https://www.faz.net/-gzg-abcer

Corona-Regeln : Zurück in die Schule mit Bammel und Freude

Viele Schüler in Hessen kehren wieder in die Schulen zurück Bild: dpa

Nach fast fünf Monaten dürfen Siebt- bis Elftklässler in einigen hessischen Landkreisen erstmals wieder in den Unterricht. Doch das wird nicht jedem Schüler leicht fallen.

          2 Min.

          Sobald die Abiturienten weg sind, dürfen die Mittleren nach fast fünf Monaten zu Hause zurück in die Schule. Am Donnerstag beginnt der Wechselunterricht für die Siebt- bis Elftklässler. Jedenfalls in den elf hessischen Landkreisen, in denen die Inzidenz zuletzt an fünf Werktagen hintereinander unter 165 lag. Dazu gehören der Hochtaunus-, der Main-Taunus- und der Rheingau-Taunus-Kreis, die Kreise Offenbach und Darmstadt-Dieburg, Wetterau- und Vogelsbergkreis. Auch in der Stadt Darmstadt war die Marke unterschritten.

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Schulgemeinden blicken dem Ereignis mit Vorfreude, aber auch Sorge entgegen. „Ein guter Teil wird sich zum ersten Mal überhaupt wieder mit Schule befassen“, sagt Felix Blömeke, Leiter der Friedrich-Ebert-Schule in Schwalbach bei Frankfurt. Manche habe die Integrierte Gesamtschule trotz intensiver Schulsozialarbeit im Distanzunterricht nicht erreicht. Bei anderen dagegen seien die Eltern beunruhigt, ob die Kinder den Stoff des Schuljahrs noch rechtzeitig lernen. „Diese Diskrepanz muss jetzt erst mal aufgefangen werden.“ Wenn die erste Gruppe am Donnerstag und Freitag, die zweite nächste Woche Montag bis Mittwoch in die Schule zurückkehrt, dann sei viel „Einzelfallarbeit“ nötig, auch mit Gesprächsangeboten und Hilfe beim Lernen. Am ersten Tag ist Klassenlehrerunterricht.

          An der Gesamtschule am Rosenberg in Hofheim dagegen beginnt nach den Selbsttests, die wie alle Schüler auch die Rückkehrer machen müssen, gleich der Fachunterricht nach Stundenplan. „Wir wollen direkt starten und sehen: Wo stehen die Schüler?“, sagt Schulleiter Hendrik Schmitz. Am Mittwoch fällt der Distanzunterricht aus, weil die Lehrer in die Schule kommen, um Tische zu stellen. Viele Klassenräume sind nicht groß genug, um den Abstand einzuhalten, deshalb werden Fachräume zu Klassenzimmern umfunktioniert.

          Klassenarbeiten müssen noch warten

          Mit Briefen bereiten Schulleiter die Eltern darauf vor, dass der Spagat zwischen „die Kinder abholen“ und „den Leistungsstand ermitteln“ schwierig werde. Manche Schulen warten mit Klassenarbeiten bis nach dem Himmelfahrtswochenende, kündigen aber Tests ohne Noten an, um den Lernstand zu überprüfen. Blömeke fragt sich, ob es sinnvoll wäre, das Schuljahr zu verlängern, zum Beispiel bis Weihnachten. Die bisher angebotenen Lerncamps sind für den Gesamtschulleiter nur kleine Korrekturen; ein paar Stunden Mathe oder Englisch reichten für bestimmte Schüler nicht. Die Frage sei: „Lässt man die zurück, oder fängt man die auf?“

          Auch Jugendliche sehen der Rückkehr mit gemischten Gefühlen entgegen. Da ist das Geschwisterpaar, das sich aufs „Wiederzusammenkommen“ mit den Freunden freut. Aber während es an der Realschule der Schwester erst einmal darum gehen soll, wieder im Schulalltag anzukommen, wurden in der Oberstufe des beruflichen Gymnasiums des Bruders schon mehrere Tests angekündigt. Auch ein Gymnasiast sorgt sich, wie die Umstellung wohl läuft: Wird es an den Tagen zu Hause noch Onlineunterricht geben? Droht Chaos beim Hin und Her zwischen Distanz- und Präsenzunterricht? Und wird es gerechte Noten geben?

          Während die Jugendlichen noch über diese Fragen grübeln, brüten Abiturienten über den letzten schriftlichen Prüfungen. Geschrieben wird am Mittwoch noch an den beruflichen Gymnasien – und in Altgriechisch. Am Frankfurter Gagern-Gymnasium steht in dem Fach für zehn Schülerinnen und Schüler die Leistungskurs-Klausur an.

           

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Manuel Neuer vor EM-Start : Raus mit dem Stachel!

          Groß, stark, selbstbewusst: Kapitän Manuel Neuer will bei der Fußball-EM Wiedergutmachung nach dem deutschen Scheitern 2018. Er will in den Händen halten, was er bei der WM nicht zu fassen bekam.

          Corona-Lockerungen vertagt : Hat Johnson die Delta-Mutante unterschätzt?

          Nach dem verschobenen „Tag der Freiheit“ steht Boris Johnson in der Kritik. Der britische Premier habe zu spät auf die Virus-Mutante aus Indien reagiert, sagen manche. Andere fürchten, die Rückkehr zur Normalität falle in diesem Jahr komplett aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.