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Überall weiter Ausgangssperren : Fraport impft am Flughafen

Hotspot: In Offenbach müssen, wie andernorts in Hessen auch, wegen der Inzidenz über 100 Läden früher als sonst schließen Bild: Laila Sieber

Hessen baut Vorräte drastisch ab und holt bei Impf-Quote auf. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg hat die zentrale Corona-Kennziffer in Hessen wieder den Wert vom vergangenen Freitag erreicht.

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          Auch zum Wochenschluss kommen gemischte Nachrichten zum Corona-Infektionsgeschehen in Hessen: Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) weniger neue Fälle gemeldet als vor einer Woche. Die Inzidenz als zentrale Kennziffer sinkt. Sie befindet sich nun auf dem Niveau vom vergangenen Freitag. Allerdings liegen in Hessen nach wie vor deutlich mehr binnen Wochenfrist verzeichnete Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern vor als im Durchschnitt im Bund. Zudem sind einige Tote im Zusammenhang mit der Pandemie mehr zu betrauern. Und die landesweit jenseits von 100 sich bewegende Inzidenz bedingt weiter allenthalben Ausgangssperren, wobei in mehreren Landkreisen wie Darmstadt-Dieburg, Main-Taunus, Schwalm-Eder oder Wetterau im Handel „Click and Meet“ erlaubt ist (siehe Kasten unten).

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch vor dem Hintergrund der laufenden Kampagne der Stadt Frankfurt mit dem Produkt von Astra-Zeneca holt Hessen beim Impfen im Ländervergleich auf. Bei den Erstimpfungen ist das Land nun nicht mehr Letzter, liegt aber noch unter dem Durchschnitt im Bund. Frankfurt kann täglich bis zu 785 Sondertermine vergeben. Die Termine erfahren eine rege Nachfrage;  bisher ist die Quote aber nicht immer umgehend ausgeschöpft worden, wie sich aus einer Anfrage der F.A.Z. ergibt. Mit fast 32.000 verabreichten Erstimpfungen in den 28 hessischen Impfzentren sei am Donnerstag ein neuer Tageshöchstwert erreicht werden, teilt das Innenministerium laut dpa mit. Das Land habe seine Lagerbestände für Zweitimpfungen innerhalb von zwei Wochen von rund 120.000 auf etwa 35.000 Dosen reduziert, so Minister Peter Beuth (CDU).

          Das RKI meldet 1737 neue Fälle in Hessen nach 2010 vor einer Woche. 262.327 Infektionen haben die Gesundheitsämter seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr verzeichnet. Das entspricht knapp vier Prozent der Landesbevölkerung. Rund 24.600 Fälle gelten als weiter aktiv, sie sind also nicht ausgestanden. Das RKI erhebt diese Zahl aber nicht amtlich, sondern schätzt sie nur. Wer zwei Wochen nach einem positiven PCR-Test nicht ärztlich behandelt wird, gilt als genesen. 28 Tote kommen hinzu, seit Beginn der Pandemie sind offiziell 6862 Personen in Hessen an oder mit Covid-19 gestorben.

          Die hessische Inzidenz gibt das für die Seuchenbekämpfung zuständige Bundesinstitut mit 166 an. Das ist ein Minus von vier Punkten im Vergleich zum Vortag und entspricht dem Wert von vor einer Woche. Der Durchschnitt im Bund beträgt aber 155. Am besten steht weiter Schleswig-Holstein da mit 64, Tabellenführer ist Sachsen (211) vor Thüringen (210) und Baden-Württemberg (186).

          Noch Impf-Sondertermine zu vergeben

          Die höchste Inzidenz weist mit 263,3 die Stadt Offenbach auf, gefolgt vom Landkreis Fulda mit 240,7 und dem Kreis Hersfeld-Rotenburg (231) sowie dem Kreis Gießen (214). Die niedrigste Kennziffer hat der Wetteraukreis mit 107. Kassel kommt auf 197, Frankfurt ebenso.

          Derweil vergibt die Stadt Frankfurt über ihr Meldeportal immer noch Impf-Sondertermine für Personen unter und über 60 Jahren. Im Angebot ist das Vakzin von Astra-Zeneca. Eine Impfung sei nur möglich, wenn jemand zum Zeitpunkt der Impfung der Priorisierungsgruppe 1-3 der Corona-Impfverordnung angehöre und das Impfzentrum Frankfurt am Main zuständig sei. „Anderslautende im Internet kursierende Informationen sind falsch! Die Impfung erfolgt mit dem Impfstoff des Herstellers Astra-Zeneca. Ein Impfstoffwechsel im Impfzentrum ist nicht möglich“, heißt es auf der entsprechenden Internetseite. 5500 Termine sind insgesamt zu vergeben, neuerdings auch an Berufspendler, die in Frankfurt arbeiten. Sie sind buchbar bis 9. Mai.

          Am Frankfurter Flughafen können sich derweil Beschäftigte am Arbeitsplatz gegen das Coronavirus impfen lassen. Das Impfzentrum in einer Turnhalle läuft derzeit im Probebetrieb, wie der Flughafenbetreiber Fraport am Freitag berichtete. In der ersten Woche standen nur 600 Impfdosen zur Verfügung. Der leitende Arzt der Fraport AG, Michael Sroka, hoffe auf größere Liefermengen und mehr Impfungen in den nächsten Wochen. „Wir gehen davon aus, dass wir 10.000 bis 12.500 impfwillige Mitarbeiter haben“, sagte Sroka. Die meisten Beschäftigten am Flughafen gehören laut Fraport als Mitarbeiter einer kritischen Infrastruktur zur Priorisierungsgruppe 3. Damit sind sie in Hessen seit Ende vergangener Woche impfberechtigt.

          Betriebsärzte sind aktuell noch nicht in die Impfungen eingebunden. Aber Fraport betreibt in der Flughafenklinik eine Notfallambulanz, die auch die ärztliche Versorgung der Mitarbeiter übernimmt, wie Sroka erklärte. Damit bekommt der Flughafen - wie Hausarztpraxen in Hessen - ein Kontingent an Impfdosen zugeteilt.

          Intensivstationen etwas entlastet

          Einen Schub kann die hessische Impfkampagne weiter gebrauchen, denn das Land rangiert bei den Erstimpfungen weit hinten im Ländervergleich, wenn auch nicht mehr an letzter Position. 25,4 Prozent der Hessen haben die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen, der Durchschnitt im Bund beträgt 26,9 Prozent. Jedoch liegt Hessen mit rund 7,7 Prozent durchgeimpften Personen auf Bundesniveau.

          452 Covid-Patienten werden in Hessen nach neuesten Zahlen des DIVI-Intensivregisters auf Intensivstationen behandelt nach 476 vor knapp einer Woche; 231 von ihnen müssen beatmet werden. 1769 der 1966 verfügbaren Intensivbetten sind laut DIVI belegt, auch mit Patienten mit anderen Krankheiten, wie dpa meldet.

          Die Folgen der „Notbremse“ im Alltag

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

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