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„Das ist ein Riesensignal“ : Zum Impfen in die Moschee

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Impfling: Eine Muslima betritt eine Frankfurter Moschee, in der Krankenpfleger eine vorbeugende Spritze gegen Corona geben Bild: dpa

Impfen in der Moschee? In einer muslimischen Gemeinde in Frankfurt bekommen zahlreiche Menschen ihre Spritze gegen das Coronavirus. Auch andernorts gibt es solche niedrigschwelligen Angebote.

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          Wie kann man möglichst vielen Menschen einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu Corona-Impfungen ermöglichen? Kürzlich hatte das Land Hessen die Wichtigkeit von niedrigschwelligen Impfangeboten unterstrichen und auch Städte wie Frankfurt oder Offenbach setzen auf Vor-Ort-Angebote etwa bei Religionsgemeinschaften.

          So standen am Donnerstagmorgen zahlreiche Impfberechtigte vor der Sajjad Moschee im Frankfurter Stadtteil Fechenheim Schlange, um eine Injektion zu bekommen. An drei Tagen sollen dort um die 600 Menschen geimpft werden. Das Gesundheitsamt hat dafür ein mobiles Team der Malteser beauftragt. Die Nachfrage ist groß, wie der Vorstandsvorsitzende des Imam Sadjad Kulturzentrum, Ahmad Foaad Tajik, sagte. „200 Leute stehen noch auf der Warteliste.“

          Bereits in einer christlichen und einer jüdischen Gemeinde

          Der Ansatz sei, „dass wir vor Ort Partner haben, die die Menschen erreichen, die dann unsere Verbündete sind“, erklärte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen). Solche Impfaktionen habe es bereits in einer christlichen und einer jüdischen Gemeinde gegeben.

          „Wenn wir alle erreichen wollen, muss die Impfung zu den Menschen kommen“, ergänzte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Deshalb ist es richtig, dass wir als Stadt offensiv für die Impfung werben. Nicht auf Plakatwänden, sondern vor Ort.“ Um eine breite Immunität zu erzielen, „muss man noch mehr in die Ecken und Nischen gehen, die so eine Stadtgesellschaft hat“. Noch sei die Nachfrage nach Impfstoff höher als das Angebot, aber das werde sich schnell ändern.

          Bis zu 4000 Dosen am Tag

          Zuletzt hatte sich auch Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) für niedrigschwellige Impfangebote ausgesprochen, etwa in bestimmten Vierteln. Auch in Offenbach gab es bereits in einer Moschee eine kleinere Impfaktion, wie eine Sprecherin der Stadt sagte. Derzeit werden Einsätze des mobilen Impfteams bei sozialen Einrichtungen wie der Offenbacher Tafel geplant.

          Größte Anlauflaufstelle für die Spritze gegen Corona ist in Frankfurt das vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betriebene Impfzentrum. Bis zu 4000 Dosen können den Angaben nach hier pro Tag verabreicht werden. „Das DRK Frankfurt beschäftigt sich als Hilfsorganisation natürlich auch mit der Frage: Wer fällt durchs Raster? Welche Menschen werden durch die Impfkampagne bisher nicht erreicht?“, sagte Sebastian Gentili, der Leiter des Zentrums.

          Dort erschienen immer wieder auch Menschen, „die sich im Vorfeld kaum informieren konnten oder die keine Dokumente dabei haben“. Es gebe also Fälle, die beinahe nicht erreicht worden wären. „Uns ist sehr daran gelegen, dass - gerade wenn die Prioritäten wegfallen - das Impfangebot wirklich alle erreicht, auch die Menschen mit Verständnisproblemen und unabhängig von der jeweiligen Sprache oder Kultur“, so Gentili.

          „Das ist ein Riesensignal“

          Impfaktionen vor Ort – daran denkt man auch in Mittelhessen. Aber: „Voraussetzung ist immer, dass wir Impfstoffdosen dafür haben“, sagte Reinhard Strack-Schmalor, Leiter des Corona-Verwaltungsstabes des Lahn-Dill-Kreises. Gegenwärtig stünden nur Spritzen fürs Impfzentrum zur Verfügung sowie für ein Team, das immobile Personen besucht. Man sei mit der Stadt Wetzlar im Gespräch, wo es aus Sicht des Kreises vorstellbar wäre, in Stadtteilzentren mobil zu impfen. „Dort ist die Ausstattung da, setzt aber immer voraus, dass wir entsprechenden Impfstoff haben.“

          In Frankfurt-Fechenheim hatte das 1998 gegründete Kulturzentrum die Koordination und Logistik der Impfaktion übernommen. Es sei alles gut angelaufen, hieß es. „Das ist ein Riesensignal und ein Schritt Richtung Normalität“, sagte Schanas Ahnadi, die Frauenbeauftragte der muslimischen Gemeinde. „Es geht auch darum, die Menschen zu erreichen, die bislang kritisch oder misstrauisch sind, was das Impfen betrifft.“ So würden einige ihre Informationen über die sozialen Netzwerke beziehen, wo Gerüchte und Falschinformationen unterwegs seien. Traditionelle Medien würden beispielsweise aufgrund sprachlicher Probleme nicht gelesen.

          „Jetzt merken viele, dass mit dem Impfen wieder mehr Freiheiten möglich sind“, sagte die junge Frau. Dazu gehöre auch das gemeinsame Leben in der Religionsgemeinschaft. Dort hatte es zuletzt einen großen Verlust gegeben, wie Tajik und Ahnadi berichteten. So sei der Gründer des Kulturvereins, der das Oberhaupt der Gemeinde gewesen sei, im Alter von 65 Jahren an Corona gestorben.

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