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Reisebranche und Coronavirus : Für manches Reisebüro geht es um die Existenz

Die Quarantänezone am Frankfurter Flughafen. Bild: EPA

Reiseveranstalter sind von den Folgen der Coronavirus-Epidemie besonders betroffen. „Keiner bucht mehr Reisen nach Asien“, heißt es. Das ist aber längst nicht alles.

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          Anil Kunar bleibt nur noch die Rettung in den Sarkasmus. „Wenn ich eine Lösung hätte, könnte ich damit die Welt retten“, sagt er, lacht kurz bemüht und wird dann wieder ganz ernst. Seit 28 Jahren führt er das Reisebüro Airways Travel in der Mannheimer Straße in Frankfurt, „und wir haben alle Krisen überstanden“. Dann zählt er auf: die Ölkrise, die Finanzkrise, die Sars-Pandemie 2002 und 2003. Doch nun ist Anil Kunar in großer Sorge. Sein Unternehmen hat sich auf Reisen von und nach Asien spezialisiert. Thailand, Vietnam, Hongkong, Indien und natürlich China hat Airways Travel im Programm, doch genau diese Ausrichtung droht dem Betrieb nun zum Verhängnis zu werden.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit dem Ausbruch des Coronavirus in China ist das Geschäft des Reisebüros fast vollständig eingebrochen. „Keiner bucht mehr Reisen nach Asien“, sagt Kunar. Die Telefone stehen still, auch online geht nichts mehr ein. Zudem seien viele bereits organisierte Urlaube und Dienstreisen storniert worden. Die Folgen könnten erheblich sein für das Reisebüro, das einen Fokus darauf setzt, für Kunden individuelle Rundreisen in Asien zu organisieren.

          „Aber was soll ich machen?“

          Schon jetzt geht Kunar davon aus, dass sein Unternehmen, zu dem sechs Mitarbeiter gehören, mindestens zehn Prozent des Jahresumsatzes verloren hat. Doch weil ein Ende noch nicht abzusehen ist, hat Kunar Existenzängste. „Wenn das noch ein paar Monate so weitergeht, kann ich mein Reisebüro zumachen.“ Das will er seinen Mitarbeitern zwar nicht antun. „Aber was soll ich machen?“

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          Viele Fluglinien und Reiseveranstalter leiden bereits unter den Folgen des Corona-Virus. So teilte am Montag der Lufthansa-Konzern mit, dass der Flugplan auf Strecken nach Italien und Asien wegen der Epidemie zusammengestrichen wurde. Zudem werden auch innerdeutsche Ziele seltener angeflogen, davon betroffen sind unter anderem die Routen zwischen Frankfurt und Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln und München. Wegen der gesunkenen Nachfrage könne der Halbstundentakt für Verbindungen nach München nicht mehr aufrechterhalten werden, hieß es.

          Vom Frankfurter Reiseveranstalter Dertour hieß es, man sehe „eine gewisse Buchungszurückhaltung, speziell für asiatische Reiseziele und für Norditalien“. Zudem hat das Unternehmen alle Reisen nach China bis Ende April abgesagt. Über Folgen dieser Entwicklung für das Geschäftsergebnis wollte Dertour keine Angaben machen, auch nicht darüber, ob sich eventuell Mitarbeiter wegen der negativen Geschäftsentwicklung Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen müssten.

          Anil Kunar ist deutlich auskunftsfreudiger. Der Inder organisiert seit Jahren auch Reisen von Familien, deren Kinder in der Rhein-Main-Region arbeiten und im Sommer Eltern und Großeltern nach Deutschland einladen. Aus Angst vor dem inzwischen auch in Deutschland grassierenden Virus würden diese Reisen gestrichen. Mit Blick auf die Zukunft seines Betriebs klammert sich Kunar nun an eine Hoffnung: „Dass das alles schnell vorübergeht.“

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