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Darmstädter will zum Mars : Einmal hin und nie mehr zurück

  • -Aktualisiert am

Berufswunsch Astronaut: Robert Schröder, noch fest geerdet vor der FH Darmstadt. Bild: Cornelia Sick

Ein Student aus Darmstadt will unter denen sein, die als Erste auf dem Mars siedeln - und dort bis zu ihrem Lebensende bleiben. Ein heikles Projekt.

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          Robert Schröder will zum Mars, und deshalb steht er in seiner Küche und schüttelt einen Plastikbecher, es gibt ein Video auf Youtube davon. Er mischt Wasser mit Pulver, die exakt richtige Menge an Nährstoffen für seinen Körper, und trinkt. Es schmeckt ihm nicht. Wie Müsli mit sehr dünner Milch, findet er. Bei gefriergetrockneten Erdbeeren, erhältlich bei Weltraumladen.de, muss er an Kreide denken. Es wird aber gehen, meint er, es muss.

          Eine niederländische Stiftung will den Mars besiedeln, angeblich wollten 200.000 Menschen mit und haben sich beworben. Robert Schröder ist unter den letzten 100 Kandidaten für die Mission, für 24 Siedler ist die geplante Kolonie ausgelegt. Ein Rückflug ist nicht geplant - zu teuer, zu aufwendig.

          Innerhalb von 68 Tagen würde er ersticken

          „Ich will diese Siedlung aufbauen und vorantreiben“, sagt Robert Schröder. Außerdem auf seiner Liste: Leben suchen, Bäume pflanzen, Badminton-Regeln für die geringere Anziehungskraft auf dem Mars erfinden. Die Zeit dafür könnte knapp werden. Innerhalb von 68 Tagen würde er ersticken, sagen Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

          Der Text könnte hier zu Ende sein, Kopfschütteln und weiter: Es gibt Wichtigeres, selbst der niederländische Nobelpreisträger Gerard ’t Hooft, eigentlich offizieller Botschafter der Idee, hat inzwischen seine Zweifel. Aber bei Mars One, so heißt das niederländische Projekt, meinen sie das ernst, und wiederholen mit unerschütterlicher Zuversicht: 2027 werden die ersten vier Menschen auf dem Mars landen. Zuvor wird ein Roboter ihnen schon eine kleine Siedlung aufgebaut haben, inklusive Gewächshaus. Was ist, wenn sie es am Ende schaffen?

          Wie Kolumbus - bloß zum Mars

          Für Robert Schröder, 27 Jahre alt, Student und auf der Erde eigentlich ganz glücklich, könnte das einen radikalen Abschied bedeuten. Er ist nicht nur unter den letzten 100 Kandidaten für diesen Flug, er ist einer der zehn Amateur-Astronauten mit den bislang meisten Punkten im Auswahlverfahren. Es heißt zwar, dass die Bewerber in diesem Ranking nach oben klettern, wenn sie im Mars-One-Shop viele Merchandise-Produkte kaufen.

          Eher zweckmäßig und erstmal nur Konzept: So soll eine Kolonie auf dem Mars einmal aussehen.
          Eher zweckmäßig und erstmal nur Konzept: So soll eine Kolonie auf dem Mars einmal aussehen. : Bild: Simulation Bryan Versteeg/Mars One

          Aber einerlei, wie haarsträubend das Auswahlverfahren sein mag - Schröder könnte an dessen Ende auf einmal Astronaut sein. Mars One will Leute wie ihn bis dahin noch medizinisch, technisch und psychologisch schulen. Schröder sagt, er habe schon als Kind davon geträumt, ins Weltall zu fliegen, aber das sei ihm vor allem für hochdekorierte Wissenschaftler oder Kampfpiloten erreichbar erschienen. Bei Mars One durfte sich jeder bewerben, unter zwei Voraussetzungen: Volljährigkeit und gute Englischkenntnisse.

          Die Zweifler vom angesehenen MIT in Boston, die die Mission auf 35 eng beschriebenen Seiten zerpflückt haben, meinen, dass die Mission einigermaßen sicher den Tod der Reisenden bedeuten würde - wenn nicht durch zu wenig Sauerstoff, dann durch zu viel. Der Plan von Mars One, Gemüse und Weizen anzupflanzen, könnte zu einer für den Mars gefährlich hohen Sauerstoffkonzentration führen. Sehr wahrscheinlich würde die Siedlung niederbrennen. Und was, wenn nicht? Was, wenn die Träumer von Mars One recht haben, wenn sie sagen, ihre Technik wird funktionieren? „Es muss immer Menschen geben, die bereit sind, ein höheres Risiko einzugehen“, sagt Robert Schröder. Als Kolumbus über den Atlantik gefahren sei, habe er auch nicht gewusst, was auf der anderen Seite sein würde.

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