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Darmstädter Batteriehersteller : Akasol wächst schnell – und warnt

Alle Hände voll zu tun: Die Auftragsbücher der Akasol AG sind gut gefüllt. Bild: Alexander Heimann

Der Darmstädter Batteriehersteller Akasol hat volle Auftragsbücher. Die Kosten für den Börsengang belasten allerdings die Bilanz.

          2 Min.

          Wachstum muss nicht immer nur schön, es kann auch riskant sein. Es ist zwar nicht so, als sei die Führung der Darmstädter AkasolAG unzufrieden mit dem Aufwärtstrend der Firma. Doch nutzte der Vorstandsvorsitzende des seit vergangenem Jahr an der Frankfurter Börse notierten Batterieherstellers die erste Bilanz-Pressekonferenz gestern auch zu mahnenden Worten. Man müsse aufpassen, nicht jeden Auftrag anzunehmen und stets im Blick behalten, was sich denn mit den Kapazitäten des Betriebs stemmen lasse. „Wir haben durchaus Respekt vor der Dynamik, die derzeit in unserem Markt herrscht“, sagte Schulz.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und die ist beachtlich. Das Thema Elektromobilität ist in aller Munde, und Akasol spielt auf diesem Feld als Hersteller von hochwertigen Lithium-Ionen-Batteriesystemen für Busse, Nutzfahrzeuge, Züge, Schiffe und Industrieanlagen kräftig mit. Dafür steht als Beweis nicht nur der Umsatz im Geschäftsjahr 2018, das Akasol mit einem Wachstum von 49,1 Prozent auf 21,6 Millionen Euro abgeschlossen hat, sondern vor allem das Auftragsbuch des Unternehmens. Demnach liegen Akasol eigenen Angaben zufolge Bestellungen im Wert von 1,5 Milliarden Euro vor, die bis zum Jahr 2024 bedient werden müssen. Vor diesem Hintergrund glaubt Schulz, dass das Umsatzziel für 2019, das er mit 60 Millionen Euro angibt, nicht zu ambitioniert ist. Im Gegenteil gehe es derzeit nicht darum, neue Aufträge an Land zu ziehen, sondern die vorhandenen abzuarbeiten.

          Wo die Reise hingeht

          Zu diesem Zweck baut das Unternehmen, das 2008 aus der Technischen Universität Darmstadt ausgegründet wurde und seitdem zur Ravensburger Schulz-Gruppe gehört, neue Mitarbeiter auf. Arbeiteten Ende 2017 noch 91 Männer und Frauen für das Unternehmen, waren es Ende 2018 schon 154. Seitdem sind noch einmal rund 50 Beschäftigte hinzu gekommen. Derzeit sind auf der Karriereseite des Unternehmens weitere 53 Jobs ausgeschrieben. Wo die Reise hingehen soll, zeigt der Blick auf die Baupläne für die neue Firmenzentrale, die bis Mitte 2020 auf dem Gelände der ehemaligen Kelley Barracks in Darmstadt entsteht und einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag verschlingt, wie es heißt: Sie soll 500 Mitarbeitern Platz zum Arbeiten bieten.

          Um die Bestellungen meistern zu können, wird parallel zum Bau des Bürogebäudes die Produktion am Standort Langen erweitert, wo derzeit noch auf einer Produktionslinie und in zwei Schichten Batteriesysteme hergestellt werden, bald aber in drei Schichten auf zwei Linien gearbeitet werden soll. „Damit bauen wir unsere Führungsposition als größter Hersteller von Lithium-Ionen-Systemen in Europa aus“, sagte Schulz.

          Nicht wie erhofft entwickelt

          Das Jahr 2018 war für den Vorstandschef vor allem wegen des Börsengangs im vergangenen Juni aufregend, der dem Unternehmen gut 100 Millionen Euro eingebracht hat. Zudem zog man, mehr darf Schulz noch nicht sagen, mit einem schwedischen Nutzfahrzeughersteller einen weiteren Großkunden an Land, für den man bis 2023 jedes Fahrzeug mit alternativem Antriebsstrang ausrüsten wird.

          Einzig der Börsenkurs hat sich nach der Emission des Papiers nicht wie erhofft entwickelt, gab Schulz zu. Lag der Ausgabepreis für das Papier bei 48,50 Euro, notierte die Aktie Ende Februar zwischenzeitlich sogar unter 30 Euro. Gestern immerhin legte Akasol um gut drei Prozent auf 41 Euro zu. Man habe an der Börse trotz guter Performance gelitten, sagte Finanzchef Carsten Bovenschen, nun wolle man die Kapitalmarktkommunikation und die Medienarbeit intensivieren und so zeigen, „was wir tun und dass wir es erfolgreich tun“. Die Kosten für den Börsengang belasteten allerdings die Bilanz, die für 2018 einen Verlust in Höhe von 700.000 Euro ausweist – 2017 hatte Akasol noch einen Gewinn in Höhe von rund 600.000 Euro erzielt.

          Wie dynamisch sich der Markt für Batteriesysteme entwickelt, zeigt etwa die Nachfrage nach Lösungen für Elektrobusse. So habe Akasol 2018 rund 200 Busse in Deutschland mit Batterien ausgestattet, berichtete Schulz, in diesem Jahr werde man Systeme für 800 Systeme ausliefern, allerdings über Deutschland hinaus. Die rasante Entwicklung des Unternehmens treibt dabei manchmal ungewöhnliche Blüten, wie das Beispiel von Finanzchef Bovenschen zeigt. Er wurde erst im Januar eingestellt. „Aber es ist nicht unmöglich, dass ich im Oktober schon zu den alten Hasen gehöre.“

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