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Darmstädter bei Ironman-WM : Einmal die Langstrecke, einmal Hawaii

  • -Aktualisiert am

Endlich auf Hawaii: Am Samstag zählt es für Thomas Pignede. Bild: Michael Eder

Mit dem Start bei der Ironman-WM erfüllt sich Thomas Pignede, der Sportliche Leiter des DSW Darmstadt, einen besonderen Lebenstraum. Doch worin sieht er die Herausforderungen bei diesem Rennen?

          3 Min.

          Einmal die Langstrecke. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen. Für den Darmstädter Thomas Pignede war nach vielen Jahren auf der Kurz- und Mittelstrecke klar, dass ein Ironman-Wettkampf zu einem Lebenslauf gehört, in dem Triathlon eine gewichtige Rolle spielt. Pignede ist 29 Jahre alt, dem Pass nach Franzose, aber in Darmstadt geboren und aufgewachsen. Er arbeitet als Informatiker und Softwarespezialist – und ehrenamtlich als Sportlicher Leiter der Triathlon-Abteilung des DSW Darmstadt, die mit rund 350 Mitgliedern, einer guten Jugendarbeit und Bundesligateams bei Männern und Frauen zu den besten Triathlon-Adressen des Landes zählt. Stars wie der aktuelle Hawaii-Sieger Patrick Lange, Nicole und Lothar Leder, Jan Sibbersen oder Frank Vytrisal sind DSW-Mitglieder, der Verein hat eine lange Tradition in einer mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Sportart.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Pignede hat als Kind beim DSW schwimmen gelernt und es in der Jugend in eine Trainingsgruppe mit dem späteren Weltmeister Marco Koch geschafft. Ein Talent, das mit 17 Jahren seine Liebe zum Triathlon entdeckte und die Abteilungen wechselte. Mit 20 rückte anderes in den Vordergrund. „Ich habe viel gearbeitet und relativ ambitioniert studiert“, sagt er. Sport spielte keine Rolle mehr. Mit 22 machte er zunächst ein Auslandssemester in Argentinien, dann eine lange Weltreise. Nicht das Übliche, nicht Work and Travel in Australien, nicht touristische Allerweltsziele, sondern eine Erfahrungsreise, Couchsurfing in Ländern wie China, Indien, Nepal, Äthiopien, Togo, Benin, Nigeria. Die Rückkehr nach Europa nach 15 Monaten geriet zum Kulturschock und zu einem Neustart im Triathlon. Pignede startete für den DSW in der Bundesliga, bestritt Rennen über die kurzen Distanzen, dann auch über die halbe Ironman-Strecke.

          Aufs eigene Körpergefühl verlassen

          Nun also einmal die Langstrecke. In Frankfurt vor der Haustür. Neben Beruf und Ehrenamt blieb fürs Training nur ein überschaubares Maß an Zeit. Leistungsdiagnostik? Hat Pignede noch nie gemacht. Er orientiert sich an seinem Körpergefühl. Zweimal die Woche morgens vor der Arbeit von halb sieben bis acht zum Schwimmtraining, Laufen nach Feierabend, Radfahren an den Wochenenden. Dazu ein DSW-Trainingslager in Italien und ein Radurlaub auf Mallorca, das musste reichen. Und wie es reichte. Pignede beendete die Frankfurter Ironman-Europameisterschaft nach 9:24 Stunden, einer fabelhaften Zeit, die ihn auf den zweiten Platz in seiner Altersklasse katapultierte. Nur neun andere Amateure und neunzehn Profis waren schneller als er.

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          Da war es passiert. Er hatte sich für die Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifiziert. Das kostet erst einmal 1000 Euro Startgebühr, bezahlbar am Tag nach der Qualifikation. Wird die Rechnung nicht sofort beglichen, fällt der Startplatz an den Nächstbesten der Rangliste.

          Jetzt sitzt Thomas Pignede in Kailua-Kona auf Hawaii in Huggo’s Bar vor einem Glas Lillikoy, dem Saft der Passionsfrucht. Mit seiner Freundin hat er sich die große Triathlonreise geleistet, viel Geld und der Jahresurlaub sind dafür zu investieren, „once in a lifetime“, sagt er. Einmal im Leben beim Ironman auf Hawaii an den Start gehen. Das ist der Traum jedes Triathleten. Pignede ist weit davon entfernt, den Mythos Hawaii zu verklären, das ist nicht mehr das ganz große Abenteuer, sagt er. Aber es ist immer noch ein Rennen, das ganz viele Lebensträume erfüllen kann. Etwas ganz Besonderes, immer noch.

          Herausforderungen sind keine Mangelware

          Hat er Angst, zum Hawaii-Junkie zu werden? Infiziert zu werden und nur noch für dieses eine Rennen zu leben, für die Qualifikation Jahr für Jahr? Viele abschreckende Gestalten sind dieser Tage in Kona zu sehen. Fanatische, spaßbefreite Amateure, die halbnackt und schweißüberströmt mit Brustgurten am Rande des Highways trainieren. Ist auch er nächstes Jahr wieder dabei? „Auf keinen Fall“, sagt Pignede. „Ich werde im kommenden Jahr keine Langdistanz machen, ich glaube tatsächlich, dass Hawaii für mich etwas Besonderes bleiben muss.“ Und für einen wachen Geist wie ihn gibt es auch andere ganz besondere Ziele. Den „Ötillö“ zum Beispiel hat er mit einem Freund schon hinter sich gebracht, ein Swim and Run in Schweden von Insel zu Insel, elf Kilometer Schwimmen, 65 Kilometer Laufen. An Herausforderungen mangelt es nicht. Der Ironman Hawaii ist für Pignede nur eine davon.

          Wie groß die Herausforderung wird an diesem Samstag? Pignede war zwei Wochen krank in der Vorbereitung, außerdem ist der Respekt groß vor den Bedingungen auf Hawaii, als Ziel hat er sich gesetzt, bei Tageslicht anzukommen, das wäre ungefähr nach elf Stunden. Alles andere lässt er auf sich zukommen, vielleicht läuft es ja wieder so rund wie in Frankfurt, wo ihn die Anfeuerung der Freunde aus Darmstadt auf der Laufstrecke von Kilometer zu Kilometer getragen hat. Auf Hawaii wird er diese Unterstützung nicht haben. Auf Hawaii sind die Athleten einsam unterwegs, meist ganz mit sich allein. Wo das hinführt für Thomas Pignede, man wird es sehen.

          Einmal die Langstrecke, einmal Hawaii. Und was dann? Nun, der nächste Saisonhöhepunkt steht nach der DSW-Weihnachtsfeier an: die „Darmstädter Biermeile“. Pignede, der EM-Zweite im Ironman-Triathlon, ist bei dieser Traditionsveranstaltung auch schon zweimal Zweiter geworden. Die Regularien der Veranstaltung sind wie folgt: eine Flasche Bier (0,33 Liter) trinken, dann 400 Meter laufen, dann wieder ein Bier trinken, 400 Meter laufen, dann noch einmal das gleiche Programm. Sieger ist, wer als Erster das Ziel erreicht. Wer sich übergibt, muss eine Extrarunde laufen. Gerne würde Pignede seinen beiden zweiten Plätzen einen Sieg folgen lassen, doch die Chancen stehen schlecht, die Vorbereitungen sind wenig verheißungsvoll. „Ich habe vor Hawaii kaum schnelle Läufe gemacht“, sagt Pignede, „und Alkohol trinke ich auch kaum noch.“ Aber bis Weihnachten sind es ja auch noch ein paar Wochen.

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