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Richtwerte klettern weiter : Nun auch ein hessischer Landkreis mit Inzidenz über 500

Stichhaltig: Knapp 52 Prozent der Jugendlichen von zwölf bis 17 Jahren in Hessen sind mindestens einmal gegen Corona geimpft – so wie sie auf dem Foto. Vor zwei Monaten waren es gut 40 Prozent Bild: Frank Röth

Anders als auf den hessischen Corona-Intensivstationen entspannt sich die Lage auf den Normalstationen etwas. Abermals ist aber eine zweistellige Zahl von Toten im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen.

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          Die Menschen in Hessen müssen sich noch an die neuen Corona-Regeln gewöhnen, sie sind seit Donnerstag in Kraft. Derweil sorgen Nachrichten zu einer neuen Virusvariante aus Südafrika für neue Unsicherheit. Die Lufthansa will aber vorerst weiter wie geplant ans Kap fliegen. Die neuen Vorhaben der Landesregierung für das Alltagsleben umfassen etwa die 2-G-Pflicht in der Gastronomie, 2-Gplus in Bars und Clubs und mehr Tests für Kinder und Jugendliche in den Schulen. Die Gastronomie drücken „unnötige Diskussionen“ mit Gästen über die politischen Vorgaben zum Schutz vor dem Coronavirus, wie es beim Fachverband heißt.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Derweil steigen die einschlägigen Richtwerte. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz bewegt sich auf sehr hohem Niveau. Sie spiegelt die Zahl der binnen Wochenfrist in Kliniken aufgenommenen Covid-Patienten. Es liegen so viele Corona-Kranke in Intensivbetten wie noch nie in diesen Wochen. Auf den Normalstationen hat die Lage ein wenig entspannt. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz klettert weiter. Ein hessischer Landkreis hat sogar die Inzidenz von 500 übersprungen, während die Impfquote nach wie vor kaum vorankommt. Angesichts dessen wirbt Frankfurt um Impflinge. Im Impfzentrum Messehalle 1.2 sei kein Termin nötig. An diesem Samstag und am Sonntag öffne das Impfzentrum von 7 bis 21 Uhr.

          110 Intensiv-Patienten mehr als Ende Oktober

          Laut Sozialministerium lagen zuletzt 275 Covid-Patienten auf Intensivstationen nach 273 am Vortag und 167 vor vier Wochen. Örtlich sind dessen ungeachtet Kapazitätsgrenzen seit geraumer Zeit erreicht, so am Uni-Klinikum in Gießen. Und das betrifft dort nicht nur Intensivbetten für Covid-Patienten, für die der Schwellenwert 200 beträgt. 818 Betten auf hessischen Normalstationen sind mit Personen belegt, die sich mit dem Coronavirus nachweislich infiziert haben oder bei denen dieser Verdacht besteht, 17 weniger als am Vortag. Vor vier Wochen war von 421 mit Covid-Patienten belegten Normalbetten die Rede. Die Akutversorgung sei nicht mehr sichergestellt, hieß es aus dem Uni-Klinikum Frankfurt jüngst.

          Am Donnerstag gab es laut Sozialministerium 183 freie Intensivbetten, von denen entsprechend der Prognose und nach den Vorgaben des Planungsstabs stationär 53 Intensivbetten für Covid-19 Patientinnen und Patienten mindestens vorgehalten werden müssten. Neuere Zahlen sind nicht öffentlich.

          Hospitalisierungsinzidenz steigt

          Dass das Sozialministerium bei der Bettenbelegung regelmäßig auf Vortagsdaten zurückgreift, hat einen einfachen Grund: Die jeweils neuen Zahlen erhält es erst nach Veröffentlichung seines Updates. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin Divi spricht von 259 Corona-Kranken in Intensivbetten, davon 118 invasiv beatmet. Allerdings meldet die Divi regelmäßig niedrigere Daten als das Land zu diesem Richtwert; begründet wird das mit unterschiedlicher Zählweise. Der zweite Richtwert, die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz, beträgt laut Ministerium 4,6 und stagniert.

          „Pandemie der Ungeimpften“

          55,7 Prozent der auf hessischen Intensivstationen behandelten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 sind nur teilweise oder gar nicht geimpft und bestätigen die Redewendung „Pandemie der Ungeimpften“. 37,7 Prozent sind vollständig geimpft. Dieser Wert steigt tendenziell. Das hat zunehmend mit einer nachlassenden Wirkung des Impfstoffs nach einigen Monaten zu tun und in vielen Fällen auch mit dem Umstand, dass Personen wegen anderer Erkrankungen keinen ausreichenden Immunschutz ausbilden konnten oder weil ihr Immunsystem medikamentös gedämpft ist. Bei 6,6 Prozent ist der Impfstatus unbekannt. Ein vergleichsweise hoher Wert angesichts der Zahlen der Vorwochen

          Die Impfquote läuft nach wie vor kaum merklich aufwärts. 67,3 Prozent der hessischen Bevölkerung sind durchgeimpft, bei den Personen über zwölf Jahren sind es 75,9 Prozent, zwei Zehntel Prozentpunkte mehr als am Vortag wie das Land meldet. 85 bis 90 Prozent halten Fachleute für notwendig, um die vierte Welle zu brechen.

          Die Corona-Auffrischungsimpfungen in den hessischen Alten- und Pflegeheimen kommen voran. In 745 von 784 Häusern im Land seien bereits Auffrischimpfungen durchgeführt worden, teilte Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) laut dpa am Freitag in Wiesbaden mit. In 661 Einrichtungen hätten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Booster-Impfung erhalten. Eine Befragung habe zudem ergeben, dass 82 Prozent der Mitarbeiter vollständig geimpft seien.

          3238 neue Corona-Fälle

          Wie das Ministerium weiter meldet, haben hessische Gesundheitsämter über Nacht 3238 Neuinfektionen nach positiven PCR-Tests verzeichnet nach 2549 vor einer Woche und 1415 vor vier Wochen. 14 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 sind hinzu gekommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf gut 268 nach 112 vor vier Wochen; im Bund beträgt sie 438. Die meisten binnen Wochenfrist registrierten Fälle unter 100.000 Einwohnern hat der Odenwald mit 503 nach 408 am Vortag vor der Bergstraße mit 384 und Frankfurt mit 368.

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