur ein kleines bisschen Glück, um Delphine zu treffen. Daniela Bleymehl, die vor ihrer Hochzeit Sämmler hieß, wird an diesem Samstag bei der Ironman-Weltmeisterschaft im Profifeld antreten, es ist ihr zweiter Start auf Hawaii. Der erste datiert von 2016, und dieses Rennen ist der Grund, warum die 31 Jahre alte Darmstädterin Hawaii nicht nur als Erfüllung eines Traums, nicht nur als Paradies in Erinnerung hat.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Sie kam damals erst nach 10:35:28 Stunden als 77. ins Ziel, in einem Zustand, der die Rennärzte veranlasste, sie zunächst ins Sanitätszelt bringen zu lassen, wo sie kurz bewusstlos wurde, und dann auf schnellstem Weg ins Krankenhaus gebracht wurde. Man machte eine Bauchspiegelung, befürchtete ernsthafte Folgen einer Sauerstoffunterversorgung, doch dann Entwarnung. Daniela Sämmler musste noch eine weitere Nacht im Krankenhaus bleiben, dann durfte sie zurück zu Familie und Freunden. Der geplante Urlaub mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann, den beide an die Rennwoche anhängen wollten, sagten sie ab und flogen frustriert nach Hause. Vom paradiesischen Hawaii blieben zunächst nur düstere Erinnerungen.

          Nun, drei Jahre später, nehmen Daniela Bleymehl, ihr Mann, ihr Sohn, ihre Schwester, ihre Eltern und Schwiegereltern einen neuen Anlauf. Die Darmstädterin ist bereit, sich der härtesten Herausforderung im Triathlon ein zweites Mal zu stellen. Und sie startet mit großen Ambitionen, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert hat, vor allem im Laufen, ihrer schwächsten Disziplin. Ein Platz unter den Top Ten nennt sie als Mindestziel, „sonst war es nur ein sehr teurer Familienurlaub“. Auch ein Platz unter den besten Fünf liegt im Bereich des Möglichen nach ihren Siegen bei den Langstreckenrennen in Hamburg und Roth. „Wenn ich nach dem Schwimmen keinen zu großen Rückstand habe und auf dem Rad zeigen kann, was ich in den letzten Rennen immer gezeigt habe, dann bin vorne mit dabei, wenn es auf die Laufstrecke geht“, sagt sie, „und dann werden wir sehen, was am Ende herauskommt. Top 8 oder auch Top 5, das ist nicht unrealistisch, wenn ich einen Hundertprozent-Tag erwische.“

          Wie geht man nun um mit den Erinnerungen an den schwarzen Tag vor drei Jahren, als sie für den Marathon 4:14:08 Stunden brauchte, nach zwanzig Kilometern schon völlig entkräftet gehen musste und keine Verpflegung mehr zu sich nehmen konnte. Sie lief damals wieder ein Stück, doch auf den letzten zwölf Kilometern schwankte sie nur noch in Richtung Ziel. Dass sie dabei ihre Gesundheit aufs Spiel setzte, wurde ihr erst später klar.

          Die Erinnerungen sind nicht wegzuwischen, aber die Zeit ist reif, um sie zurecht zu rücken. „Ich gehe mit Vorfreude in dieses Rennen“, sagt sie, „aber natürlich auch mit großem Respekt. Nicht mit Angst, aber mit etwas mehr Respekt als vor einem normalen Ironman-Rennen.“ Wird sie defensiv agieren, vorsichtig? „Ich werde das Rennen kontrolliert angehen“, sagt sie. „Mit dem Wissen, dass ich Geduld haben muss an einem langen Tag, an dem auch gegen Ende noch viel passieren, sich noch viel drehen kann.“ In den drei Jahren seit ihrem ersten Start auf Hawaii ist sie in vielerlei Hinsicht vorangekommen. „Ich habe heute viel mehr Erfahrung, habe mich vor allem im Laufen deutlich verbessert und bin auch mental stabiler“, sagt sie. „Auch das Vertrauen, die Trainingswerte im Wettkampf abrufen zu können, ist sehr viel ausgeprägter geworden.“Die große Familie, mit der Daniela Bleymehl nach Hawaii gekommen ist, nennt sie „ein Stück Heimat am anderen Ende der Welt, ein Stück Normalität und das Wissen, dass da noch etwas anderes ist, egal ob ich gewinne oder verliere“.

          Ihr achtjähriger Sohn hat das erste sportliche Abenteuer auf Hawaii schon erfolgreich hinter sich gebracht. Er wollte beim Ironkid-Lauf über 400 Meter starten und ordentlich Tempo machen, doch irgendwie war die Anmeldung falsch ausgefüllt und er fand sich am Start des Meilen-Laufs wieder. Aber das passte schon, Herausforderungen auf der Langstrecke liegen ja auch irgendwie in der Familie.

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