https://www.faz.net/-gzg-acz4j

Neue hessische Corona-Regeln : Maskenpflicht bleibt in Bus und Bahn sowie Geschäften

Auslaufmodell: In Hessen entfällt die Maskenpflicht im Unterricht. Bild: dpa

Hessen lockert die Corona-Regeln deutlich. An Schulen fällt die Maskenpflicht im Unterricht weg, auch in Fußgängerzonen. Mehrere Corona-Testcenter bleiben samstags fortan mangels Nachfrage zu.

          3 Min.

          Mitte Mai hat das hessische Corona-Kabinett seinen Stufenplan beschlossen. Dieser Plan regelt, was bei welcher Inzidenz erlaubt ist. Liegt die zentrale Corona-Kennziffer nach dem Rutsch in die erste Stufe weitere 14 Tage unter 100 binnen Wochenfrist verzeichneten Neuinfektionen oder fünf Tage unter 50, gilt die Stufe zwei. Dies ist mittlerweile überall in Hessen der Fall. Nur noch ein Kreis hält sich hartnäckig um die Marke 30. Aber 20 der 26 Regionen einschließlich der Großstädte weisen nun einstellige Werte auf. Im Vogelsberg steht sogar weiter die Null. Insofern mutet es fast wie eine Punktlandung an, wenn der bisherige Stufenplan am Sonntag ausläuft.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun stellt sich aber die Frage: Was folgt danach? Die Antwort des Corona-Kabinetts: Hessen lockert die Corona-Regeln deutlich. An den Schulen werde die Maskenpflicht im Unterricht entfallen, kündigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag in Wiesbaden laut dpa an. Schülerinnen und Schüler müssten nur noch im Gebäude, in den Gängen und bis zum Platz eine Schutzmaske tragen. Hessenweit bleibt die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften erhalten – aber in den Fußgängerzonen wird sie aufgehoben, wie Bouffier erklärte. Außerdem dürften Bordelle wieder öffnen, kündigte Sozialminister Kai Klose (Grüne) an. Allerdings gelten Testpflicht, Hygienevorgaben und Kontaktdatenerfassung. Die neue Verordnung der Landesregierung ist ab diesem Freitag (25. Juni) in Kraft und hat zunächst eine Gültigkeit für vier Wochen.

          Weniger Interesse an Tests

          Wegen der sinkenden Zahl der Anmeldungen wird die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) die Öffnungszeiten ihrer Corona-Testcenter ändern. Bereits von dieser Woche an würden die Einrichtungen in Kassel, Darmstadt, Gießen und Wiesbaden samstags geschlossen bleiben, teilte die KVH in Frankfurt am Dienstag laut dpa mit. In Fulda und Frankfurt öffnen die Testcenter zum letzten Mal samstags am 10. Juli. Zudem wird das Testcenter in Herbstein zum 1. August geschlossen. Die Zahl der testwilligen Bürger ist laut Mitteilung seit Wochen stark rückläufig.

          Die neuen Nachrichten zum Infektionsgeschehen fallen derweil gemischt aus. Die Gesundheitsämter haben zwar weniger neue Fälle als vor einer Woche gemeldet, und die Landesinzidenz ist erstmals seit vielen Monaten wieder einstellig. Aber in zehn Bundesländern ist diese Kennziffer niedriger – und es gibt deutlich mehr Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie. Hinzu kommen noch fast 3000 nicht ausgestandene Infektionen.

          Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet 41 neue positive PCR-Tests nach 48 vor einer Woche und 89 vor einem Monat. Die Zahl Ende Mai war vom Pfingstwochenende und dem Meldeverzug seitens Testlaboren beeinflusst, also auffallend niedrig. Zu bedenken ist zudem allgemein: Wegen Meldeverzugs aus Testlaboren und Gesundheitsämtern kommt es zu Beginn einer Woche stets zu einer „Delle“. 290.249 Menschen in Hessen haben sich seit Beginn der Pandemie mit Covid-19 angesteckt. Rund 2900 Fälle gelten laut RKI als noch aktiv, das sind 200 weniger als am Montag. Die Zahl der Todesfälle ist um 20 auf 7490 gestiegen. Vor einer Woche hatte das Institut sechs Tote in Verbindung mit Covid-19 verzeichnet und drei vor einem Monat.

