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Schüler vor Covid-19 schützen : Reisebusse in Stoßzeiten oder Schule versetzt starten

  • -Aktualisiert am

Corona-konform geht anders: Viele Schulbusse sind in diesen Tagen überfüllt – mehrere hessische Landräte wollen das nicht hinnehmen Bild: dpa

Hessens Verkehrsminister hat von zwei Landkreisen wegen überfüllter Schulbusse Brandbriefe bekommen. Die Landräte machen selbst Vorschläge zur Abhilfe.

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          In einem Schreiben an den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) hat der Wetterauer Landrat Jan Weckler (CDU) die Landesregierung gebeten, zu prüfen, ob im Linienverkehr auch Reisebusse eingesetzt werden können. Geplant ist das vor allem zu den sogenannten Stoßzeiten. Hintergrund sind die seit Schuljahresbeginn zum Teil wieder übervollen Busse am Morgen. Im Wetteraukreis gibt es keinen gesonderten Fahrservice für Schüler, was bedeutet, dass diese mit Linienbussen zu den Schulen fahren. Auch im Rheingau-Taunus treibt die Politiker und Eltern dieses Thema um. Deshalb hat auch der dortige Landrat dem Minister geschrieben und einen Vorschlag zur Abhilfe parat.

          Seit Beginn der Pandemie habe die Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO), die im Wetteraukreis sowie in den Nachbarkreisen Gießen und Vogelsberg für den Busverkehr zuständig ist, einige Vorkehrungen getroffen, um das Infektionsrisiko in den Bussen zu minimieren. So seien etwa Schutzscheiben eingebaut worden, Aufkleber in und an den Fahrzeugen sowie Durchsagen in den Bussen wiesen auf die Maskenpflicht hin. Zudem seien die Reinigungsintervalle deutlich erhöht worden. Schwerpunktkontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht habe man mit der Polizei und den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden abgesprochen.

          Mindestabständen in den Bussen

          Gleichwohl häufen sich laut Landrat Klagen von Eltern, die die Gesundheit ihrer Kinder in Gefahr sehen, zumal die Vorgaben zu Mindestabständen in den Bussen nicht gelten würden, also alle Plätze wie zu normalen Zeiten zur Verfügung stünden. Viele Eltern beschwerten sich nun darüber, dass in den Schulen entsprechende Regeln einzuhalten seien, die Kinder in Bussen jedoch einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt seien. Was Weckler nach eigenem Bekunden gut verstehen kann.

          Deshalb sollte nach Ansicht des Kreishauschefs in Erwägung gezogen werden, mit dem Einsatz von Reisebussen zusätzliche Kapazitäten und damit mehr Platz zu schaffen. Die Verkehrsgesellschaft Oberhessen hatte sich in diesem Zusammenhang schon an die Regierungspräsidien in Gießen und Darmstadt gewandt, um die Frage zu klären, unter welchen Voraussetzungen, etwa mit der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen, der Einsatz von Reisebussen im Linienverkehr möglich wäre.

          Der Wetterauer Landrat möchte vom Land zudem Vorschläge für die Finanzierung haben. Die defizitären Nahverkehrsgesellschaften könnten, vor allem nach den massiven Einnahmerückgängen im Zusammenhang mit Corona, nicht auch noch zusätzliche Kosten für Reisebusse und weiteres Personal stemmen. Weckler hält den Einsatz von Reisebussen auch deshalb für sinnvoll, weil man damit sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könne: zusätzliche Kapazitäten für die Stoßzeiten schaffen und zugleich die wirtschaftlich angeschlagene Reisebranche unterstützen.

          Um eine halbe Stunde versetzt

          Wenn der Unterricht in den Schulen des Rheingau-Taunus-Kreises etwa um eine halbe Stunde versetzt beginnen könnte, würde dies die Situation in den Schulbussen und damit auch im öffentlichen Nahverkehr entspannen. Diese Einschätzung vertreten Landrat Frank Kilian (parteilos) als auch Verkehrsdezernent Günter Döring (SPD). Nach ihrer Auffassung ist das hessische Kultusministerium gefragt, eine Lösung zu finden, schreiben die beiden Politiker.

          Da die Schüler im Kreis mit den normalen Linienbussen fahren, kann es laut Kilian durchaus dazu kommen, dass die Kinder ohne den üblichen Mindestabstand von 1,5 Metern im Bus zur Schule fahren. Dies, so der Landrat weiter, habe auch der hessische Landkreistag der Landesregierung mitgeteilt, eine Antwort stehe allerdings noch aus. Unabhängig davon hat der Landrat die Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft gebeten zu prüfen, ob und in welchem Umfang zusätzliche Busse eingesetzt werden können.

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