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Corona-Pandemie in Hessen : Offenbach erreicht dritte Warnstufe

Maskenmann: Offenbachs Rathauschef Schwenke hat wieder ein Covid-Problem wie nach den Sommerferien, als diese Aufnahme entstand Bild: dpa

Nach einem weiteren Anstieg der Zahl der Corona-Neuinfektionen hat Offenbach die dritte Warnstufe erreicht und muss weitere Schritte unternehmen. In Frankfurt entspannt sich die Lage etwas. Groß-Gerau reglementiert derweil private Feiern.

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          In Hessen liegen in diesen Tagen etwas weniger Covid-19-Patienten in Kliniken als vor Wochenfrist. Umgekehrt müssen mehr Patienten auf Intensivstationen betreut und beatmet werden. Dies ergibt sich aus Daten, die das Sozialministerium der F.A.Z. mitgeteilt hat. Demnach behandeln hessische Krankenhäuser 250 Corona-Kranke, das sind acht weniger als zuletzt. 50 von ihnen liegen in Beatmungsbetten, fünf mehr als vor einer Woche.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          676 Krankenhausbetten, in denen Patienten beatmet werden können, sind nach Angaben des Ministeriums frei. Vor einer Woche waren es aber noch 725. Alles in allem stehen in Hessen grundsätzlich 2390 Betten dieser Art zur Verfügung. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hält die vergleichsweise geringe Zahl an Patienten in Kliniken für eine Momentaufnahme angesichts des regen Infektionsgeschehens.

          Derweil haben die hessischen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut 157 bestätigte neue Covid-19-Fälle gemeldet. Das sind 13 mehr als am Vortag, sie bestätigen die Serie dreistelliger Neuinfektionen der vergangenen Wochen. Zum Vergleich: Im Juni gab es teilweise gut zehn Landkreise ohne neuen Fall binnen Wochenfrist und Tage ohne weiteren bestätigten Infizierten.

          Kreis Groß-Gerau verschärft Vorgaben

          Für Frankfurt stehen 19 Neuinfektionen zu Buche. Die Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen einer Woche verzeichneten Fälle unter 100.000 Einwohnern, stagniert. Das kurz RKI genannte Bundesinstitut weist für die Mainmetropole eine 29,5 aus nach 29,6 am Vortag aus. Der benachbarte Landkreis Offenbach kommt auf 26 nach 24,2. Die Stadt Offenbach hat abermals die dritte Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes erreicht (siehe Grafik). Dies erfordert weitere Schritte zur Eindämmung der Pandemie und die Aufnahme der Stadt in den Planungsstab des Landes.

          Zwar sinkt im Landkreis Groß-Gerau die Inzidenz und liegt aktuell knapp unter der dritten Stufe. Dennoch hat dieser Kreis angesichts der Anstiegs an den Tagen zuvor die Corona-Regeln verschärft. So sind seit diesem Mittwoch nicht mehr als 25 Gäste bei privaten Zusammenkünften und Feiern in angemieteten wie auch privaten Räumen erlaubt, wie die Kreisverwaltung mitteilte.

          Demgegenüber ist Darmstadt wieder unter die zweite Stufe gerutscht mit einer Inzidenz von 18,2 nach 23,8. In der Landeshauptstadt Wiesbaden stagniert der Wert bei 19. Die niedrigste Inzidenz in Hessen weist der Kreis Waldeck-Frankenberg (2,5) auf. Die Wetterau kommt auf 10,8. Auch der Hochtaunus und der Main-Taunus liegen unter der Marke 20.

          Die 157 Neuinfektionen in Hessen entsprechen 8,7 Prozent der zum Mittwoch im Bund gemeldeten neuen Fälle. Das ist etwas mehr, als der hessische Bevölkerungsanteil erwarten ließe; dieser liegt bei acht Prozent. Zuletzt lag Hessen oft unter dieser Marke.

          Neuer Bestwert bei Genesenen

          Zweierlei Erfreuliches ergibt sich derweil aus den Daten des Robert-Koch-Instituts: Über Nacht ist offiziell kein weiterer Todesfall in Zusammenhang mit der Pandemie hinzugekommen. Es bleibt demnach bei 551 Corona-Opfern. Demgegenüber steigt die Zahl der Genesenen weiter in Hunderter-Schritten. Das kurz RKI genannte Bundesinstitut zur Seuchenbekämpfung geht von rund 16.800 Personen aus, die ihre Covid-19-Infektion überwunden haben. Rechnerisch kommen 30,5 Genesene auf einen Todesfall. Dies ist wiederum ein neuer Bestwert seit Anschwellen der Pandemie.

          Alles in allem nähert sich Hessen bei den Infektionen der Marke 19.000. Bisher sind 18.945 Infizierte seit März aktenkundig. Abzüglich der Genesenen und Toten verbleiben fast 1600 aktive Fälle, in denen die Infektion nicht ausgestanden ist. Das heißt auch: 15 Prozent der Infizierten liegen in einer Klinik; die Quote ist zuletzt leicht gesunken aufgrund der deutlichen Zunahme der neuen Fälle. So mancher Infizierte zeigt dabei keine Symptome. Das macht es für das Umfeld allerdings auch besonders riskant und erklärt mit die Aufrufe von Politikern und Virologen zur fortgesetzten Vorsicht und zum Tragen der Alltagsmaske.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

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          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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