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Corona-Vorgaben : Theater nicht nur für Auserwählte

Städtische Bühnen Frankfurt: Die Kulturbranche in Hessen wird durch die Corona-Maßnahme weiterhin stark eingeschränkt. Bild: Picture-Alliance

Während das gesellschaftliche Leben wieder lockerer geworden ist, schränken die Corona-Maßnahmen die Kultur weiterhin ein. Damit das Theater nicht zur Eliteanstalt wird, muss sich in der kommenden Spielzeit etwas ändern.

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          Wer abends durch die Stadt flaniert, hat nicht den Eindruck, es habe jemals so etwas gegeben wie das Coronavirus, vor dem uns strikte Regeln schützen sollen. Die Kneipen sind voll, die Menschen rücken fröhlich zusammen, ihre Masken hängen, wenn sie überhaupt welche tragen, lässig unter dem Kinn oder am Ohr. Derweil herrschen in den Theatern strenge Sitten, es wird auf Abstand geachtet, Akteure und Publikum verlieren sich in der Weite der Bühnen- und Zuschauerräume. Ohnehin ist das Programm extrem reduziert auf eine Art Notversorgung, ist eigentlich nicht mehr als ein Existenzbeweis: Es gibt uns noch. Aber was sich derzeit dort abspielt, hat immer auch etwas Gespenstisches.

          Das darf in der nächsten Spielzeit nicht so weitergehen. Theater als Eliteanstalt, dies widerspricht geradezu dem Sinn von Städtischen Bühnen. Die sonst keineswegs zutreffende Vermutung, die darstellende Kunst sei nur etwas für eine elitäre Minderheit, gewinnt plötzlich einen gewissen Wahrheitsgehalt. Nur einige Auserwählte kommen in den Genuss von theatralischen Erlebnissen, sei es in der Oper oder im Schauspiel. Dort bieten gegenwärtig nur die Kammerspiele für etwa 20 Besucher exklusive Erinnerungen daran, was Sprechtheater einmal war und bald wieder sein soll.

          „Der Lappen muss hochgehen“

          Nach den derzeit gültigen Verordnungen des Landes Hessen könnten in der nächsten Spielzeit im Großen Haus allerdings nur 88 von etwa 700 Plätzen besetzt werden. Und in der Oper 250 von knapp 1400. Bei der Vorstellung der Schauspiel-Pläne für die Saison 2020/21 am Donnerstag wurde zwar die Hoffnung geäußert, vom Herbst an vor einem größeren Publikum spielen zu können. Aber sicher ist das nicht. Gerade auch angesichts neuer gravierender Ausbrüche von Covid-19 und einer allgemein laschen Auffassung der Corona-Regeln, was zu neuen Restriktionen führen könnte.

          Es kann allerdings auch niemandem verübelt werden, wenn er im Dickicht der Verordnungen die Übersicht verliert. Gerade was die Kultur angeht, unterscheiden sie sich von Bundesland zu Bundesland, und die Unterschiede sind oft kaum noch nachzuvollziehen. Dabei wären einheitliche Vorgaben hilfreich. Ein Hygienekonzept für alle Theater im Land zu erstellen schüfe Sicherheit. Andernfalls droht ein Teil des Publikums wegzubrechen, das Oper und Schauspiel über Jahre hinweg für sich gewonnen haben. „Der Lappen muss hochgehen“ ist eine alte Theaterweisheit, in der zum Ausdruck kommt, dass das Interesse nachlässt, wenn die Bühnenpräsenz fehlt. Auf einem anderen Blatt steht, dass sich die hochsubventionierten Frankfurter Häuser wenig Originelles haben einfallen lassen, um die Corona-Zeit zu überbrücken. Unter freiem Himmel etwa wäre manches möglich.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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