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Hotel Office statt Home Office : Arbeitszimmer mit Ausblick

Die Hände voll zu tun: Hotelbesitzerin Faru Mainardy in einem ihrer Home Office-Zimmer Bild: Oliver Rüther

Das Coronavirus hat das Hotelgeschäft zum Erliegen gebracht. Im Sonnenhof in Dietzenbach wird jedoch so viel gearbeitet wie noch nie.

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          Keine Tagungen, keine Messe, keine Touristen. Eigentlich könnte Cornelia Mainardy ihr Hotel Sonnenhof in Dietzenbach abschließen und auf die Rückkehr der alten Zeiten warten. Doch das fiele der Unternehmerin, deren Familie das 163 Zimmer große Hotel vor fast 30 Jahren errichtet hat, im Traum nicht ein. Stattdessen öffnet sie ihr Haus – für neue Ideen und neue Gäste. Von ihrem Urgroßvater, so erzählt die unerschrockene Wirtin, habe sie gelernt, dass man in Krisenzeiten engagiert und fröhlich weiterarbeiten müsse. Nichts anderes tue sie jetzt.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hotel Office statt Home Office lautet eines von Mainardys neuen Angeboten, außerdem liefern ihre Mitarbeiter das Hotelessen seit drei Wochen mittags und abends bis an die Haustür. Die Hälfte ihres Küchenteams kann sie so halten, sechs weitere Angestellte sind als Fahrer im Einsatz, und dank der im Hotel Office arbeitenden Gäste wird auch der Zimmerservice teilweise noch gebraucht. Mainardy möchte, dass der Betrieb so weit wie möglich weitergeht und ihre Angestellten Lohn und Arbeit haben.

          Zimmer als vorübergehende Büros

          Firmen könnten ihre Mitarbeiter nicht auf Dauer an umfunktionierten Wohnzimmertischen arbeiten lassen, so ihr Gedanke. Doch in die Enge der Büros dürften viele Menschen so schnell wohl auch nicht zurück, deshalb biete sie mit ihren leerstehenden Zimmern eine Alternative. So langsam laufe des Geschäft an, berichtet die Unternehmerin, mit etlichen Firmen habe sie Gespräche geführt – „mein Haus füllt sich zusehends“.

          Auch andere Hotels in Frankfurt und Rhein-Main versuchen ihre Zimmer tagsüber auszulasten und bieten sie als vorübergehende Büros an, so hat die Best-Western-Gruppe ihre Hotels in Frankfurt, Marburg und Darmstadt umgewidmet, ebenso sind die Trip-Inn-Häuser in Frankfurt, Mainz und Hanau neuerdings zum Arbeiten offen. Angeboten werden die Zimmer teilweise schon für einen halben Tag, wer mag, kann sich auch wochen- oder monatsweise einmieten. Das Geschäft ist noch weit davon entfernt, die hohen Verluste durch die Corona-Beschränkungen auszugleichen. Vier von fünf Hotels sind beispielsweise in Frankfurt ganz geschlossen, auch die verbliebenen sind alles andere als ausgelastet, selbst wenn einige Geschäftsreisende noch einchecken. Die Mehrheit der Häuser wird nur mit staatlicher Hilfe überleben können.

          Neue Ideen für das Büroangebot

          Wie lange die neuen Geschäfte den Sonnenhof tragen, weiß auch Cornelia Mainardy nicht. Ihr neuer Tagesbetrieb unterliegt strengen Regeln, schließlich soll sich am Hotelarbeitsplatz niemand mit dem Coronavirus infizieren. Deshalb bekommen alle Gäste zum Zimmer Gesichtsmasken und Handschuhe, neben dem Schreibtisch steht eine Kaffeemaschine, jeder hat sein privates Bad und für Pausen einen eigenen Balkon. Das Essen kommt aufs Zimmer – auch das nach einem strengen Ritual: Das Personal klopft und rollt einen Tisch mit dem Menü vor die Zimmertür, während der Gast sein Essen hereinholt, halten die Mitarbeiter gebührenden Abstand.

          „Wir haben ein paar Tage gebraucht, um uns alle Abläufe zu überlegen“, sagt Mainardy, die das Hotel gemeinsam mit ihrem Sohn führt. Immer mehr Ideen seien dabei entstanden, so sei etwa noch der Wäscheservice dazugekommen: Wer mag, kann Hemden und Hosen im Hotel waschen lassen. Zum Feierabend gibt es sie dann sauber zurück. Regulär lebt das Haus vor allem von Geschäftsreisenden, Messegästen und Tagungsgeschäft sowie dem Restaurantbetrieb. Nun soll bis mindestens Ende August das Büroangebot im Vordergrund stehen.

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