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TU-Darmstadt in Not : Undichte Decken, fehlende Professoren

TU-Darmstadt: Studenten bemängeln Missstände an der Hochschule. Bild: dpa

Einst gehörte die Technische Universität zu der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Doch Missstände an der Hochschule führen zum Protest der Studenten.

          Auf gewisse Lektionen über die Haltbarkeit älterer Bausubstanz würden die Architekturstudenten Felix Graf und Jörg Hartmann gerne verzichten. Trotzdem kommt es nach ihren Worten immer wieder vor, dass solcher Anschauungsunterricht im Gebäude ihres Fachbereichs erteilt wird: „Es gibt Räume, da tropft es von der Decke auf teure Modelle und Pläne“, klagt Graf.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass die Sanierung des Baus an der El-Lissitzky-Straße auf sich warten lässt, ärgert ihn und seine Kommilitonen. Doch es ist nicht der Hauptgrund dafür, dass die Fachschaft alle Architekturstudenten der TU Darmstadt zu einer „Widerstandswoche“ aufgerufen hat. Statt in die Lehrveranstaltungen zu gehen, sollen sich die Nachwuchs-Planer in den nächsten Tagen mit den Studienbedingungen in ihrer Fakultät auseinandersetzen.

          Studenten für bauliche Verbesserungen

          Bauliche Verbesserungen an ihrem Lern-Ort wünschen sich die Studenten sehr. Aber: „Wir arbeiten gerne in unserem Gebäude, und wir brauchen keine goldenen Wasserhähne“, heben Graf und Hartmann hervor. Was die beiden mehr umtreibt, ist der Personalmangel, unter dem der Fachbereich leide. Die Situation sei schon länger schwierig, sie habe sich jedoch im vergangenen Jahr nochmals verschärft, sagt Graf, der im achten Bachelorsemester studiert.

          In einem offenen Brief kritisieren er und seine Mitstreiter, dass derzeit nur 13 von 19 regulären Architektur-Professuren besetzt seien. Auch gebe es nicht genug Geld für wissenschaftliche Mitarbeiter. Freigewordene Stellen dürften erst nach einer Sperre von drei Monaten wieder besetzt werden. Dies alles führe dazu, dass eine angemessene Betreuung nicht mehr sichergestellt sei und der Ruf der TU als Ausbildungsstätte für Architekten leide.

          „Wir sind dem Präsidium zu teuer“

          Hauptadressat ihrer Forderungen ist für die Studenten die Uni-Leitung, der Graf mangelndes Verständnis für die Besonderheiten der Architekten-Ausbildung vorwirft. „Wir sind dem Präsidium zu teuer.“ Wer das Entwerfen lernen wolle, brauche regelmäßige, intensive Anleitung, und die sei nur möglich, wenn es genug Professoren und Assistenten gebe. Doch statt Kontinuität in der Lehre erlebten die Studenten ständige Wechsel, weil Dozenten die Uni verließen, wenn sie an einer anderen Hochschule eine attraktivere Stelle antreten könnten. Immer wieder müsse man sich daher neu auf die Anforderungen der jeweiligen Lehrkräfte einstellen. Gerade zu Semesterende entstehe dadurch ein „unglaublicher Stress“.

          In ihrem Brief verlangen Graf und seine Studienkollegen, alle 19 Professuren regulär zu besetzen und für jedes Architektur-Fachgebiet Mitarbeiter-Stellen in einem Umfang von 300 Prozent zur Verfügung zu stellen. Ein solches Kontingent könne dann je nach Bedarf aufgeteilt werden, zum Beispiel in sechs 50-Prozent-Stellen oder drei volle Stellen, wie Graf erläutert. Derzeit stünden je Fachgebiet nur 180 Prozent zur Verfügung. Außerdem müsse die Drei-Monats-Sperre für Wiederbesetzungen aufgehoben werden, fordern die Initiatoren des Protests.

          Unterstützung vom Bund Deutscher Architekten

          Unterstützung bekommen sie vom Bund Deutscher Architekten in Hessen, der auf seiner Jahresmitgliederversammlung einstimmig Solidarität mit den Studenten bekundet hat. Verständnis signalisiert auch das Präsidium der TU Darmstadt. Allerdings widerspricht es der Darstellung der Studenten in einigen Punkten. Derzeit seien 16 der 19 Architektur-Professuren besetzt, heißt es in der Stellungnahme. Dem Fachbereich seien auch keine Mittel gestrichen worden. Alle Fakultäten erhielten jährlich aufgrund eines „parametergestützten Mittelverteilungsmodells“ ihr Budget, über das sie weitgehend frei verfügen könnten. Es gebe allerdings zwischen Präsidium und Dekanat eine Zielvereinbarung über Lehre, Forschung und Infrastruktur. Auch sei wegen der finanziellen Lage des Fachbereichs vor einiger Zeit mit dem Präsidium ein Konsolidierungsplan vereinbart worden.

          Unbestritten sei, dass das Architektur-Gebäude dringend saniert werden müsse. Mit dem Fachbereich sei vereinbart worden, dabei abschnittsweise vorzugehen. Für die Arbeiten stünden gut vier Millionen Euro bereit, teilt das Präsidium mit.

          Graf, Hartmann und die anderen Studenten hoffen auf weitere Gespräche mit der Uni-Leitung, setzen aber gleichzeitig auf öffentlichkeitswirksamen Druck. Ihre „Widerstandswoche“ wollen sie am Freitag mit einer Demonstration beenden.

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