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Folgen der Corona-Krise : Zoos spüren finanzielle Einbußen

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Ein Lama schaut durch einen doppelten Maschendrahtzaun auf einen Weg, der unmittelbar außerhalb des Opel-Zoos verläuft. Bild: dpa

Ein Zoobesuch an einem warmen Frühlingstag – darauf müssen derzeit viele Familien verzichten. Für die hessischen Zoos bringt das Coronavirus empfindliche Verluste. Die Arbeit geht dennoch weiter.

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          Wenn Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos in Kronberg, derzeit durch den für die Öffentlichkeit gesperrten Zoo läuft, drehen sich die Köpfe neugieriger Lamas, Ziegen oder Hirsche. Sonst sei ihm nie so viel Aufmerksamkeit zuteil geworden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Jetzt schauten die Tiere, „weil da tatsächlich mal einer kommt“.

          Bis zum 19. April bleibt der Zoo im Taunus zunächst geschlossen, um eine Ausbreitung des Coronavirus aufzuhalten. Die eigentliche Arbeit geht weiter, nur für das Kassenpersonal gibt es Kurzarbeit. „Tierpfleger und Handwerker arbeiten wie sonst auch“, sagte Kauffels. Das heißt – fast wie sonst: „Wir haben die Belegschaft geteilt, das heißt, wir arbeiten in zwei Blöcken, die sich alle vier Tage abwechseln.“

          Versorgung von über 4500 Tieren

          Ähnlich ist es im Frankfurter Zoo – die Arbeitspläne der Tierpfleger wurden so umgestellt, dass sich die zwei aufgeteilten Arbeitsgruppen nicht begegnen und im Fall einer Infektion wenigstens eine Gruppe arbeiten kann. „Es gilt, die Versorgung von mehr als 4500 Tieren sicherzustellen“, sagte eine Sprecherin. Lieferengpässe bei Futter und Material gebe es derzeit nicht. Den Tieren gehe es gut, und auch ihre tägliche Routine sei gesichert.

          Allerdings bringt die Schließung für Zoos und Tiergärten deutliche Einnahmeverluste. „Zu Beginn des Frühjahrs und in den Osterferien kommen traditionell sehr viele Menschen in den Zoo“, sagte die Sprecherin des Frankfurter Zoos. Auch Kauffels betonte: „Die Osterferien sind für uns immer ein ganz wichtiger Teil des Jahres.“ Anders als der zur Stadt gehörende Frankfurter Zoo ist der Opel-Zoo ein Privatunternehmen. Abzuwarten bleibe, ob größere Investitionen, wie die geplante Anlage für Panzernashörner, aufgrund der Einbußen durch die derzeitige Schließung verschoben werden müsse. „Aber das kann man nach 14 Tagen noch nicht sagen“, betonte Kauffels.

          Auch im nordhessischen Tierpark Sababurg spürt man die Folgen der Corona-Krise. „Wir haben Einnahmeausfälle“, sagte Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Vor allem eine Schließung an Ostern werde ins Geld gehen. Da der Tierpark im kommunalen Eigenbetrieb sei, seien keine Liquiditätsprobleme zu erwarten. Allerdings werde man prüfen, ob man wie private Zoos staatliche Hilfen beantragen könne.

          Forderung: Soforthilfe-Programm

          „Alles wird maßgeblich davon abhängen, wie lange die Einschränkungen aufrechterhalten werden müssen und wann wir wieder zum Normalbetrieb zurückkehren können“, ergänzte die Sprecherin des Frankfurter Zoos. Die Einnahmeverluste aller Geschäftsbereiche der Stadt Frankfurt würden gesammelt und an den Kämmerer gemeldet.

          Der Verband der Zoologischen Gärten plädiert für ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro. „Anders als andere Einrichtungen können wir unseren Betrieb nicht einfach runterfahren – unsere Tiere müssen ja weiterhin gefüttert und gepflegt werden“, sagte der Verbandspräsident und Leipziger Zoodirektor Jörg Junhold. Ein einzelner großer Zoo müsse aktuell einen wöchentlichen Umsatzverlust von etwa einer halben Million Euro verkraften. Zahlen über die aktuellen Verluste gibt es aus Frankfurt oder Kronberg noch nicht.

          Für Zoo-Stammbesucher, die nun ihre Lieblingstiere nicht sehen können, gibt es wenigstens im Internet oder in sozialen Netzwerken Neuigkeiten. Auf der Webseite des Frankfurter Zoos werden regelmäßig Fotos gepostet, ebenso ein „Tagebuch“ über den Nachwuchs bei Marabu und Erdferkel. Der Opel-Zoo setzt nicht nur auf eine Webcam, um zu den verhinderten Besuchern nach Hause zu kommen, er verschickt auch einen Home-Opel-Zoo-Newsletter. Neben aktuellen Nachrichten zum Betrieb gibt es auch eine Rubrik für Schulkinder ohne Unterricht.

          Auch wenn die fehlenden Einnahmen weh tun, spricht sich der gebürtige Rheinländer Kauffels für die nötige Gelassenheit in der aktuellen Lage aus: „Wir sind ja nicht in einem Gebiet wie Idlib in Nordsyrien - uns geht es eigentlich noch vergleichsweise gut.“ Irgendwann in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft werde der Zoo wieder öffnen können - und dann hoffe er auf viele Besucher.

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