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Infektionen nach Gottesdienst : Baptisten sangen gemeinsam ohne Mundschutz

Mehr als 100 Infizierte: Kirchenhaus der Gemeinde in Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst einer Baptisten-Gemeinde in Frankfurt haben sich mehr als 100 Menschen mit Corona infiziert. Der Vorsitzende liegt auf der Intensivstation. Nun äußerte sich der Frankfurter Verein zu dem Vorfall.

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          Nach mehrtägigem Schweigen hat sich der Frankfurter Baptisten-Verein am Montag schriftlich zu den bislang bekannten 107 Corona-Infektionen geäußert, die nach einem Gottesdienst im vereinseigenen Bethaus am 10. Mai aufgetreten waren. Auf der Homepage heißt es in einem „Informationsschreiben“, man sei „tief bestürzt und traurig, dass die Infektion Eingang in die Gemeinde gefunden hat und sich mit einer starken Dynamik verbreitete“.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für seine späte Reaktion auf den Corona-Ausbruch bittet der Verein um Verständnis. Der Vorstand sei derzeit nur „eingeschränkt reaktionsfähig“, da sich der Vereinsvorsitzende „im kritischen Zustand auf der Intensivstation befindet und der Stellvertreter ebenfalls erkrankt ist“.

          Der Verein mit überwiegend deutsch-russischen Mitgliedern hat zwar sein Zentrum im Frankfurter Stadtteil Rödelheim, allerdings stammen viele Mitglieder nicht aus der Mainmetropole, sondern aus dem umliegenden Rhein-Main-Gebiet. Deshalb gibt es zahlreiche Corona-Infizierte etwa auch in Hanau und im Wetteraukreis. Schon am Sonntag hatten die hessischen Gesundheitsbehörden darauf hingewiesen, dass sich viele Personen nicht direkt in dem Gottesdienst, sondern zuhause infiziert hätten.

          Weiter gibt der Verein an, „dass bei der Versammlung separate und kontrollierte Ein- und Ausgänge genutzt wurden, entsprechende Hinweisschilder angebracht waren, ausreichende Desinfektionsmittel zur Verfügung standen und der Abstand von 1,50 Meter eingehalten wurde“. Auf solche Hygiene- und Abstandsregeln haben sich die beiden großen christlichen Kirchen mit den Behörden und der Politik verständigt. Auf ihrer Grundlage sind seit Mai in Hessen öffentliche Gottesdienste wieder erlaubt.

          Kein Mund-Nasen-Schutz während Gottesdienst

          Während der Versammlung am 10. Mai ist entgegen den Anordnungen gemeinsam gesungen worden. Davon raten Fachleute ab, um die Ansteckungsgefahr durch Tröpfchenübertragung nicht zu erhöhen. Im Nachhinein betrachtet „wäre es für uns angebracht“ gewesen, „auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten“, heißt es in dem Schreiben des Vereins. Auch sei während des Gottesdiensts kein Mund-Nasen-Schutz getragen worden. Das jedoch wird zumindest für den Weg zum Platz und vom Platz fort dringend empfohlen.

          Keine Angaben macht der Verein in dem Schreiben zu seiner Mitgliederzahl, der Größe des Versammlungsraums und zur Zahl der am 10. Mai anwesenden Personen. Im Frankfurter Kaiserdom etwa dürfen wegen der strengen Abstandsregeln nur 70 Personen an einem Gottesdienst teilnehmen.

          Bei den 107 Infizierten, 49 davon alle in Frankfurt, wird es nach Angaben des Vereins nicht bleiben. Da es in der Gemeinde „viele Familien mit fünf und mehr Kindern“ gebe, nehme die Zahl der Ansteckungen zu Hause weiter zu. Die Betroffenen seien in häuslicher Quarantäne, man stehe im Austausch mit den Gesundheitsbehörden. Ein Trost sei es, dass viele Erkrankte auf dem Weg der Besserung oder schon wieder gesund seien.

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