https://www.faz.net/-gzg-adkp6

Mehrere Sonder-Impfaktionen : Nur das bayrische Hof liegt bei der Inzidenz vor Frankfurt

Einstich: Ein Arzt impft einen Studenten an der Uni Mainz – mittlerweile ist die Altersbegrenzung bei der Aktion aufgehoben worden Bild: dpa

Für Hessen meldet das RKI deutlich mehr neue Corona-Fälle als vor einer Woche. Die Inzidenz steigt aber nur gering. Gleiches gilt für Frankfurt. Büdingen steht vor einer weiteren Impf-Sonderaktion.

          3 Min.

          Hessen hinkt beim Impfen weiter vielen anderen Bundesländern hinterher. Sowohl bei den Erstimpfungen als auch bei den Durchgeimpften liegt die Quote anhaltend unter dem Durchschnitt im Bund. Einen Auftrieb könnte der Impfkampagne eine weitere Sonderaktion geben. Am Sonntag wird in Büdingen den gesamten Tag über das Produkt von Johnson & Johnson verabreicht, das nur eine Injektion erfordert. Der Landkreis Wetterau begründet dies mit dem großen Erfolg einer solchen Aktion vor wenigen Wochen. Gleiches hatte es auch in Butzbach gegeben. Noch bis Sonntag läuft eine Impfaktion mit Johnson & Johnson in der Frankfurter Festhalle für 2600 Frankfurter. Nach Anlaufschwierigkeiten scheint das Angebot komplett angenommen worden zu sein, es stehen aktuell keine Termine mehr offen. Um die Impfungen voranzutreiben, lässt der Main-Kinzig-Kreis unter dem Titel „Dein Pflaster“ einen Impfbus fahren (siehe auch Kasten am Ende des Beitrags).

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          An der Uni Mainz ist am Vormittag laut AStA die Altersbegrenzung bei der Impfaktion aufgehoben worden, weil der Andrang deutlich nachgelassen hat. Vor zwei Tagen hatten Studierende und Lehrlinge noch Schlange gestanden für eine Impfung mit dem Produkt von BioNTech. Die Mainzer Uni-Medizin hat einen neuen Behandlungsansatz gegen Covid-19 entdeckt. Dabei geht es um ein gerinnungshemmendes Protein. Daraus könnten neue Medikamente entstehen.

          Derweil meldet das Robert Koch-Institut (RKI) deutlich mehr neue Corona-Fälle als vor einer Woche für Hessen. Die Inzidenz ist über Nacht um zwei Zehntel gestiegen und übersteigt den Wert vom vergangenen Freitag um 1,3 Prozentpunkte. Nur Bremen und Hamburg haben mehr Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist verzeichnet. Auch in Hessens größter Stadt hat die Inzidenz über Nacht leicht zugelegt und liegt wieder auf dem Niveau vom Mittwoch, vor allem aber knapp sechs Prozent höher als vor einer Woche.

          Hauptwache – Der F.A.Z. Newsletter für Rhein-Main

          Werktags um 21.00 Uhr

          ANMELDEN

          Nach Angaben des RKI haben hessische Gesundheitsämter über Nacht 101 neue positive PCR-Tests gemeldet, nach 59 vor einer Woche und 253 vor einem Monat. Offiziell haben sich bisher 291.541 Menschen in Hessen mit einer Variante des Coronavirus angesteckt. Unverändert gelten etwa 1100 Infektionen als noch aktiv. Seit dem 11. Juni ist die Hessen-Inzidenz von 21,5 auf 8,3 gefallen – vor einer Woche betrug sie indes 7,0. In den vergangenen Tagen trat der Wert mehr oder weniger auf der Stelle.

          In Frankfurt ist der Kennwert über Nacht von 20 auf 20,6 geklettert. Das ist nicht wirklich hoch, aber mehr neue Fälle unter 100.000 Einwohnern hat binnen Wochenfrist nur die Stadt Hof gemeldet. Auch im Main-Kinzig-Kreis ist der Kennwert leicht gestiegen; diese Region liegt auf Platz sechs in der Bundesstatistik. Erfreulich: Für den Vogelsberg steht nun wieder die Null.

          Drei weitere Tote im Zusammenhang mit der Pandemie gilt es zu betrauern. Insgesamt sind es offiziell 7542. Auf den Intensivstationen des Landes lagen nach Zahlen des Divi-Registers vom Freitag 64 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung, wie dpa berichtet. Von ihnen wurden 32 invasiv beatmet. Divi steht für Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. Hinzu kamen zuletzt 46 Patientinnen und Patienten mit gesicherter Covid-19 Infektion auf Normalstation, weiterhin bestehen 69 Verdachtsfälle, wie das Sozialministerium der F.A.Z. mitteilte.

          Viele wissen nichts von ihrer Infektion

          Mehr als 40 Prozent aller mit dem Coronavirus Infizierten wissen nach einer Studie der Universitätsmedizin Mainz nichts von ihrer Infektion. Die Forscher hatten Infektionen in Mainz und dem angrenzenden Kreis Mainz-Bingen analysiert. Zu zehn Personen, die wissentlich infiziert sind, müssten rund acht Personen hinzugerechnet werden, die unwissentlich infiziert sind, sagte der Koordinator der Gutenberg Covid-19-Studie, Philipp Wild, in Mainz. Männer seien (44,2 Prozent) im Vergleich zu Frauen (40,6 Prozent) häufiger unwissentlich mit Sars-CoV-2 infiziert.

