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Corona-Pandemie in Hessen : Wetterau von Montag an wieder ohne nächtliche Ausgangssperre

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Coolspot: Die Wetterau mit Münzenberg weist die niedrigste Inzidenz in Hessen auf und sieht dem Ende der Ausgangssperre entgegen Bild: Lucas Bäuml

Für die Bewohner der Wetterau fällt zum Montag die nächtliche Ausgangssperre. Andere Kreise dürften bald folgen. Die Inzidenz sinkt landesweit. Mehr Schulen bereiten Präsenzunterricht vor.

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          In Hessen geht es abwärts – allerdings auf erfreuliche Weise: Die Gesundheitsämter melden weiter tendenziell weniger neue Corona-Fälle und die zentrale Kennziffer sinkt weiter. Sie liegt derzeit zwar mit 123 noch knapp über dem Niveau im Bund, aber mehr als 50 Punkte unter dem Wert von vor zwei Wochen. Dies zeigt, wie sich das Infektionsgeschehen abkühlt. Dennoch ist die sogenannte Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist eingelaufenen Neuinfektionen, noch weit von wirklich beruhigenden Werten entfernt. Denn allenthalben gelten noch nächtliche Ausgangssperren. Vielerorts müssen Schüler weiter zu Hause bleiben und Geschäfte dürfen nur in einem Teil der Landkreise und Großstädte „Click and Meet“ anbieten.

          Allerdings sehen die Bewohner von drei Landkreisen dem Ende der Ausgangssperren entgegen.  Das ist nach einer Inzidenz von weniger als 100 an fünf Tagen in Folge möglich. Die Wetterau macht den Auftakt. Dann dürfen sich dort auch wieder Personen aus zwei Haushalten privat treffen. Zudem bereiten sich Schulen in weiteren Landkreisen auf eine Rückkehr zum Präsenzunterricht in der Mittelstufe vor. Dies ist nach einem anhaltenden Rutsch unter die Inzidenzmarke 165 möglich. Ausweislich Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa für die Kreise Gießen und Lahn-Dill sowie für Wiesbaden.

          Die hessischen Gesundheitsämter haben dem RKI über Nacht 1180 neue bestätige Fälle gemeldet, in denen der PCR-Test positiv ausgefallen ist. Vor einer Woche waren es 1444 und vor 14 Tagen noch 2252 gewesen. Alles in allem haben sich seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr offiziell 271.849 Personen in Hessen mit dem Coronavirus angesteckt. Rund 22.600 davon gelten noch als aktiv, also als nicht ausgestanden. Das sind etwa 300 weniger als am Vortag. Diese Zahl ist aber geschätzt: Wer 14 Tage nach einem positiven Test nicht ärztlich behandelt wird, gilt als genesen.

          19 weitere Tote im Zusammenhang mit der Pandemie gilt es zu betrauern. Vor einer Woche hatte das RKI 16 weitere Todesfälle verzeichnet. Insgesamt sind nach seinen Angaben bisher 7049 Personen in Hessen an oder mit Covid-19 gestorben.

          Fünf Bundesländer mit höherer Inzidenz

          Die Inzidenz ist über Nacht von knapp 129 auf 123 gesunken. Vor sieben Tagen betrug die Kennziffer noch 157,5 betragen und vor zwei Wochen sogar gut 176. Im Bund liegt sie bei 121,5. Aktuell weisen fünf Bundesländer eine höhere Inzidenz als Hessen auf: Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Am besten steht Schleswig-Holstein da mit 52.

          In Hessen bleibt Offenbach der Hotspot mit 219 bei allerdings sinkender Tendenz. Frankfurt kommt auf 138, Wiesbaden auf 133 und das benachbarte Mainz auf 142. Unter den Großstädten bleibt Kassel der Tabellenführer mit einem Kennwert von 179. Nur knapp darunter rangiert der Landkreis Fulda. Außer der Wetterau bewegen sich dagegen auch der Vogelsberg und der Hochtaunus seit mehreren Tagen unter der Marke 100 und sehen einem Ende der nächtlichen Ausgangssperre entgegen. Neuerdings sind auch Darmstadt und der Kreis Darmstadt-Dieburg unter diesem Schwellenwert.

          Knapp 31 Prozent der Hessen mit erster Impfung

          Bei der Erstimpfquote lässt Hessen nach einem Zwischenspurt mittlerweile eine Handvoll Länder hinter sich, darunter Schleswig-Holstein und den Nachbarn Thüringen. 30,8 Prozent der Menschen in Hessen haben laut RKI die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Das sind 1,94 Millionen. Der Durchschnitt im Bund beträgt aber 31,5 Prozent. Spitzenreiter ist jetzt das Saarland mit 35,4. Auch bei den durchgeimpften Personen hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund hinterher. Hessen kommt auf 8,1 Prozent, das sind sieben Zehntel unter dem Durchschnitt nach drei Zehntel zur Wochenmitte. Die Schere öffnet sich also wieder.

          Die Folgen der „Notbremse“

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

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