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Die Folgen von Corona : Hamster und Eichhörnchen

Nach den Hamsterkäufen sind in vielen Supermärkten leere Regale zu sehen. Bild: Edgar Schoepal

Beim Anblick leerer Supermarktregale liegt ein Hauch von DDR in der Luft. Eine Ahnung, was Mangelwirtschaft bedeutet, überkommt einen. Das weckt bei manchen Menschen neben den Hamster- auch tief verwurzelten Eichhörnchen-Instinkte.

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          Der Hamster fällt in der Sympathiewertung gegen das Eichhörnchen leicht ab: Während das Nagetier, das sich gern im Rad dreht und allein schon deshalb für etwas negative Assoziationen sorgt, schnell als gierig abgestempelt wird, billigen wir dem scheuen Wesen mit den Puschelschwanz eher zu, sich Vorräte für Notzeiten anzulegen.

          Weshalb die Kampagne, an die dieser Tage allenthalben erinnert wird, auch das hierzulande traditionell braune Pelztier als Logo im Schild führte: „Denke dran, schaff Vorrat an“, hieß es 1961 in der für damalige Verhältnisse sündteuren „Aktion Eichhörnchen“, mit der die Bundesregierung die Deutschen dazu bewegen wollte, Lebensmittel für den Notfall in Speisekammern und Kellern einzulagern. Aber die Appelle verhallten damals, die Bevölkerung ließ sich von den im Panik-Ton vorgebrachten Argumenten kaum beeindrucken.

          Heute ist die Lage anders. Die politisch Verantwortlichen bleiben sachlich, während die Leute den Hamster in sich entfesseln. Der Eindruck, jeder denke nur an sich und kaufe, was die Regale hergeben, ungeachtet der Nachbarn, die vielleicht auch noch eine Packung Spaghetti brauchen, lässt sich schwerlich unterdrücken. Aber es gibt auch Mitmenschen, die einem zuraunen: „Hat keinen Sinn, zu Aldi zu gehen, die Nudeln sind alle. Aber Klopapier gibt’s gerade.“ Ein Hauch von DDR liegt in der Luft, eine Ahnung, was Mangelwirtschaft bedeutet, überkommt einen, und, hast du’s nicht gesehen, macht man sich rasch auf den Weg zum Discounter.

          Dass ein bisschen Horten womöglich doch nötig ist, hätten wir vor einer Woche noch abgetan, aber nun, da tatsächlich schon Mitbürger unter häusliche Quarantäne gestellt wurden, werden unvermeidlich wenn nicht die niedrigen Hamster-, so doch die tief verwurzelten Eichhörnchen-Instinkte geweckt. Denn die klassische Kleinfamilie etwa, in der beide Eltern bei der Arbeit viel Kontakt mit anderen Menschen haben, und Sprösslingen, die vielleicht auf unterschiedliche Schulen gehen, sind näher an der Quarantäne, als kürzlich noch zu vermuten stand. Die Entwicklung in Italien trägt zur Beunruhigung bei. So ist es durchaus vernünftig, jetzt etwas mehr einzukaufen für den Fall, dass man doch irgendwann demnächst mit zwei immer hungrigen Teenagern 14 Tage zu Hause ausharren muss. Zum Monster-Hamster aber sollte deshalb keiner mutieren.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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