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Verkehrspolitik in Südhessen : Die Zeit drängt

  • -Aktualisiert am

Die vorgestellten Ergebnisse des „Verkehrsgipfels“ sind nicht alle neu. Bild: dpa

Die Stadt Darmstadt und der Landkreis Darmstadt-Dieburg haben die Ergebnisse ihres „Verkehrsgipfels“ vorgestellt. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs soll forciert werden.

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          Die Stadt Darmstadt ist vom Landkreis Darmstadt-Dieburg fast vollständig umschlossen, was nahelegt, was das Miteinander befördern sollte. Leider war dies in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Insbesondere in der Verkehrspolitik gehen Stadt und Kreis oft eher miteinander um wie Hund und Katze. Vielen noch gut in Erinnerung dürfte der Streit um den Bau der Nordostumgehung sein, den viele Pendler im östlichen Landkreis herbeisehnten, die Darmstädter aber per Bürgerentscheid kurz vor Baubeginn 2009 zu Fall brachten.

          Deshalb besteht das Nadelöhr der B 26 am Darmstädter Ostbahnhof bis heute fort. Als Stadt und Hessen Mobil im Frühjahr auf die Idee kamen, diese Bundesstraße zwecks Sanierung monatelang am Stadteingang einspurig zu führen, wurde der Protest aus dem Landkreis erwartungsgemäß schrill. Genau diese Stimmung markierte aber die Geburtsstunde für die Idee zu einem südhessischen „Verkehrsgipfel“, dessen Ergebnisse gestern präsentiert wurden.

          Viele Projekte bereits bekannt

          Sensationell, das hat der Erste Kreisbeigeordnete Robert Ahrnt selbst zugegeben, ist daran nichts. Viele der aufgelisteten Projekte für die „Verkehrswende“ sind in der Nahverkehrsorganisation Dadina schon aufgerufen worden oder sogar in irgendwelchen Dokumenten fest verzeichnet. Das gilt auch für die nun priorisierte Straßenbahnlinie nach Groß-Zimmern, die Entlastung für die überfüllten Busse aus dem Ostkreis bringen soll.

          Ist die südhessische „Verkehrswende“ also das Papier nicht wert, auf dem sie steht? Nein, damit würde man der Veranstaltung nicht gerecht. Dieses außergewöhnliche Format darf als Ausdruck einer Notsituation gewertet werden, die das grün-schwarze Bündnis in der Stadt und die Ampelkoalition im Kreis zwingt, neue Wege zu gehen, zum Beispiel durch die Gründung einer Gesellschaft, die die Planungen für weitere Straßenbahnlinien forcieren soll. Das ist dringend notwendig, weil die Verkehrsinfrastruktur dem Wachstum der Region hinterherhinkt. So demonstriert das Gipfeltreffen also vor allem eines: Stadt und Kreis sind in Verkehrsfragen aufeinander angewiesen, heute mehr denn je, was gemeinsame Runden aller Art rechtfertigt.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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