https://www.faz.net/-gzg-9xvum

Corona-Krise : Mehr als 2000 Infizierte in Hessen

  • Aktualisiert am

Auch in Frankfurt wird gewarnt: Die größte Stadt Hessens hat auch die meisten registrierten Corona-Infektionen im Bundesland. Bild: dpa

Mit zahlreichen Schutzmaßnahmen bemüht sich Hessen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Mehr als 2000 Fälle wurden bestätigt. Dennoch zeigt sich das Land solidarisch und nimmt schwerkranke Patienten aus dem Ausland auf.

          3 Min.

          Die Corona-Pandemie hält Hessen auch weiterhin im Würgegriff. Das Bundesland verzeichnet derzeit 2170 bestätigte Fälle. Das sind nochmals 261 mehr als am Vortag. Besonders betroffen sind dabei Frankfurt mit 237 bekannten Infektionen und Offenbach mit 119 Fällen. Seit dem Ausbruch der Pandemie sind in dem Bundesland sechs Menschen an den Folgen des Virus gestorben. Das Land bemüht sich, die Ausbreitung des Virus mit zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen einzudämmen.

          Seit Mittwoch vergangener Woche überprüfen die Beamten rund um die Uhr Geschäfte, Gaststätten und Grünflächen. Täglich würden zwischen 600 und 700 Einrichtungen kontrolliert. „Nachdem zu Beginn der neuen Verordnungen mit etwa 25 Prozent noch eine recht hohe Zahl an Verstößen verzeichnet wurden, zeigt sich mittlerweile, dass sich die Mehrheit der Menschen an die neuen Regeln hält“, berichtete das Ordnungsamt. „Frankfurt hat den Ernst der Lage erkannt“, lobte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

          Kontrollen der Kontaktverbote

          Zwei Drittel der Kontrollen seien im Einzelhandel und in der Gastronomie durchgeführt worden. Zu Beginn sei „eine Vielzahl“ an Verstößen festgestellt worden, aktuell seien es täglich etwa 20 bis 25 Zuwiderhandlungen im Gastronomiebereich, bei den Gewerbebetrieben 40 bis 45. „Die Tendenz ist fallend.“

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Das verbleibende Drittel bezieht sich auf Grünanlagen. Auch hier hätten sich zunächst viele Menschen nicht an die Regelungen gehalten. „Kleinere Gruppen von fünf bis zehn Personen, aber auch große Menschenmengen von bis zu 200 Personen mussten ermahnt werden.“ Seitdem ein deutschlandweites Kontaktverbot gilt, seien aber deutlich weniger Menschen in Gruppen in Parks anzutreffen.

          Laut Frankfurter Stadtpolizei halten sich die meisten Menschen in Hessens größer Kommune inzwischen an die Kontakt-Einschränkungen. Die Beamten hoffen aber auf einen baldigen Bußgeldkatalog der Landesregierung, wie ihn etwa Nordrhein-Westfalen beschlossen hat. „Nur so können Verstöße entsprechend konsequent geahndet und die Einhaltung der Maßnahmen auch auf längere Zeit sichergestellt werden“, berichtete das Ordnungsamt am Donnerstag.

          Derzeit nimmt Hessen 14 schwerkranke Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich auf. Zehn Kranke stammen aus der hessischen Partnerregion Emilia-Romagna in Italien und vier aus der französischen Region Grand Est, wie die Staatskanzlei am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Zu der einmaligen Aktion habe sich die Landesregierung auf Bitten von italienischer und französischer Seite entschlossen.

          „In der Krise stehen wir zusammen“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). „In diesen schweren Zeiten zeigt sich wahre Freundschaft.“ Die Patienten sollen landesweit auf mehrere Krankenhäuser verteilt und dort notmedizinisch behandelt werden.

          Schwierige Kontrolle

          Mit der Emilia-Romagna verbinde Hessen eine jahrzehntelange Partnerschaft und auch die Beziehungen zwischen Hessen und Frankreich seien sehr eng, erklärte die Staatskanzlei.

