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Corona-Pandemie : Die Lage in Hessen spitzt sich zu

Militärhilfe: Schon im August waren Bundeswehrsoldaten im Testcenter am Flughafen im Einsatz. Bild: dpa

Die Bundeswehr hilft bei der Kontaktverfolgung, die Ministerpräsidenten der Länder beschließen strengere Kontaktbeschränkungen – und erste Kliniken im Rhein-Main-Gebiet verhängen wieder Besuchsverbote.

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          Plötzlich fühlt sich vieles wieder an wie zu Beginn der Pandemie. Meldungen, die schon einmal da waren, wiederholen sich, haben aber an ihrer aufschreckenden Wirkung nicht verloren. Angesichts der steigenden Corona-Infektionen im Rhein-Main-Gebiet haben sich das Klinikum Frankfurt Höchst, das Krankenhaus Bad Soden sowie das Krankenhaus Hofheim abermals entschieden, von diesem Donnerstag an ein Besuchsverbot zu verhängen. Jeder Kontakt von außen berge ein Infektionsrisiko, begründet der Vorsitzende der Geschäftsführung, Martin Menger, den Schritt.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          An der Frankfurter Uniklinik ist das Besuchsverbot seit Beginn der Pandemie nie wirklich ausgesetzt worden, wie der ärztliche Direktor der Klinik, Jürgen Graf, sagt. „Wir haben die Situation nie als entspannt wahrgenommen.“ Derzeit laufen laut Graf im Hintergrund Vorbereitungen, um zusätzliche Corona-Stationen bei Bedarf wieder schnell in Betrieb nehmen zu können. Graf, der auch Leiter des Hessischen Pandemiestabs ist, mahnt: „Wenn es nicht gelingt, die Neuinfektionszahlen in den Griff zu bekommen, dann kann es sein, dass in ein paar Wochen die Kapazitäten auf den Intensivstationen arg strapaziert werden.“ Nicht die Zahl der zur Verfügung stehenden Intensivbetten könnte seiner Meinung nach zum Problem werden, sondern der Mangel an Pflegekräften.

          Weil die Infektionszahlen in Frankfurt und Offenbach in den vergangenen Tagen besonders schnell gestiegen sind, haben beide Städte Unterstützung seitens der Bundeswehr angefordert. In Offenbach werden schon Soldaten eingesetzt, die den Mitarbeitern im Gesundheitsamt helfen, mögliche Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln. In Frankfurt sollen am heutigen Donnerstag zehn Soldaten eintreffen, 50 weitere werden zum Beginn der nächsten Woche erwartet.

          Kasseler Inzidenzwert steigt von 37,2 auf 94,2

          Und die Unterstützung ist dringend erforderlich. Denn nach Informationen des Sozialministeriums hat Frankfurt am Mittwoch mit einem Inzidenzwert von 70,9 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner zwar noch nicht die fünfte und höchste Stufe des Präventions- und Eskalationskonzepts des Landes erreicht (sie liegt bei einem Wert von 75), bewegt sich aber noch immer auf einem hohen Niveau. In Offenbach lag der Wert am Mittwoch bei 84 und im nordhessischen Kassel katapultierte er am Abend nach einem Ausbruch in einem Flüchtlingsheim von 37,2 auf 94,2. Der Inzidenzwert hat zuletzt immer wieder für Verwirrung geführt. Denn das Robert-Koch-Institut, das Sozialministerium und die Gesundheitsämter geben zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Zwischenstände heraus. Das verunsichere die Bürger, meint Frankfurts Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Frankfurt werde sich deshalb künftig ausschließlich auf die Werte des Sozialministeriums beziehen, die ohnehin als Grundlage für Vorgaben zu Rate gezogen würden.

          Weil es nicht gelungen sei, die Zahlen zu senken, will der Planungsstab der Stadt Frankfurt laut Majer am Donnerstag über eine mögliche Verlängerung sowie Ergänzungen der Corona-Vorgaben informieren. Um leichter verständliche Regeln zu kommunizieren, werde man sich regional abstimmen, sagt Majer.

          Schon am Dienstag hatten sich auf Einladung von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) Vertreter der Hotel- und Gaststättenbranche, der IHK und der Handwerkskammer mit Vertretern der Stadt getroffen, um über mögliche Lockerungen der Sperrstundenverfügung zu diskutieren. An dem Gespräch nahmen neben Frank auch Gesundheitsdezernent Majer, Vertreter des Ordnungs- und des Gesundheitsamtes sowie des Büros von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) teil. Konkrete Ergebnisse brachte das Gespräch nach Informationen dieser Zeitung nicht, Forderungen der Gastronomievertreter nach einer Verschiebung der Sperrstunden auf Mitternacht blieben erfolglos.

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