https://www.faz.net/-gzg-abc3o

Deutlich weniger Neuinfektionen : Handelsverband für „Click and Meet“ ohne Corona-Test

  • Aktualisiert am

Vorreiter: Heraeus in Hanau, hier das Innovationszentrum auf dem Betriebsgelände, lässt mit Betriebsärzten schon die Beschäftigten impfen. Bild: Firma Heraeus

Im Vergleich zum vergangenen Dienstag meldet das RKI für Hessen erheblich weniger neue Corona-Fälle und weniger Tote. Der Handelsverband macht Druck auf das Land. 200 Firmen wollen impfen dürfen.

          3 Min.

          Der Handelsverband Hessen nimmt die sinkenden Inzidenzen zum Anlass für einen weiteren Hilferuf an die schwarz-grüne Landesregierung. Er fordert „dringend notwendige Erleichterungen“ nach einem halben Jahr mit stark eingeschränkter Geschäftstätigkeit infolge der Corona-Regeln (siehe Kasten unten). „Sinkende Inzidenzen und eine steigende Impfquote machen eine kurzfristige Öffnungsperspektive zum Gebot der Stunde“, meint der Verband. Die Landesregierung müsse in den Landkreisen mit einer Inzidenz unter 100 „Click and Meet“ ohne Test ermöglichen, fordert Präsident Jochen Ruths.

          Allerdings rangiert derzeit nur die Wetterau unter dieser Marke. Und nach den Vorgaben des Landes ist „Click and Meet“ unter 150 möglich. Tests werden aber verlangt. Einkaufen mit Maske sei aber sicher, führt Ruths an. „Jüngst wurde diese Tatsache auch von der Universität in Kassel bestätigt.“

          Das Pilotverfahren mit vier Pharma- und Gesundheitsunternehmen zum Impfen durch Betriebsärzte hat derweil ein reges Interesse in der hessischen Wirtschaft geweckt. Wie B.Braun in Melsungen, Merck in Darmstadt, PharmaServ in Marburg oder Sanofi in Frankfurt möchten auch 200 andere Unternehmen ihre Beschäftigten selbst gegen das Coronavirus impfen dürfen. Das sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bei einem Besuch bei Merck. Und: „Ich kann mir vorstellen, dass wir das ausweiten“, sagte Bouffier laut dpa. Auch sieht der hessische Apothekerverband seine Mitglieder startklar. Die Apotheken böten gute Voraussetzungen, um in den nächsten Wochen barrierefrei und flächendeckend eine große Zahl an Menschen impfen zu können, heißt es.

          Inzidenz weiter über Niveau im Bund

          Am Morgen hat das Robert Koch-Institut (RKI) tendenziell erfreuliche Angaben zum Infektionsgeschehen in Hessen gemeldet. Die Gesundheitsämter haben deutlich weniger neue Fälle gemeldet als vor einer Woche und auch weniger Tote im Zusammenhang mit der Pandemie. Die Inzidenz sinkt wie schon an den Vortagen weiter, das sind die binnen Wochenfrist verzeichneten Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern. Die Kennziffer liegt deutlich unter dem Wert von vergangenem Dienstag, jedoch nach wie vor höher als im Bund. Und: Nur in Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ist die Inzidenz höher.

          Nach 612 Corona-Neuinfektionen meldet das RKI nun 387. Das sind deutlich weniger Fälle. Zu berücksichtigen ist die zu Wochenbeginn regelmäßig auftretende Delle, die dem Meldeverzug seitens der Labore und Ämter geschuldet ist. 265.989 Infektionen sind seit Beginn der Pandemie vor 14 Monaten bekannt geworden, das entspricht vier Prozent der Landesbevölkerung. Die Inzidenz ist auf 146 gesunken, das sind 31 Punkte weniger als vor sieben Tagen und sieben weniger als am Vortag. Die bundesweite Kennziffer beträgt 141.

          Mit gut 92 weist die Wetterau laut der Inzidenzlandkarte des RKI den tiefsten Wert in Hessen aus, rangiert aber erst einen Tag unter der Marke 100, die nächtliche Ausgangssperren bedingt. Der Kreis Waldeck-Frankenberg, zuvor unter diese Schwelle gerutscht, liegt nun wieder darüber. Das zeigt das Corona-Update des Sozialministeriums. Wie aus ihm weiter hervorgeht, bleibt Offenbach mit 242 der Hotspot von Hessen, es folgen die Kreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg, die sich auch jenseits von 200 bewegen.

          27,6 Prozent der Hessen mit erster Impfung

          Bei der Erstimpfquote lässt Hessen nach einem Zwischenspurt mittlerweile eine Handvoll Länder hinter sich, darunter Schleswig-Holstein und den Nachbarn Thüringen. 27,6 Prozent der Menschen in Hessen haben laut RKI die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Der Durchschnitt im Bund beträgt aber 28,7 Prozent. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 30,1. Auch bei den durchgeimpften Personen hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund hinterher. Hessen kommt auf 7,9 Prozent, das sind zwei Zehntel unter dem Durchschnitt.

          Nach wie vor vergibt die Stadt Frankfurt über ihr Meldeportal immer noch Impf-Sondertermine für Personen unabhängig vom Alter. Im Angebot ist das Vakzin von AstraZeneca. Eine Impfung sei nur möglich, wenn jemand zum Zeitpunkt der Impfung der Priorisierungsgruppe 1-3 der Corona-Impfverordnung angehöre und das Impfzentrum Frankfurt am Main zuständig sei. „Anderslautende im Internet kursierende Informationen sind falsch! Die Impfung erfolgt mit dem Impfstoff des Herstellers AstraZeneca. Ein Impfstoffwechsel im Impfzentrum ist nicht möglich“, heißt es auf der entsprechenden Internetseite. 5500 Termine sind insgesamt zu vergeben, neuerdings auch an Berufspendler, die in Frankfurt arbeiten. Sie sind bis zum 9. Mai buchbar.

          Die Folgen der „Notbremse“

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.