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Eine Klasse, vier Fälle : Corona an Frankfurter Schulen

Ansteckungsgefahr: Vor allem an Berufsschulen gibt es vermehrt Fälle. (Symbolbild) Bild: dpa

Bei älteren Schülern, vor allem an Berufsschulen, gibt es mehr Corona-Infektionen als bei jüngeren. An einem Frankfurter Gymnasium sind die Fälle nicht eindeutig auf den Unterricht zurück zu führen.

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          Vier Klassenkameradinnen haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Ob sich die Zehntklässlerinnen eines Frankfurter Gymnasiums in der Schule angesteckt haben, in der Freizeit oder gar nicht beieinander, weiß die Schulleitung nicht. In einem Elternbrief heißt es dazu bloß: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Infektionen gibt, ist nicht von der Hand zu weisen.“

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Gesundheitsamt schickt grundsätzlich keine ganzen Klassen in Quarantäne. Seit den Sommerferien konnte es die Behörde außerdem vermeiden, Schulen zu schließen, wie das im Frühsommer ein paarmal geschehen war. Auch sind derzeit keine kompletten Kitas wegen Corona geschlossen. Stattdessen ordnet das Amt an, dass einzelne Schüler nicht zum Unterricht kommen, die engeren Kontakt mit Erkrankten hatten. Wie es aus dem Gesundheitsamt heißt, erhöht sich durch die Maskenpflicht im Unterricht „der Anteil der Vorgänge, bei denen aufgrund des geringen Infektionsrisikos keine Quarantänemaßnahmen ergriffen werden müssen“.

          An dem Gymnasium mit den vier infizierten Mädchen dürfen alle Mitschüler weiter in die Schule gehen, die Maske getragen haben. Die Schulleitung sieht das kritisch. Im Sportunterricht hätten die Schüler keine Masken auf, genauso wenig in Pausen, die gerade Ältere auch außerhalb des Schulgeländes verbringen. Von den Nachmittagen ganz zu schweigen. Zudem trügen immer wieder Schüler ihren Mundschutz nur unterhalb der Nase. Deshalb empfiehlt die Schule allen Schülern „aus dem Umfeld infizierter Personen“ dringend, „für zwei Wochen dem Präsenzunterricht fernzubleiben“. Mit Unterrichtsmaterial würden sie versorgt.

          Mehr Fälle bei älteren Schülern

          Wenn sich Infektionen in Lerngruppen häufen, dann meist in Berufsfachschulen und höheren Jahrgängen weiterführender Schulen. Die Jugendlichen haben mehr Kontakte mit Mitschülern und treffen sich auch privat öfter als Jüngere: Sie gehören zu den Gruppen mit dem „aktivsten Sozialverhalten“ und der „höchsten Infektionsrate“, wie es beim Gesundheitsamt heißt. Vom 1. Oktober bis zum 2. November wurden 197 Personen zwischen 16 und 18 Jahren positiv getestet. Nicht alle davon sind allerdings noch Schüler.

          Zur Zeit bearbeiten die Mitarbeiter am Tag etwa hundert Meldungen zu Infektionen und Verdachtsfällen in Schulen und Kitas. Im Oktober und bis zum 2. November gab es 672 positive Tests bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre, davon 464 in den vergangenen zwei Wochen. Gut die Hälfte der Infizierten war schulpflichtig: 361 Kinder zwischen fünf und 15 Jahren hatten positive Testergebnisse.

          Trotz der steigenden Zahlen auch unter Schülern schätzt das Amt das Infektionsrisiko in den Schulen weiterhin als nicht hoch ein – „mit Ausnahme der Berufsfachschulen“, wie es ausdrücklich heißt. Der Anteil positiver Tests bei Abstrichen in Schulen und Kitas sei weiter „sehr gering“. In Kitas gehen Infektionen meist von Erwachsenen aus. Das Amt kann nicht anordnen, dass das Personal Maske trägt, empfiehlt das aber dringend.

          Verschärfte Regeln an Schulen

          Damit die Schulen offen bleiben können, gelten in Hessen spätestens von nächster Woche an abermals verschärfte Regeln. Nach den Vorgaben des Kultusministeriums müssen Schulen bis zum 9. November einheitliche Lerngruppen in den Stufen eins bis sechs schaffen. Das betrifft vor allem Fremdsprachen, Religion und Ethik. AGs fallen weg, in der Nachmittagsbetreuung dürfen die Kinder nur Klassenkameraden nahe kommen.

          Unterdessen sitzen laut einer Abfrage der Stadt 36 Frankfurter Schüler zu Hause, weil sie zur Risikogruppe gehören oder mit jemandem aus der Risikogruppe zusammenleben. Von diesen Schülern hat ungefähr ein Drittel kein Internet, kann also weder in der Schule noch digital am Unterricht teilnehmen. Außerdem meldeten die Schulen 110 weitere Fälle von Schülern ohne Internet, die nicht zur Schule gehen, etwa weil sie in Quarantäne sind oder weil ihre Schule zeitweise auf Unterricht in einem Schichtsystem umgestellt hat. Damit sind insgesamt etwa 120 Frankfurter Schüler wegen Corona zu Hause und haben dort keinen Internetzugang.

          Einige Schulen haben dem mit der Abfrage beauftragten Medienzentrum angekündigt, in den nächsten Tagen noch weitere Fälle zu melden. Das Frankfurter Bildungsdezernat plant, die betroffenen Schüler mit mobilen Internet-Sticks und Geräten zu versorgen.

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