          Auf dem Frankfurter Flughafen stellt sich jedoch eine eine lückenlose Kontrolle von Passagieren nach Auskunft des Gesundheitsamts als problematisch dar. Teilweise kämen die Einreisenden aus Ländern, in denen es viel weniger Erkrankte als in Deutschland gebe, sagte Udo Götsch vom Frankfurter Gesundheitsamt. Die Pandemie sei bundesweit in eine Phase eingetreten, in der das Virus innerhalb des Landes weitergegeben und nicht mehr von außen hinein getragen werde. Kontrollen und Untersuchungen gebe es, wenn Verdachts- oder Krankheitsfälle gemeldet würden.

          Bei Hinweisen, dass beispielsweise Passagiere von einem betroffenen Kreuzfahrtschiff an Bord eines Flugzeugs seien, gingen die Mitarbeiter des Gesundheitsamts in die Maschine und fragten, ob jemand erkrankt sei. Passagiere aus Risikogebieten müssten Aussteigekarten ausfüllen mit Angaben zu ihrem Gesundheitszustand, Kontaktpersonen sowie Kontaktdaten. Ausgeben müssten diese die Fluggesellschaften.

          Ansonsten seien die Piloten gefragt, Verdachtsfälle zu melden. Erkrankte Passagiere würden ins Krankenhaus gebracht, etwa die Uni-Klinik Frankfurt. Die Stadt Frankfurt erklärte, man folge damit Regeln, die für sogenannte IGV-Flughäfen international festgelegt sind (Internationale Gesundheitsvorschriften).

          Einreisebeschränkungen

          Derzeit herrschen wegen der Pandemie Einreisebeschränkungen. Wer deutsche Nationalität, einen Wohnsitz in Deutschland oder eine Aufenthaltserlaubnis habe, dürfe dennoch einreisen, sagte der Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, Reza Ahmari. EU-Bürger sowie Bürger anderer europäischer Länder wie der Schweiz oder Großbritannien dürften einreisen, wenn sie auf der Durchreise nach Hause seien. Wegen der Einreisebeschränkungen nehmen die Passagierzahlen am größten deutschen Flughafen weiter ab.

          Zuletzt hatte es Kritik an mangelnder Information und unzureichenden Abstandsregelungen in den Terminals gegeben. Betreiber Fraport verwies auf mehrere Maßnahmen, die nun umgesetzt seien. „Alle fünf Minuten wird per Terminaldurchsagen mehrsprachig auf die einzuhaltenden Abstandsregeln hingewiesen. Darüber hinaus sind Verhaltenshinweisen über Poster und über digitale Bildschirme in den Terminals sichtbar“, erklärte das Unternehmen.

          Bei den Sicherheitskontrollen, am Check-In, den Busankünften und den Grenzkontrollen seien Bodenmarkierungen angebracht worden, um für genügend Abstand zu sorgen. Busse würden nur noch zu einem Drittel besetzt, zudem sollen die Fahrgäste nur in kleinen Gruppen aussteigen. „Wir setzen alle Empfehlungen der zuständigen Gesundheitsbehörden um“, erklärte Fraport.

          Weitere Themen

          Nicht die Zeit zum Feiern

          Spahn zu Mallorca-Partys : Nicht die Zeit zum Feiern

          Bundesgesundheitsminister Spahn ist durch die Party-Bilder von Mallorca beunruhigt und mahnt zur Vorsicht. Auf mehreren balearischen Inseln muss künftig jeder ab sechs Jahren im Freien fast immer Nase und Mund bedecken – sonst setzt es ein Bußgeld.

          Topmeldungen

          Während die Quarantäne für die meisten Wohnblocks in Verl inzwischen aufgehoben wurde, müssen die Anwohner eines Hauses noch hinter Bauzäunen ausharren.

          Die Leiharbeiter von Gütersloh : Der Werkvertrag als sozialer Magnet

          Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gelten als besonders hart, nur wenige halten hier lange durch. Doch viele Arbeiter bleiben auch nach ihrer Anstellung in Deutschland – und stellen die Kommunen vor Herausforderungen.
          Für jene, die nichts erben, wird das Eigenheim wohl oft ein unerfüllter Traum bleiben.

          Finanzierung : Eigenheime und Aktien sind Granaten

          Sollte man Hauskredite so langsam abbezahlen wie möglich und das Geld lieber in Aktien stecken? Wer so handelt, braucht starke Nerven. Wer die nicht hat, sollte anders vorgehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.