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Darmstadts Jugendstilerbe : Mathildenhöhe als nationales „Premiumprojekt“

Förderungswürdig: die Mathildenhöhe mit dem Hochzeitsturm Bild: dpa

Der Bund fördert Darmstadts Jugendstilerbe mit fünf Millionen Euro. Oberbürgermeister Partsch sieht einen Schub für die Weltkulturerbe-Bewerbung der Stadt.

          3 Min.

          Das Jugendstilensemble auf der Darmstädter Mathildenhöhe ist von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) als „Nationales Projekt des Stadtbaus“ eingestuft worden. Als sogenanntes Premiumprojekt, ein Begriff, der die sonst gebräuchliche Bezeichnung für einen städtebaulichen „Leuchtturm“ ersetzt, wird die Weiterentwicklung der Mathildenhöhe im Rahmen des Bundesprogramms dieses Jahr mit fünf Millionen Euro gefördert. Mit dem Geld soll die barrierefreie Erschließung der Ausstellungshallen und der Künstlerhäuser auf der Mathildenhöhe unterstützt werden.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Das Bundesprogramm läuft seit einigen Jahren, für die Förderstaffel 2017 hatten sich fast 90 Städte und Gemeinde beworben. 24 Projekte berücksichtigte die interdisziplinär besetzte Jury, der unter anderen auch Werner Durth, Darmstädter Architekturhistoriker von der Technischen Universität, angehörte. Das Gesamtbudget des Ministeriums beträgt 65 Millionen Euro, die einzelnen Förderbeträge liegen zwischen 70.000 Euro für die Sendehalle Europa 1 im Saarland und acht Millionen für den „Sprung über die Emscher“, eine Brücke über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal in Nordrhein-Westfalen.

          Künstlerkolonie Mathildenhöhe im Blick

          „Der Zuschlag bedeutet einen wesentlichen Schub für unser Ziel, die Künstlerkolonie Mathildenhöhe als Unesco-Welterbe anerkannt zu bekommen“, sagte gestern Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch (Die Grünen). Die Unterstützung des Bundes sei nicht nur ein Signal, dass Darmstadts Bewerbung aufmerksam verfolgt werde. Hervorgehoben werde dadurch auch die einzigartige nationale und internationale Bedeutung der Mathildenhöhe als Ort der ersten deutschen Bauausstellung 1901 und damit als Dokument des historischen und zeitgemäßen Städtebaus. Genau darauf aber ziele der Unesco-Antrag ab.

          Auch Durth äußerte, sämtliche von der Expertenjury zugrunde gelegten Vergabekriterien wie nationale und internationale Bedeutung, komplexe städtebauliche Aufgabe mit einem Impuls für Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung passten exakt auf Vergangenheit und Zukunft der Mathildenhöhe. Vor diesem Hintergrund rechnet Partsch mit weiteren Fördergeldern aus öffentlichen und privaten Quellen.

          Wo die fünf Millionen Euro genau eingesetzt werden, hat die Stadt mit Vertretern des Bundes abzusprechen. Dabei wird auch zu klären sein, ob die Künstlerhäuser Haus Olbrich, Haus Deiters und Haus Glückert überhaupt behindertengerecht umzubauen sind. Diese Frage ist aktuell, denn wie der Kulturreferent der Stadt, Ludger Hünnekens, gestern sagte, sind inzwischen schon zwei Architekturbüros mit der Sanierung der nach dem Auszug des Deutschen Polen-Instituts leerstehenden Gebäude beauftragt worden. Im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens hätten sich acht Büros beworben, ausgesucht worden seien für Haus Olbrich Rittmannsperger Architekten und für Haus Deiters und Glückert das Büro Gottstein-Blumenstein.

          Hünnekens, der auch den Eigenbetrieb Kulturinstitute leitet, wird sich in der Zukunft noch intensiver um die Weltkulturerbe-Bewerbung kümmern, da er die Leitung der entsprechenden Stabsstelle übernimmt. Außerdem werden weitere Mitarbeiter eingestellt, damit der verabredete Zeitplan eingehalten werden kann. Er sieht vor, die Arbeiten am Masterplan, ein Dokument, das sämtliche wissenschaftlichen und planerischen Unterlagen umfasst, bis Herbst abzuschließen. Anfang 2018 sollen die Unterlagen vorab der Unesco zur Kenntnis gebracht werden.

          Deren Fachleute können bis Ende des nächsten Jahres entsprechende Rückmeldungen geben. Der Stadt blieben dann noch einmal einige Monate Zeit, bis 2019 die abschließende Fassung an die Unesco übermittelt werden muss. Mit der Entscheidung über den Antrag ist nach diesem Fahrplan zum Ende des Jahres 2019 zu rechnen.

          Wie viel Arbeit der Stadt noch bevorsteht, machte Partsch durch eine Aufzählung der wichtigsten Aufgaben deutlich. Dazu gehören auch weitreichende politische Entscheidungen, die im Laufe des Jahres zu treffen sein werden, etwa über Standort und Umfang des Welterbe-Besucherzentrums, den Planungswettbewerb zum Osthang und das Verkehrskonzept für die Mathildenhöhe sowie die Einbindung der Landesgartenschau im Jahr 2022.

          Es gelte, eine „integrale Planung“ für die Mathildenhöhe zu entwickeln, sagte der Oberbürgermeister. Mit der Ausarbeitung des Masterplans hat die Stadt das Kasseler Büro ANP Architektur- und Planungsgesellschaft betraut, ansonsten berät in allen Fragen des Denkmalsschutzes das Advisory Board, das vom Präsidenten des Landesamtes für Denkmalpflege und hessischen Welterbe-Beauftragten Markus Harzenetter geleitet wird. Über den aktuellen Stand des Bewerbungsverfahrens will die Stadt ausführlich auf der nächsten Bürgerversammlung informieren, die am 29. März im Fachbereich Gestaltung der Hochschule stattfindet.

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