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Mund-Nasen-Masken : „Das begehrteste Gut“

Der Mann mit den Masken: Malte Uhlendorf verkauft in seiner Apotheke den Gesichtsschutz. Bild: Wonge Bergmann

In der Corona-Krise nehme die Nachfrage nach Atemschutzmasken „absurde Züge“ an, sagt Malte Uhlendorf. Inzwischen importiert der Sachsenhäuser Apotheker Masken aus China.

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          Kreativität ist gefragt, wenn von nächster Woche an alle Bürger in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln Mund und Nase bedecken müssen. Ein Tuch oder selbstgenähte Masken sollen ausreichen, weil medizinische Masken schon seit Jahresbeginn Mangelware sind. Im Januar seien Chinesen in seine Apotheke gekommen und hätten Masken aufgekauft, um sie an Verwandte und Bekannte in der Heimat zu schicken, berichtet Malte Uhlendorf, der seit zwei Jahren die Kissel-Apotheke in Sachsenhausen betreibt. „Seitdem gab es über die regulären Vertriebswege gar nichts mehr.“ Seit Mitte März steige jedoch die Nachfrage wieder an.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Corona-Pandemie sind aber nicht nur Masken gefragt. „Auch Alkohol und Desinfektionsmittel sind schwer zu bekommen“, berichtet Uhlendorf. Zu Beginn wurden zudem Vitamin-C-Präparate in großen Mengen gekauft, so dass es sie kaum noch gab. Seine Kunden verfolgten die Nachrichten sehr genau und reagierten auf die Berichterstattung, sagt der Zweiunddreißigjährige. „Sobald etwas im Gespräch ist, wird es nachgefragt.“

          So habe es regelrechte Hamsterkäufe von Paracetamol, einem Schmerzmittel und Fiebersenker, gegeben, als in den Medien berichtet worden sei, dass der Wirkstoff Ibuprofen den Verlauf einer Corona-Erkrankung verschlechtere. Und als bekanntgeworden sei, dass Chloroquin sich in der Behandlung bewähre, habe es auch hierzu Anfragen gegeben. Da das frühere Malariamittel allerdings schon vor längerer Zeit vom deutschen Markt genommen worden sei, sei die Nachfrage nach der verwandten Substanz Hydroxychloroquin, einem Rheumamedikament, gestiegen. Er habe daraufhin Vorräte für Patienten geordert, „die das wirklich brauchen“, weil er einen Lieferengpass befürchtete.

          Preis für Masken stark gestiegen

          Diesen gibt es schon lange für dicht schließende Atemschutzmasken. „FFP2-Masken sind momentan das begehrteste Gut“, berichtet Uhlendorf. Die Preise seien extrem gestiegen; das „nimmt schon absurde Züge an“. Früher habe einfacher Mund-Nasen-Schutz, wie er bei Operationen getragen werde, je 50-Stück-Packung rund 20 Euro gekostet, inzwischen liege der Preis bei 100 Euro. Die hochwertigeren Masken kosteten vor der Krise etwa vier Euro das Stück, inzwischen verlangten Zwischenhändler fast das Dreifache – wenn sie die Masken überhaupt vorrätig hätten.

          Weil es einen Lieferengpass gibt, bestellen viele Krankenhäuser und Gesundheitsämter die Masken direkt in China, mit mäßigem Erfolg. Dass jedoch eine einzelne Apotheke diesen Lieferweg nutzt, ist ungewöhnlich. Denn normalerweise beziehen Apotheken ihre Ware von Großhändlern, oder sie stellen Rezepturen selbst her. Wenn Medikamente einmal nicht lieferbar sind, fragen sie bei verschiedenen Lieferanten an, manchmal auch bei Herstellern. Doch in Zeiten von Corona ist alles anders.

          Lieferung gestaltet sich schwierig

          Wegen der Lieferschwierigkeiten wandte sich Uhlendorf an einen früheren Studienkollegen, der nach Asien ausgewandert ist. Der Freund sei im Online-Handel tätig und habe gute Kontakte nach China, berichtet Uhlendorf. Tatsächlich konnte er über ihn größere Mengen ordern. Bestellungen seien aber „nur im Tausenderbereich“ möglich. Dann sind die Preise zwar günstiger als über den hiesigen Großhandel. Allerdings trägt Uhlendorf auch das wirtschaftliche Risiko, zusätzlich zum Aufwand. Sollten die herkömmlichen Lieferketten wieder funktionieren, könnte er auf den Masken sitzenbleiben, fürchtet der Apotheker.

          Denn die Lieferungen benötigen viel Zeit. Das Nadelöhr ist dabei, so die Erfahrung Uhlendorfs, nicht der deutsche, sondern der chinesische Zoll. „Der Versand dauert mindestens eine Woche, meist aber zwei Wochen, und manchmal kommen die Lieferungen überhaupt nicht an.“ Bisher habe er etwa 2000 Masken erhalten, die er größtenteils an andere Apotheken und Arztpraxen verkauft habe. Er biete sie aber auch in seiner Apotheke an.

          Doch für Privatkunden sind die Masken bei Preisen von rund zehn Euro pro Stück recht teuer. „Eigentlich sind es ja Einmalmasken“, sagt Uhlendorf. Doch selbst die Arztpraxen würden damit zur Zeit sparsam umgehen und versuchten, sie im Backofen zu trocknen und mit UV-Licht zu sterilisieren. Den Kunden bietet Uhlendorf deshalb auch Stoffmasken an. Anfangs waren diese von Mitarbeiterinnen selbst genäht, inzwischen kauft er sie in Polen ein. „Jeder, der eine Maske braucht, bekommt bei uns eine.“

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