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In Zeiten von Corona : Legende

  • -Aktualisiert am

Im Kampf gegen Corona: Der Retter in der Not kommt aus der Plastiktube. Bild: dpa

Das Coronavirus stellt die Gesellschaft auf eine harte Probe. Das öffentliche Leben kommt zum Stillstand. Die Lage wird immer erdrückender und unüberschaubar. Es wird Zeit, die Misere mit einfachen Worten zu erklären.

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          Es war einmal ein kleines Virus, das lebte in einer Höhle in China, zusammen mit vielen Fledermäusen. Die Fledermäuse flogen nachts in den Wald, flatterten herum und kreischten laut. Da sagte das Virus zu seinen Geschwistern: „Ist euch auch so langweilig? Kommt, lasst uns sehen, ob es anderswo in der Welt auch so dröge zugeht wie hier.“ Und als sie mit einer unternehmungslustigen Fledermaus in der Großstadt gelandet waren, fassten das kleine Virus und seine Geschwister sich ein Herz und gingen mit einem anderen Lebewesen mit, das viel größer war als ihr Flugtier und aufrecht auf zwei Beinen über den Erdboden wandelte.

          Aber alle, zu denen das kleine Virus kam, um ihnen Gesellschaft zu leisten, wurden traurig und weinten. Da wunderte sich das kleine Virus und sagte zu seinen Geschwistern: „Lasst uns weiterziehen, auf dass wir unser Glück machen und es uns wohl ergehe auf Erden.“ So sahen das kleine Virus und seine Geschwister die ganze Welt, die viel größer und schöner war, als sie je gedacht hätten. Da aber die Menschen nicht aufhörten, sich übelriechende blaue Flüssigkeiten aus Plastikflaschen auf die Hände zu sprühen, legten sich das kleine Virus und seine Geschwister schließlich bei einer abgeschieden hausenden Rotte Wildschweine zur Ruhe. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

          Seltsam, was man sich alles so ausdenkt, wenn man allein zu Hause hockt und selber zum Märchenonkel wird. Was kommt als Nächstes? Die Ode „Der Impfstoff“? Elegien dichten wir derzeit nicht. Höchstens Limericks: „Es war einst ein Virus aus Wuhan, / das verschmähte als Wirt einen Truthahn. / Es ging auf die Lungen / von Alten und Jungen, / das fühlte sich alles nicht gut an.“

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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