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Wieder viele neue Covid-Tote : Coronavirus grassiert vor allem in ländlich geprägten Kreisen

Beschaulich: Michelstadt im Odenwald Bild: dpa

Am Tag des Lockdown-Beginns kommen für Hessen keine beruhigenden Corona-Zahlen aus dem Robert-Koch-Institut. Der Odenwald bleibt Hotspot. Zwei andere Kreise sind nur etwas unter die kritische Marke gerutscht.

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          Von diesem Mittwoch an gelten auch in Hessen die verschärften Corona-Vorgaben. So dürfen viele Einzelhändler nicht mehr öffnen, Friseursalons müssen geschlossen bleiben - und auch Baumärkte zumindest für Hobby-Handwerker. Ziel dieser Vorgaben ist, eine Überlastung der Kliniken und ihres Personals zu vermeiden. Aber schon jetzt arbeiten die Intensivstationen etwa in Frankfurt „am Anschlag“. Der Lockdown komme „zum letzten richtigen Zeitpunkt“, sagte der Leiter der Notfallmedizin am Uni-Klinikum Marburg, Bernhard Schieffer, der F.A.Z. Die aktuellen Coronazahlen aus dem Robert-Koch-Institut für Hessen zeugen nicht nur von einem anhaltend regen Infektionsgeschehen, vor allem aber ist die Zahl der über Nacht gemeldeten weiteren Verstorbenen im Zusammenhang mit Covid-19 in der Nähe des Höchststands vom Dienstag.

          Thorsten Winter
          (thwi.), Rhein-Main-Zeitung

          Mit Blick auf die Corona-Landkarte zeigt sich regional eine leichte Entspannung. Zwei Landkreise sind über Nacht etwas unter die neue kritische Marke einer Inzidenz von 200 binnen Wochenfrist bestätigter neuer positiver Corona-Tests gerutscht. Deutlich darunter rangieren weiter die Stadt Frankfurt sowie die Kreise Hochtaunus und Main-Taunus, während der Rheingau-Taunus darüber liegt. Die Region mit der höchsten Inzidenz bleibt der Odenwald mit 289 (siehe Grafik).

          Wie aus den Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hervorgeht, behandeln hessische Kliniken derzeit 419 Covid-Kranke intensiv. 245 davon müssen demnach invasiv beatmet, also intubiert werden. Das sind zehn mehr als am Vortag. 208 von alles in allem gut 1900 Intensivbetten seien in Hessen noch frei, sieben mehr als zuvor. Über die Verfügbarkeit geschulten Personals ist damit aber nichts gesagt. Nach Angaben des Landes vom vergangenen Mittwoch lagen zuletzt 1833 Covid-Patienten auf Normal- und Intensivstationen. Diese Zahl aktualisiert das Sozialministerium wöchentlich, um die Entwicklung aufzuzeigen.

          Mehr Fälle als vor einer Woche

          Dem RKI wurden aus Hessen über Nacht 1699 neue Fälle verzeichnet, das sind 33 mehr als vor einer Woche. Der Höchststand beträgt 2325 und liegt einige Wochen zurück. Seit Beginn der Pandemie im März hat das RKI 111.433 bestätigte Fälle registriert. Bis Anfang Oktober waren es nur gut 19.000 bekannt gewesen. Das zeigt die Dynamik der zweiten Corona-Welle ebenso wie die Zahl der Covid-Opfer, die seitdem von 551 auf 1966 gestiegen ist.

          Wie die Corona-Landkarte des Instituts zeigt, grassiert das Coronavirus derzeit besonders in ländlich geprägten Landkreisen. Nach dem Odenwald sind der Main-Kinzig-Kreis mit 247,5 und der Landkreis Offenbach mit 239 ausgewiesen. Es folgen die Wetterau mit 234, der Kreis Gießen mit 233, der Vogelsberg 220, der Kreis Limburg-Weilburg mit 211 und dem benachbarten Rheingau-Taunus mit 209.

          Alle diese Kreise sind auf der Corona-Landkarte des Landes schwarz eingefärbt. Bleibt ein Kreis oder eine Großstadt drei Tage über der Inzidenz von 200, stehen nächtliche Ausgangssperren und öffentliche Alkoholverbote an. Über Nacht sind der Kreis Fulda und der Landkreis Groß-Gerau unter die kritische Marke gerutscht. Gleichwohl gelten auch dort Ausgangssperren und Alkoholverbote, denn erst nach fünf Tagen in Folge unter 200 dürfen die verschärften Vorgaben zurückgenommen werden. Dies erfüllen derzeit beispielsweise die Städte Frankfurt (150), Mainz (170). Wiesbaden (140) und Darmstadt (145), während Offenbach trotz einer Abschwächung (236) noch darüber liegt. Knapp unter der kritische Marke rangieren auch der Kreis Hersfeld-Rotenburg und der Schwalm-Eder-Kreis.

          Wann die schwarze Stufe greift

          Die Stufe „Schwarz“ greift bei einem „diffusen Infektionsgeschehen“, das nicht auf einen überschaubaren und begrenzten Ausbruchsherd beschränkt sei. Und: „Wenn eine Region die Inzidenz von über 200 erreicht und diese drei Tage in Folge weiterbesteht, dann ist zum Beispiel eine nächtliche Ausgangssperre für die Zeit zwischen 21 Uhr und 5 Uhr früh zu verhängen. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist während dieser Zeit nur aus gewichtigen Gründen zuzulassen wie beispielsweise berufliche oder medizinische Erfordernisse“, erläuterte Staatssekretärin Anne Janz.

          Die Erklärung von Janz zu den neuen Vorgaben findet sich hier. Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das etwa für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Zu oder auf? Welche Corona-Regeln gelten für Geschäfte von Mittwoch an

          Von diesem Mittwoch an dürfen in Hessen nur noch Geschäfte für den täglichen Bedarf ihre Türen öffnen. Die Verordnung gilt bis 10. Januar 2021. In folgenden Läden können die Menschen weiter vor Ort einkaufen, entscheidend ist laut Verordnung der Schwerpunkt im Sortiment:

          Lebensmitteleinzelhandel, Futtermittelhandel, Tierbedarfsmärkte, Wochenmärkte, Direktverkauf vom Lebensmittelerzeuger, Reformhäuser, Feinkostgeschäfte, Babyfachmärkte, Geschäfte des Lebensmittelhandwerks, Getränkemärkte, Abhol-und Lieferdienste, Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgeräteakustiker, Poststellen, Tankstellen, Tankstellenshops, Autohöfe und Autoraststätten, Kioske, Tabak-und E-Zigarettenläden, Zeitungsverkauf, Friedhofsgärtnereien, Weihnachtsbaumverkauf, Ersatzteilverkaufsstätten für Kraftfahrzeuge und Fahrräder, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe wie beispielsweise Reinigungen, Waschsalons, Auto-und Fahrradwerkstätten, Banken und Sparkassen dürfen weiterarbeiten.

          Baumärkte dürfen ausschließlich für gewerblich tätige Handwerkerinnen und Handwerker öffnen.

          Dienstleistungsbetriebe der Körperpflege, darunter Friseure Kosmetikstudios, Massagepraxen, Nagelstudios, Tattoo-Studios sind geschlossen. Ausnahmen gibt es für medizinisch notwendige Behandlungen wie Physio-, Ergo-und Logotherapien und medizinische Fußpflege. (dpa)

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