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Pandemie in Hessen : Inzidenzen niedriger – Patientenzahlen höher

Grün ist die Hoffnung: Der Main-Taunus-Kreis, hier das Rathaus der Kreisstadt Hofheim, hat die niedrigste Inzidenz in Hessen. Bild: Stadt Hofheim

Bei den Neuinfektionen zeigt der Trend in Hessen nach unten. Gleiches gilt für Inzidenz und Hospitalisierungsrate. Nur betreuen die Kliniken mehr Corona-Patienten. Und die Impfquote lahmt weiter.

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          Deutlich weniger neue Corona-Fälle als vor einer Woche: Bei den Neuinfektionen erscheint der kurzfristige Trend ermutigend. Gleiches gilt mit Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz in Hessen im Wochenvergleich: Beide Werte lassen auf ein sich beruhigendes Infektionsgeschehen hoffen. Zudem sinkt die Hospitalisierungsrate, die die binnen Wochenfrist von Kliniken neu aufgenommenen Covid-Patienten unter 100.000 spiegelt. Das alles passt zu dem Vorhaben der hessischen Landesregierung, die Corona-Vorgaben wie schon angekündigt zu lockern. Bis zum 19. März sollen die Einschränkungen weitgehend aufgehoben werden. Grund sei die „allgemeine Erwartung“, dass die Omikronwelle ihren Höhepunkt erreicht hat und zurückgeht. Entsprechend hatte sich zuletzt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geäußert. Zunächst sollen die Kontaktbeschränkungen für Genesene und Geimpfte wegfallen.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings ist mit Blick auf die neu gemeldeten positiven PCR-Tests zu bedenken: Zu Wochenbeginn macht sich stets Meldeverzug seitens der Labore und Gesundheitsämter bemerkbar. Im Laufe der Woche erhöhen sich deshalb die Zahlen in der Regel. Außerdem betreuen die Kliniken mehr Covid-Patienten auf Normalstationen als vor sieben Tagen, wobei der Unterschied nicht groß ist. Und auch auf den Intensivstationen behandeln die Mediziner und Pflegekräfte nun wieder mehr Corona-Kranke. Angesichts dessen hat die Gießener Infektiologin Susanne Herold im F.A.Z.-Interview vor Leichtfertigkeit gewarnt. „Man muss mit Augenmaß lockern und die jeweilige lokale Situation dabei berücksichtigen“, sagt sie.

          Die gestiegene Patientenzahl ist eine Folge der über Wochen nach oben gekletterten Sieben-Tage-Inzidenz, die die binnen Wochenfrist neu verzeichneten positiven PCR-Tests unter 100.000 Einwohnern spiegelt. Seit Beginn der Pandemie zieht eine steigende Inzidenz mehr Covid-Patienten in Kliniken nach sich. Das ist auch in der von der Omikron-Variante geprägten derzeitigen Welle so.

          Main-Taunus mit niedrigster Inzidenz

          Wie das Sozialministerium unter Verweis auf das Robert-Koch-Institut mitteilt, haben hessische Gesundheitsämter über Nacht 3855 neue Fälle gemeldet nach 4558 vor sieben Tagen. Keinen weiteren Toten im Zusammenhang mit Covid-19 gilt es zu beklagen, vor sieben Tagen hatten die Behörden fünf Todesfälle berichtet. Die Hessen-Inzidenz beträgt nun 1195,5 nach 1539 vor Wochenfrist. Der Durchschnitt im Bund liegt bei 1347.

          Die höchste Inzidenz in Hessen weist die Stadt Kassel auf mit 2151, gefolgt vom Kreis Kassel mit 1833. Den niedrigsten Wert hat der Main-Taunus-Kreis lautet Statistik. Er beträgt gut 771. Acht der 26 Landkreise und Großstädte kommen auf eine dreistellige Inzidenz, darunter sind Darmstadt und Frankfurt; alle anderen weisen weiter eine vierstellige auf.

          Die Hospitalisierungsrate liegt bei 6,4 nach 6,7 vor einer Woche. Sie steht für die binnen sieben Tagen von Krankenhäusern aufgenommenen Covid-Patienten unter 100.000 Einwohnern. Darunter sind auch solche Personen, die wegen einer anderen Krankheit vorstellig wurden, aber dann positiv getestet worden sind und isoliert werden müssen.

          Die Corona-Normalstationen betreuen 1283 Patienten nach 1276 vor sieben Tagen. Die Intensivstationen melden 232, sechs mehr als vor Wochenfrist. Unter den Patienten sind, wie früher schon öfter berichtet, auch Personen, die wegen einer anderen Krankheit im Krankenhaus vorstellig wurden und dann positiv getestet worden sind. Auch sie müssen isoliert werden.

          Weiter 73,4 Prozent durchgeimpft

          55,5 Prozent der auf hessischen Intensivstationen behandelten Patienten mit Covid-19 sind laut Ministerium ungeimpft oder teilgeimpft, während 40,8 Prozent vollständig geimpft sind. Bei den anderen ist der Impfstatus unbekannt. Die Impfquote kommt weiter kaum voran, sie stagniert vielmehr. 73,7 Prozent der hessischen Bevölkerung sind laut Ministerium vollständig gegen SARS-CoV-2 geimpft, vor sieben Tagen waren es 73,4 Prozent. Geboostert seien 60,8 Prozent.

          Auf einen Blick: Diese Corona-Regeln gelten derzeit noch in Hessen.

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