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Corona und Schulen : Die Rückkehr der Sandwich-Kinder

Viele Kinder haben unter Distanzunterricht gelitten. Bild: dpa

Den Siebt- bis Elftklässler in Hessen hat der Distanzunterricht der vergangenen Monate geschadet. Das ist ein Versäumnis der Politik.

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          Na klar, es gibt sie, die Jugendlichen, die in den vergangenen Monaten ein Kunstprojekt im Kinderzimmer verwirklicht und einen Entwicklungsroman verfasst haben. Die kaum je eine Videokonferenz verschwitzt und vielleicht mehr Stoff gelernt haben als sonst zwischen Weihnachten und Anfang Mai. Verpasst haben aber selbst sie eine Menge. Nämlich ganz normales Jugendlichen-Leben. Dazu gehört vor allem, fünfmal in der Woche zur Schule zu gehen und auf Gleichaltrige zu treffen.

          Anderen Jugendlichen hat die Zeit im Distanzunterricht noch mehr geschadet. Von manchen heißt es, sie seien abgetaucht. Oder jedenfalls nie im Distanzunterricht aufgetaucht. Warum nicht, das konnten oder wollten Lehrer oft nicht ergründen. Viele waren auch brav in allen Videostunden, blieben dort aber stumm. Was in ihnen vorgeht, was sie bewegt und vielleicht belastet, wissen die Lehrer nicht und die Eltern nicht immer. So blicken hessische Schulleiter jetzt mit Sorge auf die Rückkehrer. Sie bieten psychologische Hilfe, legen Wert aufs Miteinander und verzichten eine Weile auf Klassenarbeiten. Aber es muss auch wieder gelernt werden, dafür ist die Schule da.

          Versäumnis der Politik

          Wie groß diese Herausforderung wird, lässt sich bisher erst ahnen. Der Grund ist ein Versäumnis der Politik. Während die jüngeren und älteren Jahrgänge aus guten Gründen zum Wechsel- oder sogar täglichen Unterricht in die Schulen kommen durften, wurden die mittleren aus einem nicht so guten Grund nach Hause verbannt: Sie waren nicht klein genug und nicht groß genug für das Privileg des Präsenzunterrichts. So hat die Landesregierung die Siebt- bis Elftklässler zu Sandwich-Kindern gemacht.

          Jetzt dürfen sie in den Landkreisen, in denen die Inzidenz es zulässt, zurück in die Schulen. Die Mädchen und Jungen freuen sich, viele haben aber auch Bammel. Die Schulen müssen die Bedürfnisse der Wissbegierigen, der Stillen und der Abgedrifteten vereinbaren. Ein Schulleiter nennt das Einzelfallarbeit. Die Folgen der vergangenen Monate werden erst nach und nach ans Licht kommen – und das auch nur dann, wenn sich das Augenmerk endlich auf die Jugendlichen richtet.

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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