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Fehlende Vorgaben : Der Schnelltest als Bumerang

Strichliste: Ob jemand positiv oder negativ ist, zeigt sich nur ein paar Minuten lang Bild: dpa

Wegen Terminanfragen für Corona-Schnelltests laufen Telefone in den Testzentren, bei Hausärzten und Apotheken heiß: Es fehlt aber an klaren Abläufen und Vorgaben zur Kostenübernahme.

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          Die Discounter haben bereits am Samstag die ersten Corona-Selbsttests verkauft, Drogerieketten und Supermärkte werden in den nächsten Tagen folgen. Die Nachfrage ist groß, viele versprechen sich davon Klarheit, ob man damit etwa den Besuch bei den Großeltern oder Freunden wagen kann. Manche träumen gar von Restaurant- oder Theaterbesuchen. Und nun kommen auch noch die sogenannten Schnelltests hinzu, die im Grunde genauso mit einem einfachen Nasenabstrich funktionieren wie die Selbsttests, aber von Fachpersonal ausgeführt werden, das Ergebnis wird bescheinigt.

          Jeder soll sich einmal pro Woche unentgeltlich testen lassen dürfen, hat Gesundheitsminister Spahn (CDU) vollmundig angekündigt. Doch wie das die Länder und vor allem die Kommunen leisten sollen, hat er nicht erklärt. Die Telefone laufen in den bekannten Testzentren heiß, auch bei Hausärzten und in Apotheken wird nachgefragt, wann man denn zur Abklärung vorbeikommen dürfe. Allein es fehlt an klaren Abläufen, die Kostenübernahme durch den Bund ist zwar in Aussicht gestellt, aber noch nicht festgezurrt. Was – mal wieder – bleibt, sind frustrierte Bürger, denen viel vom Bund versprochen wird, deren Unmut dann jedoch meist auf die lokalen, vermeintlichen Verantwortlichen abgeladen wird.

          Vor-Wahlkampf-Aktionismus von Jens Spahn?

          Obendrein könnten die vielen Tests zu einem Bumerang beim Bestreben werden, dadurch wieder mehr Freiheiten zuzulassen. Bisher wurde ja meist nur getestet, wer Symptome oder engen Kontakt mit einem Infizierten hatte. Doch es gibt sicher auch einige, die eine Corona-Infektion haben und weitergeben, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Sie könnten durch vermehrte Schnelltests entdeckt und damit auch isoliert werden. Das bedeutet aber auch, dass die Zahl der Infizierten steigen wird und damit auch die vermaledeite Inzidenz, die zurzeit über Einschränkungen oder Lockerungen entscheidet. Vom Begriff des „Freitestens“, der das Gegenteil verspricht, nämlich nicht mehr auf diese Zahlen fixiert sein zu müssen, bliebe dann nicht mehr viel übrig.

          Es drängt sich zudem der Gedanke auf, das bisher nicht eingelöste Versprechen von Tests für alle könnte Vor-Wahlkampf-Aktionismus von Jens Spahn sein. Wenn aber die Bürger nicht möglichst bald die Chance bekommen, tatsächlich möglichst viel zu testen, könnte der Schuss nach hinten losgehen.

          Monika Ganster
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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