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Freizeitsportler und Corona : „Die Disziplin ist nicht mehr so doll“

Lockerungsübung: Dieser Sportsmann im Hafenpark in Frankfurt hält sich noch immer an die geltenden Abstandsregeln. Bild: Wonge Bergmann

Seit Beginn der Corona-Lockerungen sind überall in der Frankfurt wieder die Freizeitsportler aktiv – allerdings oft ohne jegliche Vorsichtsmaßnahmen. Für die Vereine, die sich an strenge Auflagen halten müssen, ist das ein Ärgernis.

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          Alles vorbei? Pandemie überstanden? Wer sich dieser Tage als aufmerksamer Beobachter am Mainufer oder in den städtischen Parks bewegt, kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass das Coronavirus tatsächlich verschwunden ist – zumindest aus den Köpfen vieler Menschen. An öffentlich zugänglichen Sportanlagen ist vielerorts wieder Normalität eingekehrt. Überwiegend junge Freizeitsportler tummeln sich an der frischen Luft, genießen die Sonne beim lange vermissten Spaß an Bewegung und Spiel. Von Vorsichtsmaßnahmen keine Spur.

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Zum Beispiel im Hafenpark im Ostend. Auf den beiden Freiluftplätzen nahe der Europäischen Zentralbank spielen junge Leute zu acht und zu zehnt Basketball. Nebenan kickt eine Achter-Gruppe, und auch im Ostpark, nur ein paar Hundert Meter entfernt, rollt der Ball. Nur im Günthersburgpark ist es an diesem Nachmittag verhältnismäßig ruhig. „Normalerweise wird hier aber auch viel Fußball gespielt. Zu acht. Oder zu zehnt“, sagt ein Parkbesucher. Das Kontaktverbot, die Abstandsregeln und die bis ins Detail ausgetüftelten Vorgaben der Sportverbände scheinen dabei keine Rolle zu spielen.

          Extremer Aufwand und extreme Motivation

          Diese Lockerheit birgt Gefahren, nicht nur aus virologischer Sicht, sondern auch für die Vereine, die zuletzt aufwendige Konzepte zur Umsetzung der strengen Richtlinien erarbeitet haben. Das eingeschränkt wieder mögliche Training haben allerdings längst nicht alle Klubs aufgenommen, wegen fehlender Wettkampfperspektiven, der großen Verantwortung und den finanziellen Herausforderungen durch die nötigen Sicherheitskonzepte.

          Die FG Seckbach gehört zu den Vereinen, die seit Montag wieder Training anbieten. Gestartet wurde mit den Senioren sowie der B- und C-Jugend unter strenger Kontrolle und Einhaltung der Richtlinien des Hessischen Fußball-Verbands, wie der Vereinsvorsitzende Sven Schröder am Telefon berichtet. Er spricht von einem extremen Aufwand, aber auch einer hohen Motivation wegen des Bildungsauftrags, den der Klub habe. „Wir holen die Jungs dreimal pro Woche von der Straße weg. Das liegt uns am Herzen. Deshalb bieten wir wieder Training an“, sagt Schröder. Für die Kleinsten gilt das aktuell allerdings nicht. Sie müssen weiter warten. „Wir können uns kaum vorstellen, dass sechs- bis siebenjährige Kinder die ganzen Regeln aktuell verstehen und umsetzen können“, erklärt der Vorsitzende mit Blick auf eine dann erhöhte Infektionsgefahr. Fraglich ist allerdings, wie lange die Älteren noch Verständnis für die strengen Vorgaben aufbringen, wenn andernorts wie im Hafenpark oder Ostpark schon wieder gekickt wird, als gäbe es kein Corona.

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