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Positiv getestete Pflegekräfte : Die Not in den Heimen

Eine Altenpflegekraft mit einem Antigen-Schnelltest bei einer Bewohnerin Bild: dpa

Corona zeigt die Grenzen der Belastbarkeit des Gesundheitswesens auf. Anders ist es nicht zu verstehen, wenn ein Landkreis in Mittelhessen dem Betreiber eines Altenheims den Einsatz positiv getesteter Pflegekräfte ermöglicht.

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          Auch wenn sie viel Zeit im Wartezimmer ihres Hausarztes lassen und die Suche nach einem Fachmediziner in ihrer Nähe oft länger als erhofft dauert: Hierzulande sind Patienten an ein recht reibungslos funktionierendes Gesundheitswesen gewöhnt. Alten- und Pflegeheime schließt das in der Regel ein. Aber auch ein erprobtes System ist nicht beliebig belastbar – und die Corona-Pandemie zeigt vor allem in der Pflege derzeit ungeahnte Grenzen auf. Anders ist es nicht zu verstehen, wenn ein Landkreis in Mittelhessen, wie gerade geschehen, dem Betreiber eines Altenheims mitteilt, die sogenannte Umkehrquarantäne sei „unter Voraussetzungen möglich“.

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          Der sperrige Begriff bedeutet: Positiv auf das Coronavirus getestete Pflegekräfte dürfen im Zweifel auf Antrag infizierte Heimbewohner betreuen. Die Leitung eines Heims in einer Kleinstadt nahe Gießen, in dem das Virus ausgebrochen ist, hatte den Antrag gestellt. Denn ein Viertel des Stammpersonals ist infiziert. Rechnerisch entspricht das in etwa der Zahl der Pflegekräfte, die in einem Wohnsektor arbeitet. Das heißt: Für ein Drittel der Einrichtung muss die Heimleitung auf die Schnelle eine Lösung finden.

          Als letztes Mittel

          In diesen Tagen kann sie zum Glück auf genügend Freiberufler zurückgreifen. Doch was, wenn sich noch mehr Pflegekräfte anstecken? Dann könnte tatsächlich nötig werden, was die Chefin der Einrichtung als letztes Mittel bezeichnet: der Einsatz von positiv Getesteten, die eigentlich in häusliche Isolation gehören, bei Infizierten, um die Einrichtung nicht räumen zu müssen.

          Sicher, die Lage ist wegen der Pandemie vielerorts besonders schwierig. Das bekommt gerade das Pflegepersonal zu spüren, zumal in den Kliniken, die immer mehr Covid-Kranke auf Intensivstationen betreuen müssen. 400 Patienten mit dem Corona-Virus im Körper werden derzeit in Hessen beatmet – acht Mal so viele wie vor acht Wochen.

          In Kliniken wie in den Heimen braucht man daher dringend mehr im Umgang mit alten Menschen geschultes Personal. Trotz der deutlichen Lohnerhöhung zum April wird es allerdings dauern, bis sich Schulabgänger für den Beruf entscheiden. Mit dieser Arbeit wird weiterhin, gemessen an den Herausforderungen und den physischen wie psychischen Belastungen, zu wenig verdient. Um die Lage kurzfristig etwas zu entspannen, ruhen daher auch in den Heimen und Kliniken große Hoffnungen auf dem Impfstoff. Und darauf, dass sich möglichst viele impfen lassen: Pfleger wie jene, die sie pflegen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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