https://www.faz.net/-gzg-9xyh4

Corona-Krise in Hessen : Warum das Kontaktverbot für Obdachlose ein Problem ist

  • Aktualisiert am

Ein Mann sitzt mit seinem Hund auf der Frankfurter Zeil und wartet auf Gaben von Passanten. Bild: dpa

Das Kontaktverbot wegen der Corona-Krise stellt Menschen ohne Wohnung vor große Probleme. Unterdessen denkt Hessens Tourismusbranche an die Zeit nach der Krise. Und Hessens Finanzminister fordert Änderungen für Kredite.

          2 Min.

          Abstand halten, Kontakte meiden und in den eigenen vier Wänden bleiben: Menschen ohne festen Wohnsitz fällt die Einhaltung solcher Regeln schwer. Sie sind derzeit besonders hart von manchen Auswirkungen der veränderten Lebensweisen durch die Corona-Krise getroffen. „Vor allem Menschen aus Osteuropa und andere, die auf Betteln und das Sammeln von Pfandflaschen für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind, haben jetzt erhebliche Probleme“, sagte Stefan Gillich, Referent für Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie Hessen. „Denen bricht gerade die Lebensgrundlage weg.“ Denn viele dieser Menschen hätten in Deutschland keinen Anspruch auf Grundsicherung.

          Trotz der Ausbreitung des Virus übernachten etwa in Frankfurt nach wie vor Menschen unter freiem Himmel, oft auch aus Sicherheitsgründen in kleinen Gruppen. Nach Angaben einer Sprecherin des Sozialdezernats übernachteten mehr als 100 Menschen in der B-Ebene am Eschenheimer Tor, wo die Schlafmatten im zwei-Meter-Abstand ausgebreitet worden seien, um die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten. Etwa 70 Menschen übernachteten unter freiem Himmel, in den Notunterkünften hätten fast 50 Menschen übernachtet.

          Tourismus plant für Zeit nach Corona

          Auch die Tourismusbranche hat durch die Krise Probleme – wenn auch nicht so existenziell. Allerdings plant man hier schon für die Zeit danach: Pläne für den einheitlichen Internetauftritt und eine bessere digitale Vernetzung der hessischen Tourismusbranche liefen trotz der Corona-Krise auf Hochtouren. „Wir liegen noch im Zeitplan“, sagte der Geschäftsführer der Hessen Agentur, Folke Mühlhölzer in Wiesbaden. Treffen vor Ort in den einzelnen Regionen seien aktuell wegen einer Gesundheitsgefährdung natürlich nicht möglich. Für die strategische Planung gebe es aber zahlreiche Videokonferenzen in großer Besetzung. Eine Verschiebung des für Anfang 2021 geplanten Starts sei derzeit nicht vorgesehen.

          Hessen soll als Reiseland vom nächsten Jahr an einheitlich als touristisches Ziel vermarktet werden. Dafür wird eine Markenfamilie mit den touristischen Akteuren entwickelt. Auf der Plattform www.hessen-tourismus.de sollen dann die Aktivitäten im Land gebündelt und präsentiert werden. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte die Pläne Anfang des Jahres vorgestellt.

          Wegen der Corona-Krise fordert Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) Nachbesserungen der EU bei den Regeln für staatliche Kreditgarantien. „Die verfügbaren Darlehen für den Mittelstand kommen in der Breite nur dann an, wenn der Staat 100 Prozent garantiert“, sagte er am Samstag in Wiesbaden. Doch das sei bisher wegen des Beihilferechts nicht möglich. Die EU-Kommission verlange in ihren vor wenigen Tagen verabschiedeten Regeln zehn Prozent als Mindestanteil der Bank beim Ausfall. Das behindere die Gewährung von Krediten für Unternehmen, die durch die Krise Probleme haben.

          „Egal, ob Sie sich die Programme auf Bundes- oder auf Landesebene ansehen – keine Garantie übersteigt 90 Prozent des Darlehens“, erklärte der Minister. Mindestens zehn Prozent müsse die Bank bei einem Ausfall selbst tragen. „Banken tun sich gegenwärtig jedoch schwer, Kredite – und sei es nur mit einem Ausfall von 10 Prozent des Darlehens – zu vergeben.“ Jeder Kredit, bei dem ein Ausfall drohe, binde massiv das Eigenkapital der Banken, das für andere Kredite dann nicht mehr zur Verfügung stehe. Aber gerade jetzt sei es für Teile der Wirtschaft überlebenswichtig, dass die Kredite an die vielen kleinen Unternehmen und Mittelständler ausgegeben würden.

          Weitere Themen

          Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Topmeldungen

          Ein österreichischer Polizist weist einem deutschen Reisenden im März am Brenner den Weg

          Streit am Brenner : Italien will deutsche Urlauber

          Italienische Oppositionsparteien fordern von Österreich die Öffnung der Grenze am Brenner. Für die Kurz-Regierung ist Italien immer noch ein Hotspot der Pandemie. In Rom mutmaßt die Regierung, Österreich wolle Italien deutsche Urlauber wegnehmen.
          Außenminister Heiko Maas

          Hongkong : Europas klare Worte an China

          Im Streit um Chinas Einfluss auf Hongkong will die EU nicht von Sanktionen sprechen. Die Außenminister setzen auf Diplomatie. Reinhard Bütikofer will Huaweis Beteiligung am 5G-Ausbau an Chinas Verhalten knüpfen.

          Tod von George Floyd : Im Kriegsgebiet von Minneapolis

          Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd eskaliert in Minneapolis die Lage. Der Bürgermeister ist um Deeskalation bemüht, der Gouverneur mobilisiert die Nationalgarde. Die Stadt gleicht einem Schlachtfeld.
          Was halten Kinder aus? In den Schulen müssen nun auch die Kleinsten Schutzmasken tragen, wie hier in einer Grundschule in Prag.

          Zur Lage der Schulen : Die Lehrer sind nicht an allem Schuld

          Erst langsam öffnen die Schulen wieder ihre Pforten. Von einem Regelbetrieb sind die meisten noch weit entfernt. Viele Eltern entdecken schon jetzt einen bewährten Sündenbock. Aber wie geht es den Kindern?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.