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Corona-Antigen-Tests : Lehrer entdecken Infektionen dank freiwilliger Checks

  • -Aktualisiert am

Selbst getestet: Antigen-Tests können helfen, erkannte Corona-Fälle offenzulegen (Symbolbild). Bild: obs

Freiwillige Antigen-Tests können helfen, unerkannte Corona-Fälle offenzulegen. Das zeigt eine hessische Studie, bei der die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek mitgewirkt hat. Es gab aber auch Fälle falschen Alarms.

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          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich für strengere Kontaktbeschränkungen in Kreisen mit 200 und mehr Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche ausgesprochen. Er glaube, „dass eine Ausgangssperre dort, wo nachhaltig über 200 Inzidenzen sind, notwendig ist“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend im ARD-Fernsehen. „Aber das muss man immer in der jeweiligen Situation entscheiden.“ Auch werde man manches verbieten müssen, „zum Beispiel Alkoholverkauf oder Alkoholnutzung in der Öffentlichkeit“. Wo es sehr viele Infektionen gebe, müsse auch darüber gesprochen werden, ob Geschäfte geöffnet bleiben. In Hessen überschreiten momentan die Stadt Offenbach und der Main-Kinzig-Kreis den Inzidenzwert 200.

          Unterdessen legt eine Studie im Auftrag des Sozialministeriums und des Kultusministeriums nahe, dass durch Antigen-Selbsttests Corona-Infektionen erkannt und Übertragungen verhindert werden können. In der „Safe School“-Studie, an der die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek mitgewirkt hat, haben 711 hessische Lehrkräfte sieben Wochen lang alle 48 Stunden einen Antigen-Schnelltest mit einem selbst entnommenen Nasenabstrich zu Hause vorgenommen.

          Eine Handvoll korrekt ausgefallen

          Von diesen fast 101.000 Selbsttests seien fünf korrekt positiv ausgefallen. Vier der Lehrkräfte hatten demnach bereits milde Symptome, ein Proband hat erst später Symptome entwickelt. „Möglicherweise wurden so Übertragungen in der Schule oder privat verhindert“, schreibt Ciesek auf Twitter. 16 Mal konnten falsch-positive Antigentest-Befunde im Labor berichtigt werden. Gefährlicher sind falsch-negative Tests, bei denen also die Infektion nicht erkannt wurde. Hier gehen die Wissenschaftler von mindestens drei Fällen aus. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte, aus der Studie ergäben sich wertvolle Hinweise. Allerdings biete das derzeitige Verfahren, nach dem hessische Lehrer anlasslos einen Antigen-Schnelltest in Arztpraxen machen können, noch mehr Sicherheit als Selbsttests.

          Am Sonntag teilte die Landesregierung mit, dass sie rund drei Millionen FFP2-Masken an Pflegeeinrichtungen im Land verteilen lassen werde. Laut Innenministerium sollen die Masken von der nächsten Woche an an die Landkreise und Städte geliefert werden. Von dort aus sollen sie in Eigenverantwortung der Kommunen an die Einrichtungen verteilt werden.

          „Gerade etwa in den Alten- und Pflegeheimen kann der Mindestabstand zu den Menschen, die stationär oder ambulant betreut werden, bei vielen Tätigkeiten nicht eingehalten werden“, äußerten Innenminister Peter Beuth (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Die Grünen). Die Ansteckungsgefahr sei deshalb erhöht. Vor allem diejenigen benötigten speziellen Schutz, die sich um besonders hilfsbedürftige Menschen kümmerten. Neben Alten- und Pflegeheimen sollen unter anderem auch Jugendhilfe-Einrichtungen und Stellen, die Eingliederungshilfen geben, beliefert werden.

          In Pfungstadt ist unterdessen wegen mehrerer Corona-Infektionen eine Flüchtlingsunterkunft mit rund 80 Bewohnern unter Quarantäne gestellt worden. Wie lange die Quarantäne dauern soll, sei noch unklar, teilte die Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg am Samstagabend mit. Zuvor waren bei einer Massentestung acht Menschen positiv getestet worden. Damit niemand die Unterkunft verlassen oder betreten kann, ist nach den Angaben der Kreisverwaltung ein Sicherheitsdienst für das Gebäude eingerichtet worden. Das Gesundheitsamt hatte die Massentestung angeordnet, nachdem vier Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. „Die Entscheidung, die gesamte Einrichtung zu quarantänisieren, ist zwar für alle Beteiligten schmerzlich und mit großen Einschränkungen verbunden, aber absolut richtig“, sagte Landrat Klaus Peter Schellhaas laut einer Mitteilung.

          Insgesamt ist die Zahl der Corona-Infektionen in Hessen am Sonntag gegenüber dem Vortag um 1519 gestiegen. Damit liegt die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie erfassten Fälle nach den Berechnungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 95 954. Die Zahl der Todesfälle, die mit der Pandemie in Verbindung gebracht werden, stieg um 19 auf 1460. Von Kommunen selbst gemeldete Werte können von den Zahlen des Robert-Koch-Instituts abweichen, da sie die Daten mit Zeitverzögerung weitergeben.

          Zahlen, die die Kommunen selbst nennen, sind allerdings in der Regel aktueller als die des RKI. Die Zahl der Corona-Infizierten auf den Intensivstationen in Hessen lag nach Angaben des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin am Sonntag bei 345. Das entspricht rund 20 Prozent der belegten Intensivbetten. 215 Menschen wurden beatmet.

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