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Hersteller von Corona-Tests : Gewissheit, made in Rhein-Main

Stark gefragt: Produktion von Corona-Tests bei Virotech in Rüsselsheim Bild: Unternehmen

In Südhessen produzieren zwei kleine Hersteller derzeit bis zu 15 Millionen Corona-Tests im Monat. Anfragen für die Ausrüstung kommen aus der ganzen Welt.

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          Zwei hessische Unternehmen, Virotech Diagnostics aus Rüsselsheim und Novatec Immundiagnostica mit Sitz in Dietzenbach, haben ihre Produktionskapazitäten für Corona-Tests kräftig gesteigert. Beide sind kleine, aber etablierte Hersteller einer Reihe medizinischer Tests zur Identifikation verschiedener Krankheitserreger – seit einigen Wochen haben sie auch die Ausrüstung zum Nachweis des neuartigen Sars-CoV-2-Virus im Programm.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Novatec bietet einen PCR-Test zum Nachweis akuter Infektionen an, von Virotech kommt ein Elisa-Test, der erkennbar macht, ob ein Mensch Antikörper gegen das Coronavirus im Blut, eine Ansteckung oder gar Erkrankung also schon hinter sich hat. Gemeinsam erklären die Hessen, dass sie Ausrüstung für bis zu 15 Millionen Tests monatlich produzieren können.

          Produktion im eigenen Land, um nicht abhängig zu sein

          Trotzdem blieben die Unternehmen, die seit dem vergangenen Jahr unter dem Dach der Gold-Standard-Diagnostics-Gruppe als Schwesterfirmen auftreten, bisher eher unter dem Radar. Dabei haben ihre Forschungsteams fast so schnell wie die Branchenführer, etwa der Schweizer Roche-Konzern, Nachweisverfahren für das neue Virus entwickelt. Mitte März, berichtet die Virotech-Marketing-Chefin Julia Sauerbier, hatten sich die Entwicklerteams an die Arbeit gemacht, nur ein paar Wochen später konnten sie ausgereifte Verfahren auf den Markt bringen. Wobei die grundlegenden Methoden zum diagnostischen Standard gehören, die Innovation liegt darin, die Komponenten auf das neue Virus abzustimmen und das so genau, dass beispielsweise der Antikörpertest auch unterscheiden kann, gegen welches Coronavirus genau der Betroffene Antikörper gebildet hat. „Wir wollten natürlich unseren Beitrag zur Versorgung und Eindämmung der Epidemie leisten, anfangs gab es in den Laboren noch viel zu wenig Testkapazitäten“, sagt Sauerbier. Zudem schien es in der Anfangsphase der Pandemie wichtig, die Produktion im eigenen Land beziehungsweise in Europa aufzubauen, um nicht von den plötzlich schwer erreichbaren Lieferanten in Asien abhängig zu sein.

          Inzwischen sind es nun die Mittelständler aus dem Rhein-Main-Gebiet, insbesondere das international tätige Unternehmen Novatec, die dringend benötigte Testausrüstung in die ganze Welt liefern. Der Transport per Luftfracht funktioniere trotz der Einschränkungen im Flugverkehr. Aus Indien sowie Brasilien und anderen Ländern Südamerikas kämen derzeit die meisten Anfragen, sagt Sauerbier. Doch auch in Deutschland werde die Nachfrage infolge der aktuell steigenden Infektionszahlen und zum Ende der Reisezeit wohl wieder hochgehen.

          Produktion im Zwei-Schicht-Betrieb

          Um alle Kunden bedienen zu können, wird in der Produktion in Rüsselsheim und Dietzenbach im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet, außerdem wurden zusätzliche Lagerkapazitäten geschaffen und einige Mitarbeiter eingestellt. Novatec, das einst als Familienunternehmen gegründet worden war, hat nun 80 Angestellte, bei Virotech Diagnostics sind es 100. Wobei in beiden Fällen nur ein Viertel der Belegschaft in der Forschung und Entwicklung sowie der Produktion tätig ist, der größere Teil der Belegschaften kümmert sich um Vertrieb und Verwaltung.

          Zusammengerechnet erwirtschafteten die Partner 2019 knapp 21 Millionen Euro Umsatz. Ob dieser 2020 höher ausfallen wird, ist nicht ausgemacht. „Vor allem in den Wochen des Lockdowns sind die Menschen deutlich seltener zum Arzt gegangen, außerdem sind natürlich auch andere Infektionskrankheiten wie etwa die Grippe eingedämmt worden“, sagt Sauerbier. Weniger Krankmeldungen bedeuteten natürlich weniger Tests in den Laboren.

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