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Wut eines Corona-Patienten : „Das ist ein verantwortungsloser Haufen“

Im November demonstrierten die „Querdenker“ auf dem Frankfurter Paulsplatz. Bild: Lucas Bäuml

Nach seiner Corona-Infektion lag Helmut Oestreich acht Wochen lang im Koma. Nach dem Aufwachen musste er wieder laufen lernen. Dass „Querdenker“ am Samstag trotz Verbots in Frankfurt demonstrieren wollen, macht ihn fassungslos.

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          Eigentlich will Helmut Oestreich sich nicht mehr aufregen. Es lohne nicht, die Lebenszeit mit Wut zu verschwenden, sagt er. Zwei Monate lag der Siebzigjährige nach einer Corona-Infektion im Koma. Er wurde künstlich beatmet. Seit einigen Tagen aber kann er seine Empörung nicht mehr verdrängen. Die Nachricht, dass die „Querdenken“-Demo mit Tausenden Teilnehmern am Samstag in Frankfurt trotz eines Verbots stattfinden könnte, bringt ihn um den Schlaf. „Das ist ein verantwortungsloser Haufen. Die Menschen nehmen in Kauf, dass sich andere anstecken.“

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Oestreich, der eine Ferienwohnung vermietet und dessen Frau ein eigenes Fußpflege- und Nagelstudio betreibt, hat wegen der Corona-Vorschriften selbst finanzielle Einbußen. Trotzdem hat er kein Verständnis dafür, dass einige den Sinn der verordneten Regeln anzweifeln. „Für mich machen sich die Gerichte mitschuldig am Tod von Menschen, indem sie so eine Demonstration genehmigen.“ Das sei ein „Schlag ins Gesicht“ für Betroffene und Angehörige, aber auch für Pflegekräfte und Ärzte, die sich seit Monaten um die Corona-Patienten kümmerten. „Solche Demos sind beschämend.“

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