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Ein Drittel mit erster Impfung : Auch Darmstadt vor Ende der nächtlichen Ausgangssperre

Shoppen mit Termin und Test: Auch in Gießen wird von Mittwoch an wieder „Click and Meet“ möglich sein Bild: Rainer Wohlfahrt

Mehr neue Corona-Fälle als vor einer Woche meldet das RKI für Hessen, aber weniger weitere Tote. Zudem gibt es deutlich weniger nicht ausgeheilte Infektionen. Zum Mittwoch greifen vielerorts Lockerungen.

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          Tendenziell, aber nicht durchweg erfreuliche Nachrichten zum Infektionsgeschehen in Hessen gibt es am Dienstag. Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 40 neue Fälle mehr gemeldet als vor einer Woche. Andererseits sind elf Tote weniger gemeldet worden als am vergangenen Dienstag. Auch geht das RKI von deutlich weniger aktiven Fällen aus als noch vor wenigen Tagen. An einer Reihe von Orten bereiten sich derweil die Menschen auf mehr Freiheiten vor. Bei der Erstimpfung macht Hessen merkliche Fortschritte.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Wiesbaden und im Landkreis Gießen werden Händler und Kunden wieder von Mittwoch an vom „Click and Meet“ profitieren können. Etwa in Frankfurt kehren Schulen erstmals nach fünf Monaten zum Wechselunterricht zurück. Der Rutsch unter die Inzidenzmarke 165 macht es möglich. Im Hochtaunuskreis und im Vogelsbergkreis fällt, wie bereits an dieser Stelle am Wochenende berichtet, die Ausgangssperre. In der Wetterau können sich die Menschen schon seit Montag auch nachts wieder frei bewegen. Die Stadt Darmstadt liegt laut RKI den vierten Tag in Folge unter der dafür entscheidenden Inzidenzmarke 100 und steuert ebenfalls auf ein Ende der Ausgangssperre zu. Diese Kennziffer steht für die binnen Wochenfrist verzeichneten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern.

          Das RKI meldet 423 neue positive PCR-Tests nach 387 vor einer Woche. Dabei ist zu bedenken: Die Zahlen am Dienstag stehen wie jene am Montag stets unter dem Einfluss des Meldeverzugs seitens der Testlabore, da am Wochenende nicht alle Ämter arbeiten und Daten deshalb verzögert einlaufen. So kommt es regelmäßig zu einer Delle. Aussagekräftiger sind die Zahlen vom Mittwoch und den folgenden Tagen.

          Dessen ungeachtet haben sich bisher offiziell 273.775 Menschen in Hessen mit dem Coronavirus infiziert, das sind gut vier Prozent der Landesbevölkerung. Rund 20.700 Fälle sind noch aktiv, also nicht ausgestanden, wie das RKI schätzt. Das sind demnach etwa 1300 weniger als am Montag.

          Hessen-Inzidenz weiter höher als im Bund

          Die Landes-Inzidenz beträgt 119,6 nach 146,3 vor einer Woche. Der Bund kommt auf 115. Auch am Dienstag weisen laut RKI nur fünf Bundesländer eine höhere Inzidenz als Hessen auf: Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Am besten steht Schleswig-Holstein da mit 50. Rheinland-Pfalz kommt auf 98. Auch ist die zentrale Kennziffer in Hessen nach wie vor viel zu weit weg von wirklich beruhigenden Zonen (siehe auch Kasten unten). Nicht zuletzt bleibt das zentral gelegene Bundesland beim Impferfolg unter dem Durchschnitt in Deutschland.

          Hotspot ist weiter Offenbach. Allerdings kühlt sich das Infektionsgeschehen auch dort ab, wie der Rutsch unter die Inzidenzmarke 200 zeigt. Offenbach kommt nun auf 197, der Nachbar Frankfurt auf 132, das linkshreinisch gelegene Mainz in Rheinland-Pfalz auf 136. Am besten steht der Hochtaunus mit knapp 80 da, gefolgt von der Wetterau mit gut 80 und dem Vogelsberg mit 83. Darmstadt kommt nach einem leichten Anstieg auf knapp 89, der Kreis Darmstadt-Dieburg auf gut 84. Details zu den geltenden Regeln in den einzelnen Regionen finden sich hier.

          18 weitere Tote meldet das RKI nach 29 vor einer Woche. Offiziell sind bisher 7073 Menschen in Hessen an oder mit Covid-19 gestorben. Am Montag war erstmals seit langem kein einziger Toter gemeldet worden.

          Gut ein Drittel der Hessen mit erster Impfung

          Bei der Erstimpfquote lässt Hessen nach einem Zwischenspurt mittlerweile ein gutes halbes Dutzend Länder hinter sich, darunter Schleswig-Holstein und den Nachbarn Thüringen. 33,2 Prozent der Menschen in Hessen haben laut RKI die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Das sind 2,048 Millionen. Der Durchschnitt im Bund beträgt 32,8 Prozent. Spitzenreiter ist jetzt das Saarland mit 37,5; Rheinland-Pfalz kommt auf 33,3. Auch bei den vollständig Geimpften hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund hinterher. Hessen kommt auf 8,8 Prozent, das sind acht Zehntel unter dem Durchschnitt nach drei Zehntel vor knapp einer Woche.

          Positive Bilanz für Projekt mit Corona-Modellkommunen

          Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) ziehen eine positive Bilanz zum Abschluss des Projekts mit Corona-Modellkommunen. Ziel sei gewesen, Erkenntnisse über eine vorsichtige Rückkehr in ein annähernd normales Leben in den Innenstädten zu erzielen, erklärten die beiden Politiker am Dienstag in Wiesbaden. „Das ist uns gelungen.“ Die Bürgermeister von Alsfeld und Baunatal äußersten sich ebenfalls zufrieden mit dem Modellversuch.

          Die Berichte aus Alsfeld im Vogelsbergkreis und Baunatal in Nordhessen hätten gezeigt, dass die Bevölkerung mit großer Besonnenheit die kontrollierten Zugänge in die Geschäfte und die Gastronomie genutzt hätten. Wegen der pandemischen Entwicklung musste der Test nach Angaben von Bouffier und Klose jedoch verkürzt werden, die südhessische Stadt Dieburg konnte gar nicht an den Start gehen.

          Alsfeld hatte den Angaben zufolge an sieben Tagen den Einzelhandel in der Stadt geöffnet. Voraussetzung war wie auch in Baunatal die Vorlage eines negativen und tagesaktuellen Testergebnisses. Insgesamt hätten 38 Geschäfte an dem Modell teilgenommen. Eine räumliche Begrenzung für die, die in die Stadt kommen konnten, habe es nicht gegeben. Über den Projektzeitraum seien über 6000 Tests gemacht worden. Das entspreche fast 900 Tests im Tagesschnitt. 36 Personen seien positiv getestet worden.

          In Baunatal waren nach Angaben der Landesregierung an elf Tagen neben Einzelhandelsgeschäften auch die Außengastronomie und ein Kino geöffnet. Insgesamt hätten sich 25 Firmen beteiligt. In Baunatal konnten nur Personen am Modellprojekt teilnehmen, die ihren Erstwohnsitz in der Stadt haben. Insgesamt seien 4099 Tagestickets ausgegeben worden, davon 202 an vollständig geimpfte Personen. Über den gesamt Projektzeitraum seien 48 positive Testergebnisse gemeldet worden.

          Die Folgen der „Notbremse“ im Alltag

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

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