          Der Landkreis Groß-Gerau ist die Region mit der vierthöchsten Inzidenz in Deutschland; der Wert beträgt 30. Tabellenführer in Hessen ist der Vogelsberg, eine sehr niedrige Inzidenz hat unter anderem auch der Schwalm-Eder-Kreis mit unter zwei.

          50,6 Prozent der Hessen mit erster Impfung

          Nach einem Zwischenspurt verliert Hessen im Vergleich zum Bund beim Impfen wieder an Boden: 50,3 Prozent der Menschen in Hessen haben bisher eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Hessen liegt nun 0,6 Punkte unter dem Durchschnitt im Bund. Spitzenreiter ist Bremen mit 57,9 – Rheinland-Pfalz kommt auf 51,4. Bei den vollständig Geimpften hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund deutlicher hinterher. Hessen kommt auf 29,6 Prozent, das sind 2,0 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Die Lücke schließt sich also etwas. Gut 3,18 Millionen Menschen in Hessen sind mindestens einmal geimpft. 1,864 Millionen sind durchgeimpft.

          Niedergelassene Mediziner nebst Personal haben bisher mehr als 1,4 Millionen Impfungen verabreicht, wie das Sozialministerium mitgeteilt hat. Seit Anfang April wird in Hessen auch in den Hausarztpraxen gegen Covid-19 geimpft, etwas später sind auch die Facharztpraxen und seit 7. Juni die Betriebsärztinnen und -ärzte hinzugekommen. „Jetzt gilt es, nicht nachzulassen: Lassen Sie sich impfen, sobald Sie ein Impfangebot erhalten – damit wir auch für den Herbst gewappnet sind“, lautet der Appell.

          Frankfurt setzt weiter auf niedrigschwellige Impfangebote in Stadtteilen. Ein mobiles Team impft zwei Tage am Ben-Gurion-Ring und mithin erstmals in einer Großsiedlung. Gesundheitsamt und Quartiersmanagement haben die Aktion mit 176 Terminen organisiert. „Der Einsatz der mobilen Impfteams ist für den Impferfolg in Frankfurt unerlässlich“, wird Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) zitiert. Diese niedrigschwelligen Impfaktionen des Gesundheitsamtes seien eine perfekte Ergänzung zum Impfangebot durch die niedergelassenen Mediziner. In der Festhalle habe es bisher 318.000 Impfungen gegeben, darunter 107.000 Zweitimpfungen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der BGH urteilt: Die in den milliardenschweren Cum-Ex-Steuerskandal verwickelten Börsenhändler haben sich strafbar gemacht.

          Urteil mit Signalwirkung : BGH bestätigt Strafbarkeit im Cum-Ex-Skandal

          Mit Hilfe von Cum-Ex-Geschäften sollen Aktienhändler über Jahre hinweg dem Staat das Geld aus der Tasche gezogen haben. Der Bundesgerichtshof hat nun erstmals klargestellt, dass das strafbar war. Das Urteil hat Signalwirkung.
          Die westliche Wissenschaft  wird von der kritischen Rassentheorie unter Generalverdacht gestellt.

          Kritische Rassentheorie : Feindliche Umarmung der Wissenschaft

          Ohne Aussicht auf rationale Verständigung: Die Biomedizin und andere Naturwissenschaften geraten in den Strudel identitärer Ideologien, die ihre Erkenntnisgrundlage aushöhlen und sie mit Pauschalvorwürfen überziehen. Ein Gastbeitrag.
          Schüler treten zu einer der wichtigsten nationalen Prüfungen im Schulsystem der Volksrepublik China an: das Gao Kao

          Nach Bildungsreform : Pekings Politik belastet Chinas Finanzmarkt

          Die jüngsten harten Regulierungsmaßnahmen in China gegen private Bildungsanbieter haben Anleger kalt erwischt und verunsichert. Gerüchte haben Konjunktur. Andere Beobachter raten zu Besonnenheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.