https://www.faz.net/-gzg-a8wxa

Impfungen für Millionen Hessen : Hessens Wirtschaft fordert Lockerungen vor dem 3. März

Empfang: Sie warten im Impfzentrum in Bad Homburg am Monatsende auch auf Hausärzte und deren Helferinnen Bild: Lucas Bäuml

Die hessische Wirtschaft macht sich für rasche Öffnungen geschlossener Geschäfte stark. Click & meet lautet die Formel. Das Land teilt mit, vom 5. März an Personen der Prio-Gruppe 2 zu impfen.

          4 Min.

          Die hessische Wirtschaft fordert Lockerungen im Geschäftsleben schon vor dem nächsten Corona-Gipfel von Kanzlerin und Länderchefs am 3. März. „Eine bundes- oder landesweite Inzidenz von 35 scheint weit entfernt. Öffnungen für Betriebe dürfen das aber nicht sein“, schreibt der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK). Der Lockdown habe viele hessische Unternehmen ausgezehrt. „Sie klammern sich an die Hoffnung baldiger Öffnungen.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der HIHK verweist das vom hessischen Handelsverband in der vergangenen Woche ins Spiel gebrachte Konzept Click&meet, also die wie bei Friseuren übliche Terminvergabe an Kunden. Dies könne für Einzelhändler ein Einstieg sein.

          Seit diesem Dienstag können sich Menschen aus der sogenannten Priorisierungsgruppe 2 in Hessen einen Impftermin sichern. Das sieht die Impfstrategie des Landes vor, wie die Minister Peter Beuth (CDU) und Kai Klose (Die Grünen) am Vormittag erläutert haben. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Menschen über 70 und Personen mit Vorerkrankungen. Nach Angaben der Minister betrifft dies 1,5 Millionen Personen. Dabei geht es um „Schutzimpfungen mit hoher Priorität“. Am 5. März soll es losgehen. Möglich machen es weitere Impfdosen-Lieferungen. Von Astra-Zeneca liegen dem Land gut 112.000 Dosen vor, wie das Innenministerium der F.A.Z. mitteilte. Nur ein Bruchteil davon ist bisher genutzt worden. Zudem steuert der Mainzer Hersteller Biontech, der seit Monatsbeginn aus in Marburg produziert, Zehntausende Impfdosen mehr bei als zuvor erwartet.

          Mehr neue Fälle als vor einer Woche

          Bisher haben fast 230.000 Personen in Hessen eine erste Spritze gegen das Coronavirus erhalten. Das sind vor allem Senioren in Altenheimen nebst Pflegekräfte, Mediziner und medizinisches Personal in Kliniken und Menschen über 80 Jahre, die schon einen Termin in einem der 28 Impfzentren bekommen haben. Laut Land haben sich drei Viertel der 400.000 Berechtigten über 80 einen Termin geben lassen. Am Monatsende sind dann auch andere Ärzte und deren Personal dran, ebenso eine Woche später. Es sind Mediziner aus der sogenannten Priorisierungsgruppe 2. Sie erhalten im Rahmen der „Praxistage“ das Produkt von Astra-Zeneca.

          Beuth und Klose blicken derweil auf wenig erbauliche neue Corona-Zahlen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet. Demnach hat das RKI über Nacht 306 weitere positive Corona-Tests in Hessen verzeichnet nach 224 vor einer Woche. Diese Zahlen sind zwar mit Vorsicht zu genießen wegen des gemeinhin auch an Dienstagen merklichen Meldeverzugs seitens der Labore und Gesundheitsämter. Aber die Tendenz weist in die falsche Richtung: Das RKI sieht keinen Rückgang der Fallzahlen.

          Zudem steigt die zentrale Kennziffer wieder. Die Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist registrierten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern, beträgt nun ebenso wie im Bund 60,5 nach 55,6 vor einer Woche. Die seit dem bisher letzten Corona-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als neue kritische Grenze geltende Inzidenz-Marke 35 gerät weiter aus dem Blickfeld. Lockerungen soll es nur dann geben, wenn die Kennziffer sieben Tage in Folge unter 35 liegt. Von regionalen Lockerungen ist bisher nicht die Rede. Dabei liegt etwa die Stadt Kassel ebenso wie Mainz nunmehr seit mehr als einer Woche unter dieser „neuen 50“ (siehe auch Grafik zum Eskalationskonzept).

          Kassel und Mainz weiter unter 30

          Kassel ist auch weiterhin die Stadt, die den niedrigsten Wert in Hessen aufweist, aktuell liegt die Inzidenz bei 24,2. Der Kreis Kassel kommt auf 36,7. Unter einer Inzidenz von 50 liegen der Kreis Hersfeld-Rotenburg (49,7) und der Schwalm-Eder-Kreis (40,6) sowie der Odenwald mit 30. Alle anderen Landkreise sowie die Großstädte rangieren nach einem Anstieg der Fälle wieder über 50. Insofern hat sich die Corona-Landkarte weiter verdunkelt. In Rhein-Main bleibt Mainz unter der 30; aktuell liegt der Wert bei 25,6.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Autor: Cai Tore Philippsen

          F.A.Z.-Newsletter : Impfstau und Schnelltest

          In den Kühlschränken der Impfzentren häufen sich unverbrauchte Impfdosen, Kanzlerin Merkel lehnt Privilegien für Geimpfte weiterhin ab, und die EU-Kommission gerät abermals in die Schusslinie. Der F.A.Z.-Newsletter.

          Karliczek und Bruch im Dialog : „CO2 muss teurer werden“

          Grüner Wasserstoff verzückt Investoren wie Klimaschützer. Forschungsministerin Anja Karliczek und Siemens-Energy-Chef Christian Bruch sprechen über das Potential des neuen Hoffnungsträgers für die Energiewende.
          Olaf Scholz im Willy-Brandt-Haus

          Finanzpolitik : Scholz will höhere Steuern für Besserverdienende

          Der Bundesfinanzminister will mittlere und untere Einkommen entlasten. Die derzeitige Finanzpolitik mit hohen, kreditfinanzierten Ausgaben zur Bekämpfung der Corona-Krise will er fortsetzen: „Da gilt es zu klotzen, nicht zu kleckern“, so Scholz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.