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Surfer durchquert Afrika : Auf den Wellen vor dem Schwarzen Kontinent

  • -Aktualisiert am

Surfen in Afrika: Carlo Drechsel auf der Suche nach Traumstränden und der perfekten Welle. Bild: Privat

Der Darmstädter Carlo Drechsel hat die Küste Westafrikas mit dem Surfbrett erkundet und darüber ein Buch geschrieben. Mit dem ist er nun auf Lesereise.

          Legastheniker sei er, sagt Carlo Drechsel. Das halte ihn aber nicht davon ab, aus seinem kürzlich erschienenen Buch vorzulesen. Drechsel war 18 Monate unterwegs, um an der Küste Westafrikas zu surfen. Dafür legte er 60.000 Kilometer in einem alten Geländewagen zurück. Allein. Einen Reisepartner fand er nicht. Ob es an ihm lag oder am Reiseziel, das wisse er bis heute nicht, scherzt der 1987 in Darmstadt geborene Surfer, als er auf seiner Lesereise Station in der Heimatstadt macht.

          „Insight Africa. Ein Roadtrip. Ein Surfbrett. Eine Geschichte“ heißt das Buch. Fast drei Stunden spricht Drechsel über seine Reise, die im November 2014 begann. Die Voraussetzungen vor Reisebeginn waren alles andere als beruhigend: Ebola, Krieg in Mali, die Revolution in Burkina Faso gerade beendet. Die „Angst vor dem Neuen“ hat auch er, doch schon nach einem Tag ist sie weg. Drechsel trifft Surfer, wird zum Essen eingeladen. Fotografien zeugen von einer guten Zeit und von Gastfreundschaft.

          Zur besseren Orientierung blendet Drechsel während seines Vortrags immer wieder Kartenansichten von seiner Reise ein. Marokko, Mali, Burkina Faso, Nigeria, Kongo, Angola, ein Abstecher an die Ostküste nach Mosambik, Südafrika – insgesamt 25 Länder hat er bereist. Afrika sei in Surferkreisen „eher ungewöhnlich“. Auf dem Meer sei wenig los, anders als etwa in Spanien oder Costa Rica. „Einmal richtig loslassen, um die Welt segeln oder die Westküste Afrikas umfahren, um zu surfen; aus der Routine ausbrechen“, das ist es, was Drechsel wollte. Er kauft sich für 2000 Euro ein Auto, übernachtet darin oder übernachtet als „Couch Surfer“ unentgeltlich bei Einheimischen. Ein Smartphone besaß er nicht. Ein normales Handy reichte. Das Wichtigste hatte er in mehrfacher Ausführung dabei: Surfbretter. Seine Fotos zeigen die Vielfalt eines kleinen Teils von Afrika: die Weite der Wüste, vermüllte Strände, havarierte Tanker, menschenleere, unberührt wirkende Sandflächen, Surfer, lachende Kinder, einfachste Behausungen, Ballungsgebiete. Er berichtet von Lagos City, der 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole, in der Champagner ohne Ende fließe, aber auch Leichen auf der Straße lägen, die nicht abgeholt würden. Es gibt manches, das ihm zu schaffen macht. Die Hitze. 45 Grad im Schatten. Die durchgeschwitzte nasse Matratze im Auto, die nie trocknet. Schlechte Straßen. Probleme mit dem Auto. Visa beantragen und warten. Einen Tag bevor er nach Nigeria aufbrechen will, erfährt er von der Ermordung eines französischen Touristen, den er auf seiner Reise kennengelernt hat. Ein Schock.

          Angst vor Afrika verloren

          Drechsel selbst wurde in all den Monaten nicht überfallen oder ausgeraubt. Er sagt, er habe die Angst vor Afrika verloren, verbinde durchaus Positives mit dem Kontinent: das Surfen, die Landschaften und die Menschen. Es sei zwar „schwierig bis unmöglich“, durch Afrika zu fahren, aber nicht wegen der Menschen. „Die ermöglichen es einem“, sagt er und spricht damit die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft an, die ihm begegnet ist.

          Das Surfbrett bleibt ein treuer Begleiter. Bilderstrecke

          Seine Reise habe gefühlt fünf, sechs Jahre gedauert, so viel habe er erlebt. Nach zwölf Monaten kam er am Kap der Guten Hoffnung an, spürte, dass das beste Surf-Jahr seines Lebens hinter ihm lag, und wusste gleichzeitig, dass die Reise noch ein wenig länger dauern würde. Mit dem Satz „Die Geschichte geht weiter“ beendet Drechsel seinen Vortrag, um mit einem Video-Trailer die Fortsetzung anzukündigen.

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