          An der Studie haben von Oktober 2020 bis Ende Juni 2021 rund 10.520 Menschen im Alter von 25 bis 88 Jahren aus Mainz und dem Kreis Mainz-Bingen teilgenommen. Für diese Region seien die Ergebnisse repräsentativ.

          57 Prozent der Hessen mit erster Impfung

          Bei beiden Impfquoten liegt das zentral gelegene Bundesland weiter unter dem Durchschnitt im Bund. Nach einem Zwischenspurt hinkt Hessen im Vergleich zum Bund beim Impfen wieder etwas hinterher: 56,2 Prozent der Menschen in Hessen haben nach neuesten Daten eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Hessen liegt nun 0,9 Punkte unter dem Durchschnitt im Bund, 0,2 besser als am Donnerstag. Spitzenreiter ist Bremen mit 67 Prozent Erstgeimpften – Rheinland-Pfalz kommt auf 59.

          Bei den vollständig Geimpften hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund deutlicher hinterher. Hessen kommt auf 40,2 Prozent, das sind 1,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt, die Lücke schließt sich aber etwas. 3,58 Millionen Menschen in Hessen sind mindestens einmal geimpft, 2,52 Millionen haben bereits einen vollständigen Impfschutz, das sind gut 40 Prozent.

          Vorbereitet: Am Sonntag wird bei einer Sonderaktion in Büdingen das Produkt von Johnson & Johnson verabreicht, ebenso wie in der Frankfurter Festhalle.
          Vorbereitet: Am Sonntag wird bei einer Sonderaktion in Büdingen das Produkt von Johnson & Johnson verabreicht, ebenso wie in der Frankfurter Festhalle. : Bild: Maximilian von Lachner

          Niedergelassene Mediziner nebst Personal haben bisher mehr als 2,01 Millionen Impfungen verabreicht, wie die Kassenärztliche Vereinigung mitgeteilt hat. Seit Anfang April wird in Hessen auch in den Hausarztpraxen gegen Covid-19 geimpft, etwas später sind auch die Facharztpraxen und seit 7. Juni die Betriebsärztinnen und -ärzte hinzugekommen.

          Das Land versucht derweil, die in anderen Ländern um sich greifende Impfmüdigkeit in Hessen gar nicht erst aufkommen zu lassen. „Jetzt gilt es, nicht nachzulassen: Lassen Sie sich impfen, sobald Sie ein Impfangebot erhalten – damit wir auch für den Herbst gewappnet sind“, lautet der Appell der Landesregierung.

          Was tun, wenn der Hausarzt früher impft als das Impfzentrum?

          Das Land Hessen bittet die Bürger, fürs Impfzentrum gebuchte Termine nicht einfach verfallen zu lassen, falls sie diese nicht wahrnehmen können oder wollen. Wer etwa die Chance auf eine frühere Impfung bei Hausarzt oder Hausärztin erhält, möge zeitnah die Registrierung für den Termin im Impfzentrum löschen, heißt es im Informationsportal der Landesregierung. Eine reine Terminstornierung sei nicht ausreichend. Der Account bleibe sonst bestehen und die so registrierten Bürger bekämen automatisiert einen neuen Impftermin zugewiesen.

          Die Landesregierung verweist zugleich auf die Bedeutung der Impfungen: „Mit der Löschung Ihrer Registrierung zeigen Sie sich solidarisch, da der Termin somit anderen Bürgerinnen und Bürgern, die noch nicht geschützt sind, zur Verfügung steht.“

          Für die Löschung einer Registrierung sind die Vorgangskennung und das Passwort notwendig. Wer sich nicht über das Online-Terminvergabeportal des Landes registriert hat, kann den Termin gegebenenfalls auch im Call-Center stornieren unter 0611/505 92 888. (dpa)

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          So spannend wie lange nicht mehr: Zwischen SPD und Union ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen

          Allensbach-Umfrage : Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Union

          Kurz vor der Bundestagswahl ist das Rennen zwischen SPD und Union um Platz Eins weiter offen. In der letzten Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der F.A.Z. verkürzt sich der Abstand zwischen den beiden Parteien.
          Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, gibt am Freitag in Köln im Garten des Erzbischöflichen Hauses ein Statement ab.

          Papstentscheidung zu Woelki : Das Vertrauen ist definitiv verloren

          Man muss wohl ein unverbesserlicher Optimist sein, um zu hoffen, dass die Krise im Erzbistum Köln mit einer mehrmonatigen „geistlichen Auszeit“ Kardinal Woelkis zu lösen ist. Denn sie lässt nicht nur viele Betroffene ratlos zurück.
          Luca Morisi und Matteo Salvini 2019 in Rom

          Der Mann hinter Matteo Salvini : Der Chef der „Bestie“ geht

          Matteo Salvinis Aufstieg wäre ohne die „la bestia“ genannte Kommunikationsmaschine kaum vorstellbar gewesen. Doch nun verabschiedet sich deren Erfinder und Leiter. Den Lega-Vorsitzenden trifft das zur Unzeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.