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Vorstoß für digitalen Impfpass : Frankfurt vergibt noch Impf-Sondertermine mit Astra-Zeneca

Impflinge: Sie warteten im Impfzentrum Frankfurt, wo es neuerdings Sondertermine gibt Bild: dpa

Weniger neue Corona-Fälle als vor einer Woche meldet das RKI für Hessen. In Frankfurt sind noch Sondertermine für Impfungen erhältlich. Die hessische Wirtschaft will den digitalen Impfpass rasch.

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          Auf den ersten Blick recht erfreuliche Nachrichten kommen aus dem Robert-Koch-Institut zum Corona-Infektionsgeschehen in Hessen. Das RKI meldet weniger über Nacht bekannt gewordene neue Fälle sowie weniger Tote im Zusammenhang mit Covid-19 als vor einer Woche. Zudem ist die Inzidenz im Vergleich zum Vortag leicht gesunken, das ist die Kennziffer für die binnen Wochenfrist bei dem Institut eingelaufenen Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings hat das für die Seuchenbekämpfung zuständige Bundesinstitut nach der üblichen Delle zu Wochenbeginn, die stets wegen des Meldeverzugs auf Seiten von Laboren und Gesundheitsämtern auftritt, wieder erheblich mehr Fälle verzeichnet. Zudem liegt die Inzidenz weiter klar über dem deutschlandweiten Niveau und deutlich höher als vor sieben Tagen. Nur Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weisen eine höhere Kennziffer auf.

          Derweil vergibt die Stadt Frankfurt über ihr Meldeportal weiter Impf-Sondertermine für Personen unter und über 60 Jahren. Im Angebot ist das Vakzin von Astra-Zeneca. Die Wartezeit beträgt am Nachmittag etwa eine Minute. Einen Schub kann die hessische Impfkampagne gebrauchen, denn das Land rangiert bei den Erstimpfungen an letzter Position im Ländervergleich. Gut 23 Prozent der Hessen haben die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen, der Durchschnitt im Bund beträgt 24,7 Prozent. Deswegen hat die Opposition im Landtag die Landesregierung am Dienstag gerügt. Jedoch liegt Hessen mit rund 7,5 Prozent leicht über dem Mittel bei den durchgeimpften Personen.

          Der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) drängt die Landesregierung, sich auf Bundesebene für eine rasche Einführung des digitalen Impfpasses einzusetzen. „Erst im Juli, also in neun Wochen, solle der digitale Impfpass zur Verfügung stehen. Das dauert deutlich zu lange. Andere Staaten sind hier bereits mehrere Schritte weiter“, mahnt Robert Lippmann, Geschäftsführer des HIHK. Mehr Freiheiten für Geimpfte könnten nur ein Anfang sein. „Geimpfte, genesene und getestete Kunden sollten unabhängig von der Inzidenzlage Zugang zu Geschäften, zur Außengastronomie, zu körpernahen Dienstleistern, zu touristischen Übernachtungen und weiteren Wirtschaftsbereichen erhalten“, so Lippmann weiter.

          Das RKI meldet für Hessen 2036 neue Fälle nach 2173 vor einer Woche. 258.487 Infektionen hat das Institut seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr verzeichnet. Das entspricht knapp vier Prozent der Landesbevölkerung. 23.900 davon gelten noch als aktiv, also als nicht ausgestanden; das sind rund 200 mehr als am Vortag. Das RKI erhebt diese Zahl aber nicht amtlich, sondern schätzt sie nur. Wer zwei Wochen nach einem positiven PCR-Test nicht ärztlich behandelt wird, gilt als genesen.

          6815 Tote im Zusammenhang mit Covid-19 hat das RKI bisher verzeichnet, das sind 13 mehr als am Vortag. Vor einer Woche waren 27 weitere Personen, die an oder mit Covid-19 gestorben waren, bekannt geworden. Die Inzidenz ist über Nacht von 177 auf 175,5 gesunken, vor sieben Tagen betrug sie 156. Für den Bund gibt das RKI den Wert 161 an.

          Die höchste Inzidenz weist derzeit der Kreis-Hersfeld Rotenburg mit 258 auf vor dem benachbarten Kreis Fulda mit 250; beide grenzen an den Wartburgkreis, der seit Wochen eine höhere Kennziffer hat als die westlich gelegenen Kreise. Ein Hotspot bleibt Offenbach, obwohl die Inzidenz über Nacht kräftig von 307 auf 242 gerutscht ist. In Frankfurt stagniert die Kennziffer bei 202. Mit Blick auf die Sondertermine heißt es bei der Stadt: „Eine Impfung im Impfzentrum Frankfurt am Main ist nur möglich, wenn Sie zum Zeitpunkt der Impfung der Priorisierungsgruppe 1-3 der Corona-Impfverordnung angehören und das Impfzentrum Frankfurt am Main für Sie zuständig ist.“

          Vergleichsweise am besten steht die Wetterau mit einer Inzidenz von 105. Darmstadt-Dieburg kommt auf 121. Dort laden Händler zu „Click and Meet“, ebenso im Main-Taunus-Kreis, der aber über Nacht über die kritische Marke von 150 gehüpft ist. Darmstadt weist den Wert 132 aus, Wiesbaden 166, das benachbarte Mainz 169. Kassel, vor wenigen Wochen noch unter 20, kommt auf 234.

          Die Folgen der „Notbremse“

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

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