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Pandemie in Hessen : Corona-Ausbruch in einem Heim in Frankfurt trübt die Statistik

Luftzufuhr: Beatmungsgerät am Bett eines Corona-Patienten im Frankfurter Uni-Klinikum Bild: Frank Röth

In Hessen ist nach längerer Zeit wieder ein dreistelliger Anstieg der Coronavirus-Infektionen verzeichnet worden. Das liegt allerdings vor allem an einem Ausbruch in Frankfurt. Weiter kommen gut 18 Genesene auf ein Corona-Opfer.

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          Mit schöner Regelmäßigkeit haben das Robert-Koch-Institut und das Hessische Sozialministerium in den vergangenen beiden Wochen täglich über einen zweistelligen Anstieg der Coronavirus-Infektionen berichtet. Entsprechend niedrig fiel jeweils die Zuwachsrate aus. Sie lag deutlich unter einem Prozent. Das hat sich nun vor Himmelfahrt geändert: 115 neue Fälle im Vergleich zum Dienstag stehen zu Buche. Am Vortag waren noch 31 Neuinfektionen gemeldet worden. In der Folge liegt das Plus bei gut 1,1 Prozent. Eine ähnliche Steigerung hatte es zuletzt von 7. auf den 8. Mai gegeben.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Sprung nach oben fällt aber zusammen mit der Nachricht von Dutzenden Neuinfektionen in einem Flüchtlingsheim in Frankfurt. Nun weist die Statistik 129 Fälle binnen Wochenfrist für Frankfurt auf  nach 57 am Dienstag. Gleichwohl erreicht Frankfurt nicht annähernd die für eine etwaige Rücknahme von Lockerungen wichtige Marke von 50 bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz. Das Ministerium weist einen Wert von 17 aus.

          Mit Blick auf diese Ziffer sind alle kreisfreien Städte und Landkreise derzeit auf der sicheren Seite. Für den Lahn-Dill-Kreis, den Kreis Marburg-Biedenkopf und den Vogelsberg steht wie am Vortag eine Null zu Buche. Diese Inzidenz bezieht sich auf die neuen Fälle je 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Sollte der Wert 50 überschritten werden, könnte das jeweilige Gesundheitsamt eine Rücknahme von Lockerungen der Corona-Regeln verfügen.

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          Die übrigen Daten des in der Seuchenbekämpfung federführenden Robert-Koch-Instituts reihen sich ein in die Berichte der vergangenen Tage. Vier weitere Todesopfer sind im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen; alle seit Beginn der Aufzeichnungen am 2. März verzeichneten Todesfälle summieren sich auf 446. Wie es weiter heißt, gelten 8200 Patientinnen und Patienten in Hessen als von einer Corona-Infektion genesen etwa 100 mehr als am Vortag. Weiter kommen also gut 18 Genesene auf ein Corona-Opfer.

          Dabei ist aber Folgendes zu beachten: Wie das RKI der F.A.Z. mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Wie das Sozialministerium berichtet, liegen derzeit 572 Covid-19-Patienten in hessischen Kliniken. 110 von ihnen müssen demnach beatmet werden. 9841 Betten seien frei. Das Gleiche gelte für 853 Betten mit Beatmungsgeräten. Weil auch in dieser Hinsicht kein Notstand besteht, kommt eine kostengünstige Marburger Erfindung aktuell nicht zum Zuge.

          Das RKI berücksichtigt jene Fälle, die am jeweiligen Tag um 0.00 Uhr übermittelt wurden. „Für die Darstellung der neu übermittelten Fälle je Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat“, heißt es auf der Internetseite des Instituts. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI könnten einige Tage vergehen. In solchen Fällen ist von Meldeverzug die Rede.

          Das Hessische Sozialministerium mit Sitz in Wiesbaden veröffentlicht seit März täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei nur noch auf Zahlen des RKI. Das aktuelle Corona-Bulletin findet sich hier.

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