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Cyber-Spionage : „An Spielregeln halten, die im jeweiligen Land gelten“

Für zu vieles offen: Viele Firmen wollen sich vor Cyber-Spionage schützen. So bekommen IT-Firmen vermehrt Anfragen, Sicherheitslücken aufzudecken. Bild: dpa

Firmen können seit Entstehen des Internets online ausspioniert werden. Doch diese Gefahr wächst. Der Verfassungsschutz diskutiert beim Herbstgespräch über Wirtschaftsspionage und wie sich Firmen schützen können.

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          Die Vorstellung, fremde Nachrichtendienste könnten sich in deutsche Unternehmen „einhacken“ und dort sensible Daten abfischen, gehörte für viele Firmen lange Zeit in die Kategorie „Science Fiction“. Einige zweifelten daran, dass das technisch überhaupt machbar sei. Und wenn Unternehmen es doch für möglich hielten, konnten sie sich nicht vorstellen, dass das ausgerechnet ihre Firma betreffe. Dabei gibt es die Gefahr solcher Angriffe, seitdem es das Internet gibt – und nach Ansicht der Sicherheitsbehörden wird die Gefahr größer.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser Meinung waren auch Vertreter von Unternehmen und der IT-Sicherheitsbranche, die am Mittwochabend unter der Moderation von Helmut Schwan, Redakteur dieser Zeitung, beim Herbstgespräch des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz über Cyber-Spionage diskutierten. Der Präsident der Behörde, Roland Desch, sagte bei der Veranstaltung im Museum für Kommunikation in Frankfurt, der Verfassungsschutz habe auch schon vor den Enthüllungen Edward Snowdens Wirtschaftsspionage bekämpft. Offenbar bestehe aber gerade jetzt ein großer Bedarf an Beratung. Innenminister Boris Rhein (CDU) rief die hessischen Unternehmen dazu auf, im Kampf gegen Wirtschaftsspionage enger mit Polizei und Verfassungsschutz zu kooperieren. Nach einer Studie zur Industriespionage, die 2012 erhoben wurde und auf Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden sowie Angaben von deutschen Unternehmen fußt, haben rund 21 Prozent aller befragten Firmen schon einmal einen Cyber-Angriff registriert. Bei den Verdachtsfällen war es sogar jedes zweite Unternehmen.

          Datensicherheit in der Hand von Firmen

          Dass Betriebe solche Verdachtsfälle öfter als bisher mitteilen und sich gegenüber den Sicherheitsbehörden öffnen sollten, forderte auch der Konzernsicherheitskoordinator der Deutschen Telekom, Axel Petri. Zudem sagte er, das Datenschutzrecht müsse strenger ausgelegt werden. Alle am Internet beteiligten Unternehmen, aber auch die Nachrichtendienste müssten sich an die Spielregeln halten, die in dem Land gälten, in dem sie zu Gast seien.

          Dass gerade diese Praxis nicht immer eingehalten wird, bestritt niemand der Diskutanten. In diesem Zusammenhang konnte auch Klaus Landefeld, der dem Beirat des größten Internetknotenbetreibers De-Cix angehört, nicht ausschließen, dass der amerikanische Nachrichtendienst NSA oder das britische Pendant, GCHQ, Daten millionenfach „absaugten“. Nach den Informationen, die bekanntgeworden seien, könne man nicht mehr davon ausgehen, dass alles sicher sei. Landefeld verwies jedoch darauf, dass das massenhafte Absaugen von Daten am De-Cix-Knoten rein technisch gesehen schwierig sei. „Ich wüsste nicht, wie das rein physikalisch ablaufen würde.“ Man könne sich dort nicht einfach „einhacken“. Die Sicherheit von Daten liege vielmehr in der Verantwortung der Unternehmen selbst. „Wer seine Haustür offen lässt, darf sich nicht wundern, wenn auch Unbefugte eintreten.“

          „Ausschließlich verschlüsselt“ im Internet

          Dass die Enthüllungen Snowdens gerade auch Wirtschaftsunternehmen verunsichern, berichtete Sebastian Schreiber, Geschäftsführer der SySS GmbH, die mittelständische Firmen, aber auch Großkonzerne in IT-Sicherheitsfragen berät. Er sagte, seit den Berichten über mutmaßliche Spähaktionen hätten sich die Anfragen von Unternehmen, in deren IT-Netz nach Sicherheitslücken zu suchen, vervielfacht. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen. „Man kann auch ein Auto immer sicherer machen, aber das Restrisiko eines Unfalls bleibt trotzdem.“ Er plädierte dafür, ausschließlich verschlüsselt zu kommunizieren. Das sei der einzige Weg, um Spionage zu erschweren.

          Dafür warb auch der Leiter des Fraunhofer Instituts für Sichere Informationstechnologie, Michael Waidner. Er sagte, es müsse für die Zukunft sichergestellt sein, dass die gesamte IT-Infrastruktur eines Unternehmens sicher sei und „keine Hintertüren aus China eingebaut wurden“.

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