https://www.faz.net/-gzg-abn4q

Corona-Pandemie in Hessen : Drei weitere Kreise sehen mehr Freiheiten entgegen

Ausgehfein: Dieburg, hier Bajazz auf dem Fastnachtsbrunnen, und der umliegende Landkreis sind nunmehr fünf Tage unter der Inzidenzmarke 100 Bild: dpa

Weniger neue Corona-Fälle als vor einer Woche meldet das RKI für Hessen. Drei weitere Kreise liegen nun seit fünf Tagen unter der Marke 100. Die Hessen-Inzidenz ist aber höher als jene im Bund.

          2 Min.

          Im Hochtaunus und im Vogelsberg gehört die nächtliche Ausgangssperre seit Mittwoch der Geschichte an, in der Wetterau schon seit Montag. Nun blicken außer Darmstadt drei weitere Landkreise dem Ende dieser Einschränkung der Freiheit der Menschen entgegen. Die Bergstraße, Darmstadt-Dieburg und der Rheingau-Taunus liegen ebenfalls seit fünf Tagen unter der Inzidenzmarke 100, die eine nächtliche Ausgangssperre bedingt, sofern sie an drei Tagen in Folge übertroffen wird (siehe Kasten unten). Die Landesregierung hat gerade Lockerungen für Regionen beschlossen, in denen die Kennziffer an fünf Tagen in Folge unter 100 liegt. Dessen ungeachtet dürfen die Händler in Frankfurt von diesem Freitag an wieder „Click and Meet“ anbieten – im Kreis Gießen etwa ist das schon seit Mittwoch der Fall. Dabei war teils Kurioses zu beobachten. Händler freuen sich, endlich wieder Kundschaft bedienen zu können, wenn auch mit Einschränkungen.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu Himmelfahrt kommen auch mit Blick auf die einschlägigen Daten abermals recht erfreuliche Nachrichten zum Corona-Infektionsgeschehen in Hessen. Das Robert Koch-Institut meldet sowohl weniger neue Fälle als auch weniger weitere Tote im Zusammenhang mit der Pandemie als vor einer Woche. Die Inzidenz sinkt weiter, allerdings stehen für Hessen nach wie vor deutlich mehr binnen Wochenfrist verzeichnete Neuinfektionen in der Statistik als für den Durchschnitt im Bund. Und: Nur in Thüringen, Sachsen und Baden-Württemberg liegt die Kennziffer höher. Bei beiden Impfquoten liegt Hessen unter dem Mittelwert.

          1439 neue positive PCR-Tests haben die Gesundheitsämter dem RKI gemeldet nach 1613 vor sieben Tagen. Seit Beginn der Pandemie haben sich offiziell 270.800 Menschen in dem zentral gelegenen Bundesland mit dem Coronavirus infiziert, das entspricht etwas mehr als vier Prozent der Landesbevölkerung. Rund 20.400 Infektionen gelten noch als aktiv, also als nicht ausgestanden. Das sind etwa 200 weniger als am Vortag. Allerdings schätzt das RKI die Zahlen nur, es erhebt sie nicht amtlich.

          16 weitere Tote gibt es zu betrauern, nach 25 vor Wochenfrist. Alles in allem sind offiziell 7100 Menschen in Hessen bisher an oder mit Covid-19 gestorben, wie die Statistik des RKI zeigt.

          Sieben Landkreise und die Stadt Darmstadt bewegen sich unter der Inzidenzmarke 100, wie das Corona-Bulletin des Sozialministeriums ausweist. Die niedrigste Kennziffer hat Darmstadt mit knapp 66 vor der Wetterau mit gut 69. Tabellenführer ist der Kreis Fulda mit gut 168 vor Offenbach (156) und Kassel (153,5).

          Gut ein Drittel der Hessen mit erster Impfung

          Bei der Erstimpfquote lässt Hessen nach einem Zwischenspurt mittlerweile ein gutes halbes Dutzend Länder hinter sich, darunter Schleswig-Holstein und den Nachbarn Thüringen. 34,1 Prozent der Menschen in Hessen haben laut RKI die erste vorbeugende Spritze gegen das Coronavirus bekommen. Das sind 2,145 Millionen. Der Durchschnitt im Bund beträgt 34,3 Prozent. Spitzenreiter ist jetzt das Saarland mit 38,7; Rheinland-Pfalz kommt auf 32,9. Auch bei den vollständig Geimpften hinkt Hessen dem Mittelwert im Bund hinterher. Hessen kommt auf 9,0 Prozent, das ist ein Prozentpunkt unter dem Durchschnitt.

