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Pandemie in Hessen : Corona erfordert nicht nur in Frankfurt erhöhte Aufmerksamkeit

Wartestand: Marburger Virologen und ihre Kollegen in Hamburg harren noch immer der Erlaubnis, ihren Impfstoffkandidaten gegen Corona an Menschen zu testen Bild: dpa

Frankfurt hat am Wochenende die zweite Corona-Warnstufe überschritten, nun meldet die Stadt weitere zweistellige Neuinfektionen. Das erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Das gilt für einen Landkreis umso mehr.

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          Den dritthöchsten Wert an bestätigten Coronavirus-Neuinfektionen im laufenden Monat haben die hessischen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut über Nacht gemeldet. Es sind 133 an der Zahl, wie das für die Seuchenbekämpfung zuständige Bundesinstitut auf seiner Internetseite meldet. Das sind knapp neun Prozent der gemeldeten Neuinfektionen im Bund.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der hessische Bevölkerungsanteil beträgt acht Prozent. Der Anstieg in diesem Bundesland ist also leicht überproportional. Infolge dessen bleibt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in Hessen zweistellig und legt leicht zu; das sind die neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist. Am Samstag war sie kurzzeitig unter 10 gefallen.

          Die Inzidenz ist aber nicht besorgniserregend. Auf kommunaler Ebene gilt erst von 20 an erhöhte Aufmerksamkeit. Aktuell liegen Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg und Bremen bei der Inzidenz vor Hessen. Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen weiter auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg der F.A.Z.

          Entspannung in Hanau und Wiesbaden

          Mit Blick auf diese Kennziffer fallen in Hessen der Main-Taunus-Kreis und Frankfurt ins Auge. Frankfurt hat am Wochenende die zweite Stufe im sogenannten Eskalationskonzept des Landes zur Pandemie überschritten. Über Nacht sind dem kurz RKI genannten Bundesinstitut 26 weitere Fälle bekannt geworden. Die Inzidenz ist weiter gestiegen und beträgt nun 22,4. Dort müssen Mitarbeiter des Gesundheitsamts die Kontaktpersonen eines infizierten Bar-Mannes nachvollziehen. Der Angestellte war zur Arbeit erschienen, obwohl ihm nach einem positiven Test häusliche Isolation verordnet worden war.

          Für den Main-Taunus-Kreis, der zuletzt um die Marke 20 pendelte, weist das RKI nur 24 aus. Dabei spricht der Kreis selbst von 13 Infektionen seit März mehr, als das RKI für ihn berichtet. Das hat damit zu tun, dass das Bundesinstitut eingehende Daten immer doppelt prüft. Erst dann veröffentlicht es die jeweiligen Zahlen selbst.

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          Dagegen wirkt die Lage im Main-Kinzig-Kreis mit Hanau im Zentrum mittlerweile entspannt und stabil. Zu Wochenbeginn hatte der Landkreis für Hanau und Umgebung einige Corona-Vorgaben gelockert. Die Inzidenz beträgt nur noch 10,7. In Wiesbaden gilt ausweislich der Homepage der Stadt weiter das zu Monatsbeginn in Kraft getretene Besuchsverbot in Kliniken und medizinischen Einrichtungen. Doch auch dort hat sich die Lage entspannt, die sich nach dem Ende der Ferien wegen deutlich zweistelliger Neuinfektionen verschärft hatte. Für die Landeshauptstadt stehen 15,1 neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist zu Buche nach 14,7 am Vortag.

          Wo die positiven Fälle vom Flughafen aufschlagen

          In den Tagen nach dem Ende der Sommerferien waren die Neuinfektionen gestiegen, weil Reiserückkehrer das Virus mitgebracht hatten. Viele andere Infizierte hatten sich auf privaten Feiern angesteckt oder bei öffentlichen Festen. Mittlerweile sind aber zahlreiche Infizierte aus der Sieben-Tage-Statistik herausgefallen, auch und gerade deshalb fiel die Inzidenz zwischenzeitlich.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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