          Die Folgen der „Notbremse“

          Ausgangssperre: Sie gilt wie alle Regeln von Samstag an zwischen 22 und 5 Uhr in Kreisen und größeren Städten von einer Inzidenz von 100 an, sofern diese an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Spazierengehen und Joggen sind noch bis 24 Uhr erlaubt, dann darf das Haus nur noch aus triftigem Grund verlassen werden (Arbeit, medizinischer Notfall, Betreuung von Alten, Kindern und Kranken, Hund ausführen).

          Hochschulen, Schulen und Kitas: Auch in Hessen ist nun nicht mehr eine Inzidenz von 200, sondern 165 die Grenze, bis zu der Präsenzunterricht und -lehrveranstaltungen erlaubt sind. Kitas dürfen dann nicht mehr für den Regelbetrieb, sondern nur noch für eine Notbetreuung geöffnet werden. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen; das müssen die Länder eigenständig regeln. Wo Unterricht erlaubt ist, besteht die Testpflicht fort. Laborpraktika, Präsenzprüfungen und Forschungsbetrieb an Hochschulen können stattfinden.

          Am Arbeitsplatz: Es gilt fortan eine Pflicht zum Homeoffice – soweit es möglich ist. Das heißt, der Arbeitgeber muss die Möglichkeit anbieten, der Arbeitnehmer sie annehmen, sofern der Platz zu Hause ausreicht und die technischen Voraussetzungen gegeben sind. Für alle, die in den Betrieb kommen, muss das Unternehmen zwei Tests pro Woche ermöglichen.

          Einkaufen: Unabhängig von Inzidenzwerten bleiben Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Medikamente, Brillen, Bücher, Blumen) geöffnet. Ansonsten gilt: Unter 150 dürfen auch andere Läden öffnen und „Click & Meet“ anbieten, darüber nur nach dem Prinzip „Click & Collect“. Die Länder dürfen eigene Regelungen treffen – sofern sie schärfer sind. Für die Zahl der Kunden gilt nun (unabhängig von der Inzidenz) bundesweit: Bei einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter darf ein Kunde je 20 Quadratmeter im Laden sein, darüber hinaus darf ein weiterer je 40 Quadratmeter hinzukommen. Gegenüber der bisherigen Regel in Hessen bedeutet das eine Verschärfung.

          Frisuren und Kosmetik: Friseursalons und Fußpflegestudios bleiben geöffnet. Allerdings müssen Personal und Kunden Masken tragen und einen aktuellen Corona-Test (höchstens 24 Stunden alt) vorweisen. Tattoo- und Kosmetikstudios müssen schließen. (hs.)

          Weitere Themen

          CureVac-Impfstoff floppt Video-Seite öffnen

          Geringe Wirksamkeit : CureVac-Impfstoff floppt

          Der Corona-Impfstoff hat Untersuchungen zufolge nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent. CureVac will die Studie aber bis zu ihrer finalen Auswertung mit weiteren Corona-Fällen fortsetzen.

          Topmeldungen

          Vorbild für Moskau: Ein Mann lässt sich in der russischen Hauptstadt am Donnerstag mit dem Vakzin Sputnik V impfen

          Impfen in Russland : Moskau prescht mit Pflichtimpfung vor

          Moskaus Bürgermeister und drei weitere russische Regionen verpflichten Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter gegen das Coronavirus zu impfen. Der Kreml hingegen zögert angesichts der Impfunwilligkeit der Russen.
          Annalena Baerbock signiert am Donnerstag nach der Vorstellung ihres Buches ein Exemplar

          F.A.Z. Exklusiv : Baerbocks Pakt mit der Wirtschaft

          Die grüne Kanzlerkandidatin konkretisiert ihr Wirtschaftsprogramm. Ein zentraler Punkt sind Klimaschutzverträge, über die sie Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen will. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.